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Sorgen vor Europa League : Die Eintracht ist im Tor ziemlich blank

  • -Aktualisiert am

Felix Wiedwald könnte bei den Duellen mit Tallinn im Tor der Eintracht stehen. Bild: Picture-Alliance

Kevin Trapp ist nach wie vor in Paris. Ersatzmann Frederik Rönnow wird zum großen Pechvogel der Frankfurter und fällt aus. Nun könnte ein Spieler im Tor stehen, der eigentlich schon auf dem Abstellgleis ist.

          Und wieder ist Frederik Rönnow raus. Wie in der Saisonvorbereitung vor einem Jahr, als den damaligen Neuzugang aus Kopenhagen schon nach der ersten Trainingseinheit mit Torwarttrainer Moppes Petz Knieprobleme außer Gefecht gesetzt hatten. Diesmal ist beim 26 Jahre alten Dänen die linke Schulter lädiert. Die von der Eintracht nicht näher benannte Blessur hatte sich der große Pechvogel bereits am vergangenen Samstag im Training zugezogen – Rönnow war auf die linke Schulter gefallen. Doch erst am Mittwoch machte die Eintracht dessen Ausfall vor dem Abflug nach Estland öffentlich und schätzte die Dauer der Zwangspause von Rönnow auf „mindestens zwei Wochen“ ein.

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          Damit kann der Nationalspieler an diesem Donnerstag (19.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Europa League und bei Nitro) im Hinspiel der zweiten Europa-League-Qualifikationsrunde beim Tabellenführer Flora Tallinn nicht das Eintracht-Tor hüten, das Gleiche gilt für das Rückspiel in einer Woche. An seiner Stelle könnte Felix Wiedwald international einer überraschenden Bewährungsprobe bei den Hessen unterzogen werden, die im Augenblick im Tor ziemlich blank dastehen. Oder bekommt Jan Zimmermann die Chance, sich nach langer Zeit in einem Pflichtspiel zu beweisen? Wer spielen wird, „werde ich heute noch nicht verraten“, sagte Trainer Adi Hütter am Mittwoch in Tallinn: „Ich bin von beiden überzeugt.“ Aber mit großer Wahrscheinlichkeit wird Wiedwald zwischen den Pfosten stehen.

          Unter den aktuell auf der Gehaltsliste notierten Torhütern wird Wiedwald als Streichkandidat gehandelt. Eigentlich steht er auf dem Abstellgleis. Der 29-Jährige, der in Frankfurt einen Vertrag bis zum Rundenende 2020/21 hat, wurde bereits in der Winterpause der abgelaufenen Runde an den Zweitliga-Absteiger MSV Duisburg ausgeliehen. Gehen die Personalplanungen der Eintracht im Tor in diesem Transferfenster wie gewünscht auf, wird Kevin Trapp von Paris St. Germain an den Main zurückkehren und den Status der neuen, alten Nummer eins erhalten. Rönnow, der für knapp drei Millionen Euro von Bröndby IF gekommen war, sähe in diesem Fall in Frankfurt wohl keine Perspektive mehr für sich und würde wahrscheinlich den Klub wechseln, ohne große Spuren hinterlassen zu haben.

          Die Eintracht wiederum würde sich mit einem Ersatztorhüter verstärken, dem sie zutraut, Trapp im Verletzungsfall ohne Probleme ersetzen zu können. Bei dieser Zusammensetzung wäre Zimmermann die nominelle Nummer drei. Der 34-Jährige verpasste vor kurzem das erste Sommertrainingslager in Thun, weil seine Frau ein Kind erwartete. In der zurückliegenden Saison war Zimmermann ohne Pflichtspieleinsatz geblieben. Wiedwald hingegen absolvierte von Ende Januar an immerhin 15 Zweitliga-Spiele für die Duisburger. So sammelte er deutlich mehr Spielpraxis als Zimmermann, dessen Vertrag im April um zwei Jahre verlängert wurde. „Jan hat die nötige Erfahrung, um den jungen Spielern Rückendeckung zu geben und ist eine wertvolle und loyale Unterstützung für seine Kollegen“, begründete Sportvorstand Fredi Bobic damals das Festhalten an Zimmermann.

          Rönnow, der in den vergangenen Wochen in den meisten Testspielen im Tor stand und gegen Tallinn fest eingeplant war, lässt das Verletzungspech nicht los. Abermals wird für ihn nichts daraus, sich im Eintracht-Tor behaupten und so neue Ansprüche stellen zu können. Vor einem Jahr und dem 0:5 im Supercup gegen Bayern München verloren die Frankfurter das Vertrauen in Rönnow als Spitzenkraft. Mit dem zurückgeholten Trapp bekamen sie mehr Sicherheit auf der Torwartposition.

          Jetzt ist der Handlungsdruck für die Eintracht-Verantwortlichen aufs Neue gewachsen. Eine schnelle Lösung tut not. Da passt es ihnen ins Konzept, dass die Zeichen aus Paris ermutigender werden. Offenbar ist der Champions-League-Teilnehmer an einer Verpflichtung des Slowaken Martin Dubravka von Newcastle United interessiert. Besetzen die Pariser die Planstelle neu, steigen die Chancen für die Frankfurter, Trapp fest an sich binden zu können. „Wir werden noch warten, wie es mit Kevin ausschaut“, sagte Hütter. „Wir bleiben ruhig und geduldig.“

          Zu den Spielern, die am Mittwoch nicht mit nach Estland flogen, zählten auch Gelson Fernandes (wird Vater) und Djibril Sow. Mit Ausnahme der Verletzung des Schweizer Neuzugangs Sow sei er „sehr zufrieden mit der Vorbereitung“, sagte Hütter. „Die Jungs sind gut in Form, aber natürlich sind wir noch nicht bei 100 Prozent.“ Hinter dem elfmaligen Meister aus Tallinn liegen bereits 20 Meisterschaftsspiele, der Gegner habe „ein richtig gutes Team, es wird kein leichtes Spiel“, meint Hütter. Gleichwohl geht der Europa-League-Halbfinalteilnehmer der Vorsaison als großer Favorit in das erste Kräftemessen.

          „Die vergangene Saison in der Europa League war sensationell“, sagt Neuzugang Dominik Kohr. „Ich spüre, dass alle heiß darauf sind, das zu wiederholen.“ Keine Verwendung für das Auftaktmatch in der Qualifikation hatte Hütter unter anderem für Jetro Willems, Marc Stendera, Taleb Tawatha und Nicolai Müller. Sie alle sind trotz bestehender Verträge Wechselkandidaten. Wie Wiedwald, der aber in Tallinn von großem Nutzen für die Eintracht sein könnte.

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