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Gold bei Leichtathletik-EM : Gesa Krause nimmt alle Hindernisse

  • -Aktualisiert am

Schreit den Jubel heraus: Gesa Krause hat trotz großem Druck ihren Titel über 3000 Meter Hindernis verteidigt. Bild: Reuters

Den Titel erfolgreich verteidigt: Gesa Krause hat die Goldmedaille beim 3000-Meter-Hindernislauf der Europameisterschaften gewonnen, dabei war diese Saison für die 26 Jahre alte Läuferin nur eine des Übergangs. Sie hat ein langfristiges Ziel.

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          Von den Schweizer Bergen auf die Berliner Bahn binnen drei Tagen und dann, praktisch noch mit Höhenluft in den Lungen, zu Gold gelaufen: das Konzept von Gesa Felicitas Krause bei den Leichtathletik-Europameisterschaften ist exakt aufgegangen. Am Schlusstag der Heim-Spiele im Olympiastadion gewann die 26 Jahre alte Hessin mit einer famosen Vorstellung in 9:18,80 Minuten den EM-Titel über 3000 Meter Hindernis, zum zweiten Mal nach 2016. „Es war am Ende großer Druck, den ich mir selbst gemacht habe. Ich wollte hier unbedingt gewinnen.“

          Das Rennen über die siebeneinhalb Runden mit jeweils vier Hindernissen und einem Wassergraben ging die Titelverteidigerin zunächst am Ende der Spitzengruppe an. Auf den ersten Runden hielt sie sich an vierter, fünfter Position. Nur nicht hinfallen war die Devise. Von der WM im vergangenen Jahr verfolgte sie noch ein kleines Trauma, denn damals war sie unverschuldet zu Fall gekommen, das Rennen aber zu Ende gelaufen. „Da hatte ich Pech, das gehört dazu. Ich habe mich vor dem Rennen an die schönen Momente erinnert.“

          Diesmal gewann die für Trier laufende Frankfurterin wieder einen richtigen Titel. Vier Runden vor Schluss setzte sie sich erstmals an die dritte Position, der Lärm im Stadion wurde lauter. Zwei Runden später ging Krause vor auf Rang zwei, nur die an der Spitze ihr Glück suchende Schweizerin Fabienne Schlumpf hatte die Deutsche noch vor sich. Mit dem Schlagen der Glocke zur letzten Runde wurde es dann ohrenbetäubend.

          Angefeuert von 42.350 Zuschauern überholte Krause ihre verbliebene Konkurrentin am letzten Wassergraben und setzte zum Endspurt an. Im Ziel riss sie glücksstrahlend die Arme in die Luft, erster Gratulant war Maskottchen „Berlino“. Silber sicherte sich Fabienne Schlumpf (9:22,29) vor der Norwegerin Karoline Grovdal (9:24,46). Elena Burkard (Mannheim) lief mit persönlicher Bestzeit zudem auf den starken sechsten Rang (9:29,76).

          Schon bei der Vorstellung von Gesa Krause war es sehr laut geworden im Olympiastadion. Im Ziel gab es dann kein Halten mehr. Seit ihrem WM-Sturz schlägt der 1,67 Meter kleinen Krause noch mehr Sympathie entgegen als zuvor – fast schon zu viel nach ihrem Geschmack. Denn seit dem unglücklichen Rennen von London war sie hauptsächlich mit Pech und Fairplay in Verbindung gebracht, dabei hatte sie doch schon jede Menge Erfolge vorzuweisen. WM-Dritte war sie 2015. EM-Gold gewann sie 2016. Und Anfang 2018 bekam sie zudem Bronze von der EM 2012 nachgereicht, nachdem eine Konkurrentin des Dopings überführt worden war.

          Gesa Felicitas Krause ist, seit sie 19 war, bei allen großen Meisterschaften Stammgast auf der Hindernisstrecke, die erst seit 1998 für Frauen zugelassen ist. Dass sie sich die schwierige Distanz mit den 76,2 Zentimeter hohen Hindernissen und dem 3,66 Meter breiten und langen Wassergraben als Spezialdisziplin erkor, hatte zunächst auch strategische Gründe. Hier schien die Leistungsdichte nicht ganz so eng wie auf den etablierten Strecken. Mittlerweile sind die Felder aber deutlich homogener, die Konkurrenz größer. Von den persönlichen Bestzeiten ausgehend, musste sie in Berlin zwar als Favoritin angesehen werden – starke 9:11,85 Minuten war sie an gleicher Stelle vor Jahresfrist gelaufen, hatte beim Istaf einen deutschen Rekord aufgestellt. Legte man aber die Vorleistungen 2018 zugrunde, war sie nur die Nummer fünf im Feld. Die laufende Saison sah Krause nur als Übergangsjahr an.

          Doch wie glücklich sie über den Titel war, konnte jeder im Olympiastadion an ihrem leuchtenden Lachen ablesen. Karriereziel ist eine Medaille bei Olympia 2020, möglichst die goldene. Um dies in Tokio zu schaffen, geht sie weite Wege, trainiert ein halbes Jahr pro Saison im Ausland, meistens in den Bergen von Davos, aber auch im Hochland von Kenia. Der Lauf-Profi setzt alles darauf, Hindernisse zu überwinden und dabei nicht hinzufallen. Am Sonntagabend gelang es so vorzüglich, dass das Publikum im Olympiastadion tobte. Ein „atemraubend tolles Feeling in dieser Atmosphäre“ sei es gewesen, sagte Krause. „Ich hoffe, dass es noch ein langer Abend wird.“

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