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Frauenfußball : Kampfansage

  • -Aktualisiert am

Nationalspielerinnen Simone Laudehr (vorne) und Alexandra Popp: Die eine kommt, die andere nicht Bild: dpa

Simone Laudehr kommt nach Frankfurt. Eine gute Verpflichtung. Doch den wirklichen Coup landet der VfL Wolfsburg. Der FFC muss erkennen, dass sein Ruf nicht mehr automatisch erhört wird.

          Siegfried Dietrich klang ziemlich stolz, als er über den bevorstehenden Vertragsabschluss mit Simone Laudehr sprach. Wieder einmal hat der Manager des FFC Frankfurt im Werben um die Gunst einer Nationalspielerin gewonnen. Die seit mehr als einem halben Jahrzehnt in Duisburg aktive Weltmeisterin von 2007 muss nur noch die ausgearbeitete Vereinbarung unterschreiben und wird vom Sommer an für den FFC spielen.

          Die defensive Mittelfeldspielerin, die bis zu ihrem Wechsel nach Frankfurt mehrere Wochen wegen einer gerade erst vorgenommenen Meniskusoperation pausieren muss, wird das ohnehin prominent besetzte Frankfurter Mittelfeld weiter verstärken. Künftig verfügt Trainer Sven Kahlert - neben seinen sechs ausländischen Spitzenkräften - also über acht Nationalspielerinnen und zusätzlich zwei mittlerweile nur noch im Verein aktive Weltmeisterinnen von 2007. Das klingt nach sicherem Titelgewinn und deutlicher Dominanz.

          Tatsächlich haben sich aber ausgerechnet in dem Moment, den sich Dietrich zum Ausrufen des Transfercoups ausgesucht hatte, die Kräfte im deutschen Frauenfußball deutlich zuungunsten der Frankfurter Seriensiegerinnen früherer Jahre verschoben. Denn Nationalstürmerin Alexandra Popp entschied sich nun für eine Offerte des VfL Wolfsburg. Sie wählte auch wegen besserer beruflicher Perspektiven beim Volkswagen-Konzern für die Zeit nach ihrer Karriere den Umzug von Duisburg nach Wolfsburg - und nicht zum FFC, der mit der körperlich robusten und im Abschluss effektiven Spielerin sein Vakuum im Angriff hätte füllen können.

          Zudem fühlt sie sich nach Einschätzung ihres Umfelds als Kind des Ruhrpotts im beschaulichen Wolfsburg wohler als im weniger ruhigen Frankfurt. Außerdem trennte sie sich kürzlich von ihrem ehemaligen Berater und ist zur Agentur der ehemaligen Spielerin und heutigen Fernsehmoderatorin Shary Reeves gewechselt, die aufgrund ihres offensiven Auftretens nicht nur auf Gegenliebe stößt bei Frauenfußball-Machern wie Dietrich.

          Wer ersetzt die Leerstelle?

          Trotz dieser Gründe muss der FFC einfach erkennen, dass der Ruf aus der Frauenfußballmetropole nicht mehr automatisch erhört wird von den besten Spielerinnen des Landes. Denn der Volkswagen-Werksverein ist offensichtlich gewillt, als erster Großverein aus dem Männerfußball die Frauenszene künftig von der Tabellenspitze aus zu bestimmen. Die Einkaufspolitik wirkt dabei um einiges überlegter und konzeptionell überzeugender als in der männlichen Fußballabteilung von Manager, Trainer und Großeinkäufer Felix Magath.

          Schon im Sommer hatte der Klub ungewöhnlich viel Geld und attraktive Job-Angebote als Argumente in die Waagschale geworfen, um Nationalspielerinnen wie Conny Pohlers aus Frankfurt, Lena Goeßling aus Bad Neuenahr und Nadine Keßler und Josephine Henning aus Potsdam zu einem Transfer zu bewegen. Künftig wird Trainer Ralf Kellermann also ein ähnliches Starensemble versammeln können wie derzeit der FFC.

          Die Frankfurterinnen schmerzt die bittere Niederlage im Ringen um Alexandra Popp ganz besonders, da das Sturmzentrum seit dem Karriereende von Birgit Prinz die Schwachstelle im Team ist. Alexandra Popp gilt im deutschen Frauenfußball mit ihren 20 Jahren als aussichtsreichste Kandidatin für die Prinz-Nachfolge. Im Nationalteam darf sie deshalb bereits die einst für die bislang beste deutsche Spielerin reservierte Rückennummer tragen. Der FFC hingegen wartet weiterhin auf eine Spielerin, die die Leerstelle wenigstens ansatzweise füllen kann.

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