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Handball-WM-Kommentar : Prokops Rolle

  • -Aktualisiert am

Hat der deutsche Handball eine rosige Zukunft mit Christian Prokop? Bild: Reuters

Das Minimalziel Halbfinale erreichen die deutschen Handballer bei der WM. Aber steuert der Verband mit Bundestrainer Prokop und diesen Spielern tatsächlich in eine rosige Zukunft?

          Sie alle beim Deutschen Handballbund (DHB) haben hörbar durchgeschnauft, als nach dem Sieg über Kroatien das Halbfinale erreicht war. Dieses Minimalziel bei der stimmungsumtosten Heim-WM hatte sich mit den schweren Gegnern Frankreich und Kroatien als ganz schön maximal erwiesen. Anzumerken war Bundestrainer Christian Prokop die Last dieser Aufgabe im Turnier nicht, er hatte sie – zumindest nach außen und in der Arbeit mit der Mannschaft – als motivierende Lust umgedeutet.

          Handball-WM 2019

          Auch wenn es niemand mehr hören mochte, war die Geschichte dieses Bundestrainers ja nur im Rückgriff auf die verpatzte EM 2018 in Kroatien zu erklären. Sein erstes Turnier in der Verantwortung, das ein Misserfolg wurde, weil Trainer und Mannschaft nicht zueinander fanden. Jetzt, wo die Loblieder auf Prokop und seine Fähigkeit, aus Fehlern zu lernen, von der Öffentlichkeit und dem DHB-Oberen gesungen sind, kommt der Moment, noch etwas genauer hinzuschauen: Steuert der DHB mit diesem Trainer und diesen Spielern tatsächlich in eine rosige Zukunft?

          Dass Prokop weiterhin kritisch auf die Finger geschaut wird, zeigte sich nach dem verdienten Halbfinal-Aus gegen Norwegen. Da hatte vieles nicht funktioniert, was von der Bank kam und zuvor im Turnier geklappt hatte. Man kann sein Urteil über diesen Bundestrainer nicht nach jedem Spiel neu fällen. Aber eine gewisse Skepsis gegenüber Christian Prokop und seinen Fähigkeiten als Chefcoach in einem emotional herausfordernden Großturnier bleibt auch trotz einiger begeisternder Spiele bei dieser WM. Vizepräsident Bob Hanning steht weiterhin voll hinter Prokop, doch es gibt im Verband auch andere Stimmen.

          Spielplan der Handball-WM 2019 in Deutschland und Dänemark

          Die zentrale Frage, ob es zwischen Mannschaft und Trainer passt, ob da mehr ist als ein Zweckbündnis, ist ehrlicherweise kaum zu beantworten. Der Erfolg bis zum Freitag hat vieles zusammengeschweißt, auch die Japan-Reise der Nationalmannschaft im Sommer 2018 hatte ihren Anteil. Zudem hat eine Heim-WM einen sinnstiftenden Effekt in der Form, dass jeder aus sich heraus motiviert ist. Darüber hinaus ist es aber auch die klare Verantwortung einer Mannschaft, dem Trainer entgegenzukommen. Das war insbesondere bei den Deutschen nach den Erfahrungen von Kroatien 2018 so.

          Und doch – wenn man die Chefs auf der Bank wie den Dänen Nikolaj Jacobsen oder den Norweger Christian Berge anschaut, findet man andere Typen, andere Führungsstile. Demokratisch verhandelt wird hier nichts. Ist das erfolgversprechender? Für den Moment ja, aber gerade die Qualität, die Stimmen der Spieler zu hören, ist Prokop als hinzugewonnene Stärke ausgelegt worden, auch im Kontrast zu seinem Verhalten vor einem Jahr, als er quasi durchregieren wollte, damit aber scheiterte.

          Und dann ist es auch leichter, als Trainer Mikkel Hansen und Rasmus Lauge ins Rennen zu schicken oder Sander Sagosen und Christian O’Sullivan als Tim Suton und Steffen Fäth. Auch in Zukunft wird Prokop seine Mannschaft über die Breite wettbewerbsfähig in der Weltspitze halten müssen. Nicht über individuelle Klasse. Man kann die Frage zur Zukunft dieser Mannschaft, die an diesem Sonntag (14.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Handball-WM und in der ARD) gegen Frankreich um WM-Platz drei spielt, mit diesem Trainer eigentlich nur so beantworten: Es kann gutgehen bis zum Ende seines Fünfjahresvertrages 2022 und darüber hinaus (Spielplan der Handball-EM 2020). Es muss aber nicht.

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