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1:2 bei Juventus Turin : Der BVB nutzt ein Geschenk – macht aber zwei

Etwas ratlos: Gündogan, Sokratis und Weidenfeller (v.l.n.r.) nach dem 2:1 Bild: dpa

Problemzone Abwehr: Der BVB zeigt beim Champions-League-Duell in Turin eine couragierte Leistung – verschenkt durch zwei Fehler aber eine bessere Ausgangsposition. Der Treffer von Marco Reus nährt die Hoffnung für das Rückspiel vor heimischer Kulisse.

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          Man wird auch bei gewissenhafter Suche nicht vieles finden, was die Dortmunder den Bayern voraushaben in dieser Saison. Seit Dienstagabend dürfen sich die Fans der Borussen über ein solches kleines Extra freuen – allerdings nur mit Einschränkung: ein Tor, noch dazu auswärts, im Achtelfinale der Champions League, das ist schon etwas, was den Puls nochmal ein bisschen kräftiger schlagen lässt bei den zuletzt in der Bundesliga erfolgreich reanimierten Schwarz-Gelben.

          Weil sie in ihren couragierten und bisweilen auch spielerisch ansehnlichen Auftritt bei Juventus Turin einige folgenschwere Aussetzer streuten, stand am Ende eines turbulenten Abends zwar ein ordentliches Ergebnis – aber eben auch eines, das noch ein bisschen besser hätte sein können. Marco Reus (18. Minute) hatte zwar den frühen Rückstand durch Carlos Tévez (13.) egalisiert, doch Morata (43.) brachte den Vorteil wieder auf Turiner Seite. 1:2 also nur, und mit ein bisschen mehr Konzentration, das mussten Jürgen Klopp und sein Team allemal konzedieren, wäre nach Teil eins des Achtelfinales eine bessere Ausgangsposition für das Rückspiel am 18. März durchaus möglich gewesen.

          Konfus: Bis auf seine Chance in der ersten Minute bietet Ciro Immobile ein unglückliches Spiel Bilderstrecke

          Für die Dortmunder war es eine ungewohnte Situation. Zum ersten Mal seit langem mussten sie nicht irgendetwas, sie konnten, sie durften vielmehr: Kicken ohne Vorbelastung – ein Start auf Augenhöhe mit dem Konkurrenten und nicht ein ständiges Hinterherlaufen wie im Abstiegskampf der Bundesliga. Und sie hatten spürbar Lust auf diesen deutsch-italienischen Vergleich. Überhaupt brauchte das Duell zwischen dem souveränen Tabellenführer der Serie A und dem Zwölften der Bundesliga nicht lang, um auf Touren zu kommen.

          Es war ein ziemlich rasantes Tempo, das beide Teams von Beginn an gingen – mit der größeren Unfallgefahr allerdings bei der Borussia. So gut gemeint manches war, so unvollendet blieb es zunächst in der Ausführung. Das blieb in der Hochgeschwindigkeitsphase der ersten Minuten noch ohne Folgen. Doch schon bei erster Gelegenheit danach ließen sich die Dortmunder ziemlich ungeschützt von einem Konter erwischen. Morata hatte zu viel Raum auf links, seinen Schuss konnte Weidenfeller nicht festhalten und ließ den Ball obendrein genau vor die Füße von Tévez prallen. Der Schnuller, den der Argentinier für diesen Fall zum Jubel parat hatte, wird einer anderen Symbolik zugedacht gewesen sein, zur Dortmunder Naivität in dieser Szene passte er aber auch.

          Dass es kurz danach 1:1 stand, war einem Glück geschuldet, wie es selten ist im Fußball – nicht nur, was die gebeutelte Borussia betrifft. Chiellini rutschte bei der Ballannahme einfach weg, und weil er letzter Mann war, hatte Reus freie Bahn. Der Mann der vergangenen Wochen für den BVB vollendete mit kühlem Finish. Was für ein Beginn.

          Nach einer halben Stunde wurden dann erst einmal Personaltableaus über den Haufen geworfen. Zuerst traf es die Borussia, bei der Klopp schon bei der Zusammenstellung der Startelf ein paar Positionen getauscht hatte, und das nicht nur aus freien Stücken. Für Subotic (krank) und Kagawa begannen Hummels und Mchitarjan. Ebenfalls von Beginn an durfte sich Immobile versuchen, Aubameyang rückte anstelle des unpässlichen Kampl auf die rechte Außenbahn.

          Als sich dann Piszczek vor Schmerzen krümmte, war der BVB zu einem weiteren Tausch gezwungen, Ginter betrat das Feld. Wenig später erwischte es allerdings auch Juventus, und das ungleich schlimmer: kein Geringerer als Pirlo musste vom Feld.

          Es schien, als könnte sich das als weiterer Glücksfall für die Borussen erweisen. Sie schafften es nun, das Spiel stärker als zuvor in die Hälfte der Turiner zu verlagern und wirkten zunehmend selbstbewusst. Juve hingegen machte nach einem Auftakt voller Autorität nun einen eher kopflosen Eindruck. Doch dann waren es wieder die Dortmunder, die im entscheidenden Moment nicht auf der Höhe waren. Bei der Flanke von Pogba hatte Schmelzer vor Augen, wie sich Morata in der Mitte in Position brachte, zum Eingreifen aber konnte sich der Linksverteidiger nicht entschließen.

          Was nun? Sich mit dem 1:2 zufriedengeben wollte sich die Borussia augenscheinlich nicht. Obwohl zur Pause auch Sokratis wegen muskulärer Probleme den Dienst quittieren musste, drang Klopps Team auf eine Ergebnisverbesserung. Doch bei insgesamt schwindendem Niveau kam der BVB nicht zu zwingenden Möglichkeiten, nur zu zwei Schussversuchen durch Immobile, der später, bei seiner Auswechslung, vom Turnier Publikum ausgepfiffen wurde. Turin hingegen hatte noch mehr als ein Mal beste Gelegenheit zu erhöhen. Dass das nicht gelang, durften die Borussen dann doch noch als kleines Geschenk mit in die Heimat nehmen.

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