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Werder Bremens Claudio Pizarro : Eine Saison zu viel

Claudio Pizarro: Werders Beinahe-Weltstar und Publikums-Liebling hat doch eine Saison zu lange gespielt. Bild: dpa

Auch der ewige Werder-Liebling und größte Beinahe-Weltstar der Bundesliga schaut auf eine schaurige Bilanz in dieser Bremer Schreckenssaison zurück. Doch noch lebt die Hoffnung auf einen letzten Pizarro-Moment.

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          Noch gibt es die Chance auf ein Happy End im Abstiegskampf. Und das perfekte Bremer Schlussbild, es sähe in etwa so aus: Claudio Pizarro, der ewige Werder-Liebling und vielleicht größte Beinahe-Weltstar, den die Bundesliga je hatte, schafft noch einmal einen Moment für die Ewigkeit. Ein letzter Dienst an seinem Klub und ein persönliches Finale, das gewiss auch außerhalb Bremens mit einer Verneigung bedacht würde.

          Bundesliga

          Nur: So romantisch diese Geschichte klingt, die ganz am Rande auch noch die Pointe birgt, dass Pizarro an diesem Samstag (15.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-Bundesliga und bei Sky) gegen seinen vorherigen Verein treffen würde, den 1. FC Köln (was schon fast vergessen ist) – in Bremen gibt es in diesen trostlosen Tagen niemanden, der sie ernsthaft erzählt. Der Pizarro-Moment, er wirkt so weit weg wie das Bremer Saisonziel, ein Platz im Europacup. Siebzehn Einsätze, null Tore, null Assists – das ist Pizarros schaurige Bilanz in dieser Bremer Schreckenssaison, und wenn man auf die vergangenen Monate zurückschaut, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich daran etwas ändert, eher kleiner als größer geworden.

          Was zum einen mit Pizarro selbst zu tun hat. Man muss es so deutlich sagen: Diese letzte Saison, die er seinem nun 41 Jahre alten Körper zugemutet hat, war die berühmte eine zu viel. Es war fast traurig, mit anzusehen, wie all das, was in der vergangenen Spielzeit noch zu bestaunen war, dieser unberechenbare Faktor im Bremer Spiel, ein emotionaler Turbo-Boost, der Werder und seine Fans beflügelte, sich vollends verflüchtigt hat. Aber das hat nicht nur mit Pizarro selbst zu tun, sondern auch mit dem Bremer Spiel.

          Der Werder-Angriff existiert in dieser Saison nur auf dem Papier. Dort liest er sich gar nicht so schlecht: Rashica, Füllkrug, Selke, Pizarro. Nur: Auf dem Platz war davon praktisch nichts zu sehen. Sicher, Füllkrug verletzte sich früh, aber eine Spielidee, die das Ziel erreicht, vermochte Trainer Kohfeldt nicht zu entwickeln. Werders Weg ins berühmte letzte Drittel musste man sich vorstellen wie einen Boxer mit zu kurzen Armen auf der Suche nach dem Punch. Was für Spieler wie Pizarro, aber auch Selke bedeutete, dass sie sich wie in fußballerischer Quarantäne vorkommen mussten: unfreiwillig abgekapselt.

          Diese strukturelle Schieflage könnte nun Werders Verhängnis werden. Was insofern eine besonders bittere Pointe wäre, als das besondere Etwas im Sturm ja eigentlich ein Bremer Markenzeichen ist, ein verbindendes Moment der Klubhistorie über die Epochen. Doch wo am Samstag die vier Tore herkommen sollen, die Werder für den Sprung auf den Relegationsrang (mindestens) brauchte, falls Union Berlin und Fortuna Düsseldorf unentschieden spielen – das bleibt trotz eines 5:1 in Paderborn schleierhaft, zumal Rashica auszufallen droht.

          Ein Fall für Pizarro? Schwer, daran zu glauben. Was aber nichts daran ändert, dass, während anderswo Bilderstürmer gerade die Denkmäler stürzen, die Bremer ihrem Herzensstürmer schon noch ein solches errichten würden: angesichts dieser speziellen Kombination aus sportlicher Lebensleistung und der dabei verströmten Lust am Leben (auch wenn die ihn, trotz aller Erfolge mit den Bayern, wohl die Weltkarriere kostete). Wenn Pizarro, der es bislang auf 197 Tore in 489 Bundesligaspielen bringt, am Samstag abtritt, wäre er, so wie es heute aussieht, noch ein Symbol für etwas anderes: für die bittere Bremer Lehre, dass Romantik keine Tore schießt.

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