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Wolff kritisiert DHB-Kollegen : „Jetzt auf einmal ist es so ein großes Problem“

  • Aktualisiert am

Deutliche Worte: Andreas Wolff hat wenig Verständnis für die WM-Absagen seiner Kollegen. Bild: Picture-Alliance

Für die coronabedingten WM-Absagen einiger Handball-Nationalspieler zeigt Torwart Andreas Wolff wenig Verständnis. Ungewohnt deutlich kritisiert er vor dem Turnier in Ägypten vor allem seine ehemaligen Kieler Teamkollegen.

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          Mit überraschend deutlichen Worten hat Torhüter Andreas Wolff die coronabedingten WM-Absagen einiger Handball-Nationalspieler kritisiert und wenige Tage vor dem Abflug der DHB-Auswahl nach Ägypten für Aufsehen gesorgt. Er sehe das „sehr, sehr kritisch“, sagte der 29-Jährige am Donnerstag in einem Podcast des Bundesligisten Rhein-Neckar Löwen. Besonders wenig Verständnis bringt der Stammkeeper der DHB-Auswahl für die Absagen seiner ehemaligen Kieler Teamkollegen Hendrik Pekeler, Patrick Wiencek und Steffen Weinhold auf.

          Handball-WM 2021

          Er könne zwar verstehen, dass Spieler in der heutigen Zeit um ihre Gesundheit und Ähnliches besorgt seien, sagte Wolff. „Gerade für Familienväter ist es natürlich etwas Schweres, seine Kinder diesen Monat zurückzulassen und sie nicht zu sehen.“ Aber es habe die Spieler zuvor auch nicht gestört, mit dem THW Kiel in der Champions League aktiv zu sein und dort in Länder zu reisen, die als Corona-Risikogebiete eingestuft worden seien.

          „Und jetzt auf einmal bei der WM ist es dann so ein großes Problem, obwohl da die Hygienemaßnahmen, die Sicherheitsmaßnahmen, deutlich höher sind als beispielsweise in den internationalen Wettbewerben“, sagte der Keeper des polnischen Spitzenclubs Vive Kielce. „Was mich noch viel mehr daran stört, ist, dass deren Vereinskollegen anscheinend nicht so ein großes Problem damit haben, zur WM zu fahren.“

          Gelassene Reaktion auf Kritik

          Die Führung des Deutschen Handballbundes reagierte gelassen auf die Wolff-Kritik. „Wir wollen immer erwachsene und meinungsstarke Spieler, da müssen wir auch starke Meinungen akzeptieren“, sagte DHB-Präsident Andreas Michelmann der Deutschen Presse-Agentur. Und Sportvorstand Axel Kromer ergänzte: „Wir wissen, dass Andreas Wolff sich immer klar und deutlich äußert. Das akzeptieren wir, damit müssen wir leben. Das Thema ist für uns intern keines mehr.“

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          Pekeler wollte auf Nachfrage die Äußerungen Wolffs nicht kommentieren. So wie Wiencek und Weinhold hatte auch der 29-Jährige aus familiären Gründen auf eine Teilnahme am Turnier vom 13. bis 31. Januar in Ägypten verzichtet. Andere Kieler Profis wie etwa der norwegische Superstar Sander Sagosen, Dänemarks Weltklasse-Torhüter Niklas Landin oder der ehemalige kroatische Welthandballer Domagoj Duvnjak nehmen dagegen mit ihren Nationalteams an der WM teil.

          „Sensibelste Handball-Nation der Welt“

          „Das finde ich persönlich halt ein bisschen bedenklich, dass nur die deutschen Spieler sich dann so um ihre eigenen Familien sorgen und die ausländischen Spieler anscheinend sagen: „Ach, komm, ich lass Frau und Kinder einfach zurück, die machen das schon““, sagte Wolff, der in Ägypten als erster Torhüter eingeplant ist. Obwohl Bundestrainer Alfred Gislason stets Verständnis für die Absagen der Spieler äußerte, hatte zuletzt auch DHB-Boss Michelmann das Verhalten der Kieler Profis kritisch hinterfragt.

          „Wir sind wahrscheinlich die sensibelste Handball-Nation der Welt. Wenn ich sehe, dass in Kiel die Deutschen nicht fliegen, die Dänen, Kroaten und Slowenen aber sehr wohl, ist es vielleicht auch in Personen begründet“, sagte Michelmann der „Sportbild“. „Es ist am Ende müßig, denn die Entscheidungen sind getroffen.“ Es gebühre den Spielern Respekt, die hinfliegen.

          Bundestrainer Gislason muss in Ägypten nicht nur auf Pekeler, Wiencek und Weinhold verzichten, sondern vor allem verletzungsbedingt auch auf etliche weitere Spieler. Neben den drei Kielern hatte lediglich Finn Lemke wegen der Corona-Krise abgesagt. Der Abwehrspezialist von der MT Melsungen hatte sich im November mit dem Virus infiziert und danach einige gesundheitliche Probleme. Gislason ging bislang äußerst gelassen mit dem Fehlen zahlreicher Stammkräfte um: „Ich sehe das pragmatisch: Jeder Verlust ist auch eine Chance.“

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