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Leichtathletik : Schrader mit Volldampf zur WM

  • Aktualisiert am

Mister Zehnkampf: Michael Schrader Bild: dpa

Das deutsche Mehrkampf-Sextett für Peking ist komplett - und wird angeführt von Michael Schrader, der vor Selbstbewusstein strotzt. Nicht geschafft haben es der frühere Europameister Behrenbruch und die Olympia-Zweite Lilli Schwarzkopf.

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          Blendender Auftritt von Michael Schrader, glänzendes Comeback von Jennifer Oeser. Mit Volldampf hat das Zehnkampf-Ass am Sonntag in Ratingen gesiegt und seine Medaillenambitionen bei den Weltmeisterschaften im August in Peking unterstrichen. „Eine Medaille ist definitiv möglich“, sagte der 27 Jahre alte WM-Zweite von 2013. Mit 8419 Punkten gewann er die WM-Qualifikation vor dem Südafrikaner Willem Coertzen (8341) und Pascal Behrenbruch.

          Dem frühere Europameister aus Frankfurt/Main reichten die 7825 Zähler nicht für ein WM-Ticket, machten ihm aber Lust, seine Karriere bis zu den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro fortzusetzen. „Ich habe hier wieder Spaß bekommen und werde nächsten Jahr wieder oben angreifen“, kündigte Behrenbruch an. Neben Schrader komplettieren Kai Kazmirek (LG Rhein/Wied) und Rico Freimuth (Halle/Saale) das WM-Trio.

          Eine imponierende Rückkehr in die Siebenkampf-Weltspitze feierte nach einer Babypause Jennifer Oeser. Mit 6306 Punkten sicherte sich die 31-jährige Leverkusenerin, die Anfang Oktober 2014 ihren Sohn Jakob zur Welt brachte, den Startplatz in China. Hinter der Niederländerin Anouk Vetter (6387) und vor Claudia Rath (6290) wurde sie Zweite. „Ich freue mich riesig. Viele haben damit nicht gerechnet - und ich auch nicht. Die WM-Qualifikation ist nur das i-Tüpfelchen“, sagte Oeser. Sie reist zusammen mit Carolin Schäfer (TV Friedrichstein) und der Frankfurterin Rath ins Reich der Mitte. Nicht geschafft hat es die Olympia-Zweite Lilli Schwarzkopf (LG Hannover).

          Für Pascal Behrenbruch (rechts) hat es nicht gereicht
          Für Pascal Behrenbruch (rechts) hat es nicht gereicht : Bild: dpa

          Viel Anerkennung verdiente sich Michael Schrader, der die 8415 Punkte von der ersten WM-Ausscheidung in Götzis in Ratingen sogar um vier Zähler übertraf. „Vor dem Speerwurf war ich sogar 100 Punkte drüber, aber ich hatte Probleme mit dem Wurfarm“, meinte der Athlet vom SC Hessen Dreieich, der nur einen Versuche machte. „Die beiden Versuche hebe ich mir für die WM auf.“

          Schäfer: „Ich bin in der Form meines Lebens“

          Begeistert war der Leitende Bundestrainer Idriss Gonschinska vom Auftritt Schraders. „Man hat gesehen, was möglich ist, wenn Michael konzentriert in den Wettkampf geht“, meinte er und schloss einen weiteren WM-Coup von ihm nicht aus: „Wenn man Vizeweltmeister ist, träumt man vom Podium.“

          Sie Siegerinnen im Siebenkampf: Die Niederländerin Anouk Vetter (l), die zweitplazierte Jennifer Oeser (M) und die drittplazierte Claudia Rath
          Sie Siegerinnen im Siebenkampf: Die Niederländerin Anouk Vetter (l), die zweitplazierte Jennifer Oeser (M) und die drittplazierte Claudia Rath : Bild: dpa

          Hoffnungsträgerin im Siebenkampf ist neben Routinier Oeser noch Carolin Schäfer. Die 23-Jährige vom TV Friedrichstein war in Götzis mit starken 6547 Punkten Zweite geworden. „Ich bin in der Form meines Lebens. Das hat man auch hier gesehen“, sagte die EM-Vierte selbstbewusst. Für Gonschinska ist sie „eine Athletin der Zukunft“.

          Bessere Werbung für Mehrkampf verpasst

          Zum zweiten Mal hintereinander verpasst Lilli Schwarzkopf eine WM. Nach dem olympischen Silbergewinn 2012 hatte sie sich die Achillessehne gerissen. In diesem Jahr machte ihr eine Bronchitis einen Strich durch die WM-Rechnung, deren Folgen sie auch in Ratingen beeinträchtigten. „Es wäre ein zu großes Risiko für meinen Körper“, begründete sie den Verzicht auf den abschließenden 800-Meter-Lauf. „Ich wollte meine Chance nützen, doch dazu reichte die Kraft nicht.“

          Der Deutsche Leichtathletik-Verband hat bei aller Freude über die guten Auftritte von Schrader und Oeser die Chance vertan, mit den Mehrkämpfern mehr Werbung zu betreiben. Topkräfte wie Götzis-Sieger Kazmirek und Freimuth haben ebenso vorzeitig aufgehört wie die zurzeit beste Siebenkämpferin Carolin Schäfer und am Ende auch noch Schwarzkopf. Alle hatten sich praktisch bei der WM-Ausscheidung in Götzis die China-Reise gesichert und wollten kein Risiko eingehen - obwohl das ARD-Fernsehen live berichtete. „Natürlich ist das schade, aber im Mehrkampf sind die Belastungen hoch“, sagte Gonschinska.

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