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Handballer Drux und Wiede : Die Not macht den Bundestrainer erfinderisch

  • -Aktualisiert am

Paul Drux und Fabian Wiede während des Spiels der deutschen Handballer gegen Slowenien bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro. Bild: Picture-Alliance

Die Berliner Wiede und Drux waren lange verletzt. Jetzt gehören sie zum erweiterten Kader für die Handball-WM – wenn auch nicht auf ihren angestammten Positionen.

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          Das Gute an einer Verletzung sei, dass man endlich mal eine Pause habe, hat Nikola Karabatic vor Jahren gesagt, als er noch in der Bundesliga spielte. Er war unbestritten ein Weltstar des Handballs, der nun im Übrigen nach einer Operation am Zeh für die Weltmeisterschaft in Deutschland und Dänemark ausfällt. Fabian Wiede und Paul Drux haben eine unfreiwillige Auszeit hinter sich, sie waren angeschlagen – und dürften jetzt ziemlich ausgeruht bei der WM antreten. Die beiden werden sich gefreut haben, ihre Namen in dem Kader zu lesen, den Bundestrainer Christian Prokop am Montag bekanntgab. 28 Spieler, darunter überraschend Torhüter Johannes Bitter, hat Prokop genau einen Monat vor Beginn des Turniers ausgesucht, und auf der Position Rückraum Mitte sind zwei Spieler gelistet, die schon seit fünf Jahren als größte deutsche Talente gelten – eben Wiede und Drux.

          Spielplan der Handball-WM 2019 in Deutschland und Dänemark

          Die beiden Berliner sind nach längerer Zeit also wieder dabei, wenn Prokop mit einem Kurzlehrgang in Rostock und dem Spiel gegen Polen an diesem Mittwochabend (19.00 Uhr) ebenfalls in Rostock die Sinne schärfen will für die bevorstehende große Herausforderung. Dieser Termin ist im Übrigen dem Einvernehmen von Deutschem Handballbund (DHB) und der Bundesliga-Vereinigung HBL zu verdanken, im internationalen Wettspielkalender ist diese Abstellphase nicht vorgesehen. Deswegen fehlt auch Kapitän Uwe Gensheimer. Er bestreitet ein Pokalspiel mit Paris St. Germain.

          Die Zuordnung zu einer Position auf dem Handballfeld ist in diesen Tagen längst nicht mehr in Stein gemeißelt. Eigentlich spielt Drux links im Rückraum und Wiede rechts; dafür sind sie jahrelang bei den Füchsen Berlin ausgebildet, gefördert und gefordert worden. Doch die Not macht auch bei der Nationalmannschaft erfinderisch: Weil Prokop die großen Fachleute für die so wichtige Spielsteuerung fehlen, setzt er auch auf sogenannte „Halbe“ in der Mitte des Feldes. Der Linkshänder Wiede kann das etwas besser als der Rechtshänder Drux. Deswegen gilt Wiede auch als Prokops zweiter Mann für die WM auf dieser Position hinter Martin Strobel, den Prokop trotz dessen Saison mit Balingen in der zweiten Liga für den geeigneten deutschen Regisseur hält. Während Strobel ein strukturierter Ballverteiler ist, der häufig den Kreis sucht, bekommt man mit Wiede weniger Vorhersehbarkeit und mehr Torgefahr in den Angriff. Drux wiederum spielt in der Mitte so wie links daneben – mit vollem Körpereinsatz und viel Mut sucht er den Abschluss. Sollte Drux zum 16 Spieler umfassenden Kader der Deutschen gehören, die die WM mit dem Spiel gegen das sportlich vereinigte Korea am 10. Januar in Berlin beginnt, wird er die wenigsten Spielanteile in der Mitte bekommen.

          Der Preis des Stahlbads Bundesliga

          Planen konnte Prokop mit beiden nicht. Seit der in Gummersbach handballerisch sozialisierte Drux bei der WM 2015 in Qatar die Bühne des Handballs betrat, hat er eine noch dickere Krankenakte angesammelt als Wiede, der aus Belzig südwestlich Berlins stammt und mit 24 Jahren genau ein Jahr älter ist als Drux. Auch beim größten Triumph der Deutschen in der jüngeren Vergangenheit fehlte Drux verletzt: Beim unerwarteten Titelgewinn bei der Europameisterschaft in Polen vor knapp drei Jahren half nur Wiede als torgefährlicher Halbrechter mit.

          Es ist oft spekuliert worden, warum Wiede und Drux so oft verletzt waren. „Es bringt wenig, sich über das Was und Wie Gedanken zu machen“, hat Drux mal gesagt. Allgemein zeichnet es Handballspieler aus, Verletzungen als Teil ihrer Karriere zu sehen. Beide mussten auf dem Weg vom A-Jugend- zum Profispieler Gewicht zulegen, um im Stahlbad Bundesliga zu bestehen. Beide kennen es, viele Partien bestreiten zu müssen und in einem eher kleinen Kader in Berlin auch viele Spielanteile zu bekommen. Sie haben mit 19, 20 Jahren schon tragende Rollen bei den Füchsen übernommen, auch weil sie Rollenmodelle für das Berliner Modell sind – hier werden Stars gemacht und nicht gekauft. Dafür zahlen sie einen hohen Preis.

          Drux musste sich im Oktober am Sprunggelenk operieren lassen, Wiede nahm eine Bänderverletzung von der Vereinsweltmeisterschaft namens Super Globe in Doha mit. Wiede kehrte am 22. November bei der Niederlage in Kiel wieder zurück zu seinen Kollegen, Drux am Nikolaustag beim Sieg in Gummersbach. Das war auch für Prokop eine frohe Kunde. Ohnehin im Austausch mit den beiden, kannte er den Fitnessstand und freut sich jetzt über Spielpraxis. Besonders bei Wiede gerät er ins Schwärmen. Den braucht er bei der WM nämlich unbedingt, weil er überzeugt ist, ein solches Turnier nicht allein mit Strobel bestreiten zu können.

          In den Tests gegen Polen, Tschechien (4. Januar in Hannover) und Argentinien (6. Januar in Kiel) wird Prokop nun tüfteln, denn außer Strobel, Wiede und Drux hat er Tim Suton und Niclas Pieczkowski für den mittleren Rückraum nominiert. Und alle fünf wird der Bundestrainer garantiert nicht mitnehmen nach Berlin.

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