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Ausgebeutete Arbeiter : WM-Streit zwischen Amnesty und Qatar eskaliert

Hier entsteht das Khalifa-Stadium in Qatar. Doch unter welchen Bedingungen? Bild: Reuters

Die Menschenrechtsorganisation erhebt neue Vorwürfe und fordert Druck von der Fifa. Das Emirat hält dagegen und spricht von einem „falschen Bild“.

          Während Amnesty International den Fußballweltverband (Fifa) aufgefordert hat, sich stärker für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen auf den Baustellen im WM-Land Qatar einzusetzen, wehren sich die Organisatoren der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 gegen die Kritik der Menschenrechtsorganisation.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Man habe immer eine konstruktive Zusammenarbeit mit Arbeitnehmerorganisationen gepflegt, dazu zähle auch Amnesty International. „Doch mit den neuesten Behauptungen wird ein falsches Bild gemalt“, teilte das WM-Organisationskomitee Qatars FAZ.NET mit. Der Druck auf den WM-Ausrichter ist allerdings nicht zu leugnen: Die qatarischen WM-Planer haben das auf die Prüfung ethischer Standards spezialisierte britische Beratungsunternehmen „Impactt“ zur zusätzlichen Kontrolle der Arbeitsbedingungen engagiert.

          Amnesty stellt an diesem Donnerstag in Berlin einen Report vor, in dem Aussagen von mehr als 200 Gastarbeitern zu anhaltenden Missständen auf einer WM-Baustelle, dem zentralen Khalifa-Stadion in Doha, dokumentiert sein sollen. Demnach bekämen die Arbeiter von ihren Arbeitgebern die Pässe abgenommen, damit sie das Emirat nicht vor Ablauf des Arbeitsvertrags verlassen könnten. Löhne würden mit bis zu sieben Monaten Verspätung ausgezahlt, bei Beschwerden drohe Arbeitern die Zwangsausreise ohne ausstehende Bezahlung. Amnesty spricht von „Ausbeutung“. Arbeitsmigranten in Qatar seien einer Reihe von Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt, man könne in einigen Fällen von Zwangsarbeit sprechen, sagte Regina Spöttl von Amnesty International in Deutschland. „Die Fifa muss sofort den Druck auf die qatarische Regierung erhöhen.“

          Die Fifa reagiert auf den Bericht und kündigte an, für „wesentliche Veränderungen“ sorgen zu können. Der Leiter der Nachhaltigkeitsabteilung des Internationalen Fußballverbands, Federico Addiechi, sagte in einer am Donnerstag auf der Fifa-Website veröffentlichten Stellungnahme, man sei sich der „vielen Probleme“ bewusst, aber „auf dem richtigen Weg und entschlossen, die Lage weiter zu verbessern und noch stärker zum Schutz der Arbeitnehmerrechte bei den WM-Stadionprojekten beizutragen“. Dazu sei die Fifa sowohl mit Menschenrechtsorganisationen wie auch mit den maßgeblichen Behörden in Qatar in ständigem Austausch.

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          Die WM-Organisatoren in Qatar führten schon zuvor an, dass sich die Recherchen von Amnesty nur auf vier der mehr als 40 am Umbau des Khalifa-Stadions beteiligten Bauunternehmen bezogen hätten. Die genannten Bedingungen seien deshalb nicht repräsentativ. Bis zum Juni vergangenen Jahres, sieben Monate bevor Amnesty die WM-Organisatoren erstmals mit den Vorwürfen konfrontiert habe, seien zudem viele Problematiken gegenüber Baufirmen längst thematisiert worden. Zwei Unternehmen arbeiteten seither nicht mehr auf WM-Baustellen, zwei andere hätten 2015 umfangreiche interne Veränderungen zur Sicherstellung der Compliance vorgenommen.

          Das Emirat Qatar hatte mehrmals angekündigt, weitere Reformen des Arbeitsrechts vornehmen zu wollen. Doch der Prozess stockt immer wieder aufgrund unterschiedlicher Interessengruppen im Land. Ende vergangenen Jahres war vom Emir ein neuer Arbeitsminister eingesetzt worden. Bei der Fifa arbeitet der UN-Sonderbeauftragte für Menschenrechte, John Ruggie, ein Havard-Professor, an Richtlinien zur Einbeziehung von Menschenrechten in WM-Ausrichterverträgen.

          Die Ergebnisse sollen demnächst bekannt gegeben werden und dürften auch Auswirkungen auf Qatar haben. „Wir haben immer betont, dass diese WM als Katalysator für Veränderungen wirken wird. Sie soll nicht auf dem Rücken ausgebeuteter Arbeiter gebaut werden“, lassen die WM-Organisatoren jetzt wissen. Kategorisch abgewiesen werden müsse jedoch jeglicher Versuch, Qatar als ungeeigneten WM-Ausrichter darzustellen.

          In den vergangenen Jahren hatten Menschenrechtsorganisationen regelmäßig die Situation der Arbeitsmigranten in Qatar angeprangert. Dies gilt ebenso für die anderen umliegenden Kleinstaaten am Persischen Golf mit gleich schlechten Bedingungen. Doch manch eine Kritik basierte schon mal auf zweifelhaften Zahlen. So behauptete die internationale Gewerkschaftsunion (ITUC) zuletzt, dass bis zum Anpfiff der WM 2022 im Emirat 7000 Arbeiter ums Leben kommen würden. Dies ist allerdings kaum anzunehmen: Wie sich herausstellte, wurde bei dieser Hochrechnung die Sterbewahrscheinlichkeit aller 2,1 Millionen Ausländer in Qatar (also auch inklusive der Manager von Unternehmen) mit möglichen tödlichen Unfällen auf den WM-Baustellen bis zum Beginn der Weltmeisterschaft in sechs Jahren in Verbindung gebracht.

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