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Handball-WM in Deutschland : Warum der Bundestrainer gelöst ins Abenteuer geht

  • -Aktualisiert am

Bundestrainer Christian Prokop geht in sein zweites großes Turnier mit den Handballer. Bild: dpa

Der Countdown läuft: Am Donnerstag starten die Handballer in die WM im eigenen Land. Zuvor musste Christian Prokop noch eine knifflige Aufgabe lösen – und tat das auf ungewöhnliche Art.

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          Wer darf mit und wer nicht, das ist für jeden Trainer vor einem großen Turnier die schwierigste Frage. Und eine mit weitreichenden Folgen: Die Causa „Leroy Sané“ zum Beispiel begleitet Joachim Löw bis heute. Löws Handballkollege Christian Prokop trägt in der Sache „Kadernominierung“ auch einen sperrigen Rucksack aus vergangenen Zeiten. Das merkte man dem Handball-Bundestrainer schon am Donnerstag beim Medientag des Deutschen Handballbundes (DHB) in Hamburg an, als er nur ausweichend auf die Frage nach dem Wie und Wann antworten mochte. Darauf also, wann die beiden Handballprofis davon erfahren würden, dass sie nicht zu den 16 Spielern gehören, die sich am Dienstag in Berlin auf ihre Weltmeisterschaftsmission begeben.

          Man darf davon ausgehen, dass sich innerhalb der Mannschaft mit ihren 18 Spielern einige als Streichkandidaten fühlten – es bleibt die Frage, ob der Bundestrainer, sein Assistent Alexander Haase und DHB-Sportchef Axel Kromer sich die Namen schon seit Wochen zurechtgelegt haben oder tatsächlich auf Eindrücke aus dem Training und den verbleibenden Testspielen vertrauten. Prokop sprach von Letzterem. Dass man die Mannschaft ein bisschen zappeln lässt, den Konkurrenzkampf erhöht und so Übungsstunden auf Wettkampfniveau bekommt, ist ein angenehmer Begleiteffekt, den Kapitän Uwe Gensheimer bestätigte, als er von sehr intensiven Zweikämpfen im Training sprach.

          Letztlich traf es Tobias Reichmann von der MT Melsungen und Tim Suton vom TBV Lemgo. Beide hatten am Morgen vor dem letzten Testspiel erfahren, dass sie schon am Sonntagnachmittag gegen Argentinien, gegen das Deutschland 28:13 gewann, nicht mehr dabei sein würden. Zu seiner schwierigen Entscheidung sagte der 40 Jahre alte Bundestrainer: „Es war eine sehr enge und schwere Sache, denn diese 18 Mann aus unserem Kader sind ein sehr enges Team, und jeder hat seinen Anteil, dass wir so eine gute Stimmung haben und auf so einem taktischen Niveau spielen. Die Stimmung heute ist mit der von vor einem Jahr nicht zu vergleichen. Wir haben einen guten Mix an Ehrgeiz und lockerer Stimmung.“

          Zu der Entscheidung für Patrick Groetzki auf der Rechtsaußenposition sagte er: „Taktische Beweggründe haben eine große Rolle gespielt. Wir haben jetzt eine größere Variabilität im Rückraum. Tobias ist enttäuscht, das habe ich gemerkt, aber er hat nicht viel dazu gesagt, das verstehen wir natürlich auch. Das ist hart für ihn. Zwischen den beiden Spielern haben Nuancen den Ausschlag gegeben. Tim Suton ist ein wichtiger Mann für die Zukunft. Er soll sich an eine führende Rolle heranpirschen und kann im Falle einer Verletzung sofort weiterhelfen.“ Etwas Trost gab es von Reichmanns Kollegen Groetzki. „Es gibt keinen guten Zeitpunkt für eine solche Entscheidung, es entsteht immer ein blödes Gefühl“, sagte der Rechtsaußen der Rhein-Neckar Löwen, der nun die erste Zeit allein auf seiner Seite wird spielen müssen: „Für mich bedeutet das nur, dass ich mich auf viel Spielzeit einstellen kann“, sagte Groetzki.

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