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Handball-EM : Spaniens Routine siegt gegen Kroatiens Willen

  • -Aktualisiert am

Erfolgreiche Titelverteidigung: Jorge Maqueda Pena und seine Spanier gewinnen gegen Kroatien. Bild: AFP

Spanien gewinnt das Endspiel gegen Kroatien in den Schlussminuten. Der alte Europameister ist auch der neue. Der zusätzliche Lohn ist die Olympia-Qualifikation. Domagoj Duvnjak muss weiter auf den Titel warten.

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          Auf Alex Duschebajew hatte sich die spanische Handball-Nationalmannschaft im ganzen Turnier verlassen können. Das war auch im Finale so. Sein Treffer zum 22:20 eine halbe Minute vor Schluss ließ Spanien jubeln. Dass dann Gonzalo Perez de Vargas auch noch den letzten Ball der Kroaten hielt, passte ins Bild - er war der beste Torwart dieser Europameisterschaft in Norwegen, Österreich und Schweden.

          Nach einer hochspannenden Partie bezwang der Titelverteidiger die tapferen Kroaten am Sonntagnachmittag mit 22:20 und konnte mit einer klitzekleinen Schar Fans jubeln. Die vielen Kroaten unter den 17.000 Zuschauern in der Tele2-Arena, darunter Staatspräsidentin  Kolinda Grabar-Kitarovic, feierten ihr Team trotzdem laut und herzlich. Der Kräfteverlust nach dem harten Halbfinale am Freitag gegen Norwegen war offenbar zu groß gewesen.

          Duvnjak gegen das beste Kollektiv

          Spanien blieb im Turnierverlauf ohne Niederlage, spielt seinen Handball routiniert und selten spektakulär herunter und wurde dafür am Ende zusätzlich mit der Olympia-Qualifikation belohnt. Kroatien muss hingegen wie Deutschland den Umweg über ein weiteres Qualifikationsturnier nehmen,

          „Campeone, Campeone“, dröhnte es spanisch durch die Arena, während die Kroaten um ihren überragenden Anführer Domagoj Duvnjak Abschied von ihren Fans und dieser EM nahmen.

          Duvnjak gegen - ja, gegen wen eigentlich? Es war das Duell des besten Individualisten des Turniers gegen das beste Kollektiv. Fünf Spieler über 35 Jahre haben die Spanier in ihrem Kader, und zwar keine Auffüller, sondern Stützen der Gesellschaft wie den 38 Jahre alten Raul Entrerrios oder die Ü30-Spieler Joan Canellas und Jorge Maquede. Überhaupt der Kader. Während der kroatische Nationaltrainer Lino Cervar im Laufe des Turniers meist den selben Spielern das Vertrauen schenkt, schenken muss, weil es ein beträchtliches Gefälle in der Gruppe gibt, kann der spanische Kollege Jordi Ribera munter wechseln, ohne dass die Qualität leidet. Allerdings wich Cervar, der alte Fuchs, im Finale von seiner Linie ab, und wechselte munter durch. Das brachte seine Kroaten in der zweiten Halbzeit nach einem Drei-Tore-Rückstand zurück in die Partie. Doch die Kraft ließ nach, und die Paraden von Perez ließen die Kroaten verzweifeln. Ihre Torhüter waren im ganzen Turnier hingegen selten ein Faktor gewesen.

          Atmosphäre wie beim ESC

          Das Rahmenprogramm dieser Europameisterschaft hatte Stil, Unterhaltungswert und Klasse in den Tagen von Stockholm. Was die Veranstalter da auf das Parkett zauberten, sprach auch ein junges Publikum an - die Show vor dem Finale mit musikalischen Reminiszenzen an schwedische Legenden wie Abba und Europe erinnerte in seiner Leichtigkeit an den Eurovision Song Contest. Früher begann das Finale einer EM mit den Nationalhymnen und dem Anpfiff. Nun gab es eine sehenswerte Show mit Musik, Tänzern, Pyrotechnik und den Flaggen aller 24 Teilnehmer.

          Der Handball will jünger, moderner, sehenswerter werden, er will sich für ein juveniles, außereuropäisches Publikum öffnen. Manchem mag das Brimborium in der Arena im Stockholmer Johanneshov ein bisschen viel, ein bisschen laut gewesen sein, andere fanden den Rahmen um die vier besten Teams Europas angemessen und feierlich. Immerhin probiert der Europäische Handballverband (EHF) etwas aus.

          Was niemandem gefiel, war die Abfolge der Spiele. Der slowenische Trainer Ljubomir Vranjes und sein norwegischer Kollege Christian Berge äußerten deftige Kritik an der Tatsache, nur einen Tag nach den Halbfinals schon am Samstag das Spiel um Platz drei bestreiten zu müssen. „Es tut mir für den Handball und seine Fans leid, dass zwei müde Teams grausamen Handball gespielt haben“, sagte Vranjes nach der 20:28-Niederlage seiner Slowenen. Berge freute sich über die Bronzemedaille seines Teams, sagte aber: „Es ist einfach krank, zwei Tage nacheinander zu spielen. Wir werden darüber reden müssen. Es muss sich etwas ändern. Alles wird auf dem Rücken der Spieler ausgetragen.“ Norwegens Starspieler Sander Sagosen deutete gar an, dass bald Akteure einen großen Bogen um EM und WM machen würden, um die eigene Gesundheit nicht zu ruinieren.

          Dass am Samstag und nicht am Sonntag das Spiel um Platz drei ausgetragen wurde, lag übrigens am Spiel um Platz fünf, das die Deutschen 29:27 gegen Portugal gewonnen hatten - die Veranstalter brauchten das Match um die Bronzemedaille, um das Spiel um Platz fünf nicht zu einer singulären, komplett sinnlosen Veranstaltung in der riesigen Arena für 22.000 Zuschauer zu machen.

          Das große und hart umkämpfte Endspiel dann war gekennzeichnet von Müdigkeit und nachlassender Konzentration - wie sollte es anders sein beim neunten Spiel in 17 Tagen? Immer wieder scheiterten die Kroaten am starken Perez de Vargas. Doch absetzen konnte sich Spanien nicht. Beim 17:16 für die Iberer in der 47. Minute war die Partie komplett offen. Einfache Tore gab es gar nicht mehr, es war ein zähes Ringen. Mittendrin natürlich Duvnjak. Vorn und hinten im Dauereinsatz. Plötzlich führte Kroatien dank Stepancics Treffer in der 55. Minute 19:18. Ein nächster Krimi in Schwedens Hauptstadt. Doch Spaniens Routine siegte gegen den großen Willen der Kroaten.

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