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Eintracht Frankfurt : Auftrag erfüllt – mehr nicht

  • -Aktualisiert am

Torschützen unter sich: Luc Castaignos (hinten) gratuliert Luca Waldschmidt Bild: dpa

Glanzlos und doch erfolgreich: Der Eintracht gelingt in der ersten Runde im DFB-Pokal ein schmuckloser 3:0-Erfolg beim Bremer SV. Immerhin deutete sich ein neues Sturm-Duo bei den Frankfurtern an.

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          Armin Veh schaute dem Treiben von seiner Holzbank aus ohne sichtliche Regung zu. Auftrag erfüllt. Dem Ausflug in den Norden war trotz eines mühsamen Starts beim Fünftliga-Vertreter Bremer SV relativ entspannt beizuwohnen – obwohl dem alten, neuen Eintracht-Coach beim 3:0-Pflichtsieg in der ersten DFB-Pokalrunde längst nicht alles gefallen haben dürfte. Eine Woche vor dem Liga-Start beim VfL Wolfsburg spielte seine Elf in der ersten Halbzeit langsam, passiv und ungenau.

          „Ich muss den Gegner loben, sie waren richtig gut. Uns ist zuerst wenig eingefallen“, sagte Veh. Dennoch: „Wir haben die zweite Runde erreicht, ohne dass es eng wurde.“ Der neue Stürmer Luc Castaignos (31. Minute), Stefan Aigner (52.) und Luca Waldschmidt (71.) schossen die Eintracht-Tore; Haris Seferovic ließ an diesem Nachmittag beste Chancen ungenutzt. Trotzdem deutete sich an, dass der Niederländer und der Schweizer vorn gut zusammen passen könnten. Das sah auch Veh so.

          „Vorm Maisfeld den Stichweg links rein“, sagte der freundliche Polizist den orientierungslosen Fußballfreunden 500 Meter vor dem Stadion. Das gab allen einen Vorgeschmack, die noch nicht auf der Anlage des FC Oberneuland am Vinnenweg im Bremer Norden gewesen waren: Man war mitten im ländlichen Speckgürtel gelandet.

          Weil beim Bremer SV im Westen der Stadt unter anderem die Schiedsrichterkabinen zu klein waren, musste der BSV nach Oberneuland ausweichen. Die gepflegte Anlage des Sechstliga-Vertreters FCO war also Heimspielstätte des klassenhöheren BSV; das schmeckte natürlich nicht jedem beim Bremer SV, das Heimrecht einfach so abgeben zu müssen. Aber die Regularien des DFB sind streng.

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          Der neue erste Torwart der Eintracht, Lukas Hradecky, war noch nicht dabei. Der Zugang von Bröndby IF war nach seinem Einsatz in der Europa-League-Qualifikation auf Zypern erst am Freitag zu den Hessen gestoßen und ließ in dieser ersten Hauptrunde Heinz Lindner den Vortritt.

          Ansonsten lief die erwartete Elf mit den Neuen Stefan Reinartz (aus Leverkusen) im Mittelfeld und Luc Castaignos (von Twente Enschede) im Sturm auf. Auch der von den Fans gefeierte Peruaner Carlos Zambrano war trotz seines verspäteten Trainingseinstiegs nach der Südamerikameisterschaft dabei und stellte die Innenverteidigung neben Kapitän Marco Russ. „Ich bin fit“, hatte Zambrano behauptet.

          „Herzlich willkommen in Bremen“, rief, der Stadionsprecher den Eintracht-Fans zu. „Wir wünschen allen ein interessantes und faires Spiel!“ Interessant – das wurde es auch recht schnell, was aber eher an den mutigen Bremern lag. Etwas zögerlich ging Vehs Mannschaft ins Spiel, so dass der mutige BSV in den ersten zehn Minuten zweimal gefährlich vor das Tor kam. Bei schönem Sommerwetter war Frankfurt zwar um Spielkontrolle bemüht.

          Doch in der Anfangsviertelstunde egalisierte Bremen den Unterschied zwischen Profis und Amateuren. Nach der 20. Minute entwickelte sich dann die erwartete Hatz auf das erste Eintracht-Pflichtspieltor der neuen Saison. Doch weil das Aufbauspiel der SGE so fehlerhaft und ungenau war, ergaben sich tatsächlich die von den Bremern erhofften Konterchancen. Vor dem Tor fehlte es dann aber doch an der nötigen Energie oder Genauigkeit oder Geschwindigkeit.

          Es waren 30 Minuten, die auch Klubchef Heribert Bruchhagen auf der kleinen Tribüne missfallen haben dürften. Dann aber passte die Bremer Abwehr einmal nicht auf, und Luc Castaignos schloss eiskalt von zwölf Metern ab. Mit Hilfe des Innenpfostens traf er nach Pass von Stefan Reinartz in bester Mittelstürmermanier zum 1:0 für die Eintracht.

          „Meinem Körper geht es gut und meinem Kopf auch, weil ich getroffen habe. Ich bin froh und das gibt mir Selbstvertrauen. Nächste Woche wird es aber viel schwerer“, sagte Castaignos. Kurz vor der Pause wäre Haris Seferovic beinahe die beruhigende 2:0-Führung gelungen, doch erst hielt der Bremer Torwart Christian Ahlers-Ceglarek die Fäuste in den Weg. Wenig später köpfte Seferovic auf die Latte.

          Zur Pause konnten sich die tapferen Bremer über eine gute Leistung in der ersten Halbzeit freuen, während es Frankfurt allzu lässig hatte angehen lassen. Eine Woche vor dem Bundesliga-Start am nächsten Sonntag in Wolfsburg wirkte die Eintracht steigerungsfähig in allen Mannschafteilen.

          Gleich nach dem Seitenwechsel verpasste Seferovic freistehend das 2:0. Das übernahm für ihn in der 51. Minute der bis dahin schwache Stefan Aigner – die Bremer bekamen den Ball hinten nicht weg, Aigner stand allein vor Ahlers-Ceglarek und tickte das Spielgerät mit links über die Linie. Damit war die Partie entschieden. Waldschmidt legte in der 71. Minute nach. Der Bremer SV hatte sich nicht blamiert, die Eintracht war weitergekommen - so hatten beide etwas vom Spiel an diesem entspannten Nachmittag.

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