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Bayer Leverkusen : 20 Millionen Euro für einen Sieg

  • -Aktualisiert am

Gut oder schlecht gebrüllt? Bayer Leverkusen will in die Champions League. Bild: Reuters

Im Rückspiel der Champions-League-Playoffs muss Leverkusen ein 0:1 gegen Lazio Rom wettmachen. Der Geldsegen, den ein Einzug in die Gruppenphase verspricht, käme Bayer sehr gelegen.

          Bayer Leverkusen ist zwar eine von drei Mannschaften, die mit zwei Siegen in die Bundesliga gestartet sind. Dennoch steckt die Fußball-Tochter des Chemiekonzerns in einer heiklen Lage. Außerhalb des Spielbetriebs lief es zuletzt nämlich eher schlecht für den Klub. Erst drückte ein medizinischer Befund aufs Gemüt. Der chilenische Mittelfeldmann Aranguiz, gerade erst für zwölf Millionen Euro Ablöse geholt, erlitt einen Achillessehnenriss; er fällt monatelang aus.

          Dann wurde es vor Gericht teuer für den Meisterschafts-Vierten der vergangenen Saison. Bayer muss dreizehn Millionen Euro an den Insolvenzverwalter des Billigstromanbieters Teldafax zahlen, der von August 2007 bis Juni 2011 Trikotsponsor der „Werkself“ war. Das sieht ein Vergleich vor, den die Parteien auf Anraten des Gerichts geschlossen haben, um einen Rechtsstreit zu beenden, der mehr als zwei Jahre dauerte und zuletzt vor dem Oberlandesgericht Köln geführt wurde.

          Ein Vergleich über 7,3 Millionen Euro, den das Landgericht angeregt hatte, war nicht zustande gekommen. Am Ende stimmten die Leverkusener einem deutlich teureren Vorschlag zu - ein Indiz dafür, dass der Klub seine Erfolgsaussichten schwinden sah, wohl auch, weil die erste Instanz Bayer zur Zahlung von sechzehn Millionen Euro verurteilt hatte.

          „Wir haben uns zur Annahme des Vergleichs entschlossen, um das nunmehr bereits seit mehreren Jahren laufende Verfahren zu beenden“, sagte Bayer-Geschäftsführer Michael Schade. „In der Zwischenzeit wären Kosten und Zinsen weiter angestiegen. Anstatt nun weiter zu prozessieren, wollen wir uns auf unser Kerngeschäft, nämlich das Fußballspielen, konzentrieren.“

          Umso wichtiger wäre es für die Leverkusener, an diesem Mittwoch (20.45 Uhr / Live im ZDF, bei Sky und im Champions-League-Ticker bei FAZ.NET) ein Millionenspiel auf dem Rasen der BayArena zu gewinnen. Im Play-off-Rückspiel gegen den italienischen Klub Lazio Rom geht es nicht nur um sportliche Meriten und den Werbewert der „Werkself“, sondern vor allem um bares Geld.

          Der Einzug in die Gruppenphase der europäischen Königsklasse würde (diesmal) gesicherte Einnahmen von etwa zwanzig Millionen Euro bedeuten, die finanziellen Belastungen abfedern und den Handlungsspielraum erweitern, vielleicht auch im Endspurt auf dem Transfermarkt, der am 31. August schließt. Bayer-Trainer Roger Schmidt sieht noch Handlungsbedarf im Mittelfeld.

          Wer lacht nach dem Spiel gegen die Italiener? Bayer-Trainer Roger Schmidt ist optimistisch.

          Nach dem 0:1 im Hinspiel wird es allerdings schwerer als gedacht, zum zehnten Mal die Gruppenphase zu erreichen. Bayer muss mit mindestens zwei Toren Unterschied gewinnen, um weiterzukommen. Endet auch das Rückspiel 1:0 für die Heimelf, kommt es zu einem Elfmeterschießen – einer Disziplin, die Leverkusen in der vergangenen Saison weder in der Champions League gegen Atletico Madrid noch im nationalen Pokalwettbewerb gegen Bayern München Erfolg gebracht hat.

          Es wäre das fünfte Mal, dass Bayer über die Play-offs die Gruppenphase erreicht; in der Saison 2001/2002 gelang danach sogar der Einzug ins Endspiel gegen Real Madrid. Wenn man Trainer Roger Schmidt glauben darf, ist die Mannschaft voller Tatendrang. Auch Kapitän Lars Bender sieht sich und seine Kollegen fest entschlossen, sich das zu erkämpfen, „wofür wir das ganze Jahr hart gearbeitet haben“. Das ungünstige Ergebnis von Rom ändere nichts an der Herangehensweise, sagt der Trainer. „Unser Ansatz ist immer, viel Druck auszuüben, sehr aktiv zu sein und trotzdem auch defensiv gut zu stehen.“

          Heung-Min Son fehlt gegen Lazio – und wechselt womöglich noch den Verein.

          Auch in der Sache „Teldafax“ hatten die Leverkusener lange auf Defensive gesetzt und die Partnerschaft mit dem Unternehmen verteidigt, obwohl dessen Ruf aufgrund dubioser Geschäftspraktiken nicht mehr der beste war. Sogar als vieles schon auf eine mögliche Insolvenz hindeutete, nahm Bayer noch Zahlungen aus dem Werbevertrag an, der mit angeblich sechs Millionen Euro pro Saison dotiert war. Um einen Teil dieser Gelder ging es zuletzt vor Gericht.

          „Wechseln ist’n Klax - mit Teldax“: Mit diesem Spruch hatte der Leverkusener Sportdirektor Rudi Völler einst für den Stromanbieter geworben. Bis die Bayer-Bosse sich letztlich doch zur Kündigung durchrangen, war der Wechselwille mit Blick auf den morbiden Partner allerdings nicht sonderlich ausgeprägt. Teldafax „bleibt auf unserer Brust“, sagte Völler noch im Oktober 2010, ehe Bayer den Vertrag im folgenden Jahr doch kündigte.

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          Ins Auge fällt ein vielleicht zufälliger, aber doch kurioser Zusammenhang. Während der Zusammenarbeit mit „Teldafax“ hat der Bundesligaverein dreimal den Trainer gewechselt, an dem dubiosen Trikotsponsor aber stets festgehalten. In dieser Zeit führte Wolfgang Holzhäuser, der im Herbst 2013 überraschend zurücktrat, die Geschäfte der Fußball GmbH des Chemiekonzerns. Für den Pensionär ist das Verfahren mit dem jüngst geschlossenen Vergleich noch nicht beendet.

          Nach Informationen der Zeitung „Handelsblatt“ muss Holzhäuser als Zeuge aussagen in einem Strafverfahren gegen frühere Teldafax-Manager, die sich vor dem Landgericht Bonn unter anderem wegen Insolvenzverschleppung verantworten müssen. Der Einzug in die Champions League wäre für Bayer nicht nur wirtschaftlich von Belang, sondern könnte auch das Image der Fußball-Tochter ein wenig aufpolieren.

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