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SV Wehen gegen SV Darmstadt : Ein Spiel für die Torhüter

  • -Aktualisiert am

Gleichauf: Sascha Mockenhaupt und Marvin Mehlem (rechts) auf der Jagd nach Punkten, die unentschieden endet. Bild: Imago

Beim 0:0 zwischen dem SV Wehen und dem SV Darmstadt 98 verhindern starke Keeper, dass aus Chancen Tore werden. Daran ändert auch die Unterzahl des SVD in der Schlussphase nichts.

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          Nach dem letzten Heimspiel in diesem Jahr ist der Wiesbadener Torhüter Heinz Lindner nach seinem Bauchgefühl für die restlichen beiden Partien in der Fremde gegen St. Pauli (14. Dezember) und Karlsruhe (20. Dezember) gefragt worden. Der 29 Jahre alte Österreicher reagierte mit Humor und sagte: „Erst mal habe ich Hunger.“ Der sportliche Sättigungsgrad des Zweitliga-Hessenderbys gegen Darmstadt 98 erfüllte mit dem 0:0 am Sonntag nicht ganz die Erwartungen der Wiesbadener. „Wir sind mit unserer Leistung zufrieden, aber nicht mit dem Ergebnis“ – so zwiespältig präsentierte sich Cheftrainer Rüdiger Rehm bei der Bewertung des Duells auf Landesebene, das für den Wiesbadener Offensivspieler Stefan Aigner „kein klassisches 0:0“ war, weil das Kräftemessen des Tabellenvorletzten (Wehen) mit dem Dreizehnten aus Darmstadt durchaus Unterhaltungswert hatte.

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          Und der agile Aufsteiger und Abstiegskandidat aus der Landeshauptstadt hätte sogar in dem spannenden Wettstreit zu seinen Gunsten die Schlusspointe setzen können, spielte er doch von der 76. Minute an in Überzahl. Denn nach einem groben Foulspiel an Aigner hatte der Darmstädter Vorkämpfer Victor Palsson die Rote Karte bekommen, das entschied Schiedsrichter Matthias Jöllenbeck erst mit Hilfe des Videobeweises. Doch der vermeintliche Wettbewerbsvorteil war vor 8030 Zuschauern kein Segen für die Heimmannschaft, ganz im Gegenteil. „Gefühlt waren wir dann sogar ein bisschen verängstigt“, meinte Rehm. „Wir hätten mehr machen müssen.“ Sein Darmstädter Trainerkollege Dimitrios Grammozis hingegen hatte im Hinblick auf die Wehrhaftigkeit seines Teams mit einem Mann weniger nichts auszusetzen. „Die Mannschaft hat sehr gut gefightet nach der Roten Karte.“ Unter diesen besonderen Umständen hatte die Punkteteilung ihren Wert für die Darmstädter. „Ein Zähler ist besser als keiner“, sagte Mittelfeldspieler Tobias Kempe. Auch Lindner konnte dem Remis etwas abgewinnen. „Wenn du nicht gewinnen kannst, solltest du das Spiel zumindest nicht verlieren“, sagte er.

          Immer wieder Lindner und Schuhen

          Beide Torhüter, auf Darmstädter Seite Marcel Schuhen, leisteten für ihre Mannschaften besonders wertvolle Mitarbeit. „Es war heute eher ein Spiel für die Torhüter. Sie konnten sich extrem auszeichnen“ – treffender hätte es der Wiesbadener Torjäger Manuel Schäffler (elf Saisontore) nicht ausdrücken können. Los ging es beim munteren Toreverhindern mit Lindner, der den Freistoß (15. Minute) des Darmstädter Standardspezialisten Kempe mit ausgestrecktem Körper parierte. Auch beim Schuss von Seungho Paik war der ehemalige Nationaltorhüter Österreichs wenig später auf dem Posten. „Lindner hat sehr gut gehalten“, lobte Grammozis. An der Tatkraft des Wehener Torwarts nahm sich Schuhen ein Beispiel. Den Kopfball (22.) von Schäffler konnte der „Lilien“-Torwart mit letztem Einsatz an die Latte lenken. Sieben Minuten später blieb Lindner auch beim zweiten Freistoß von Kempe der Sieger, weil er den gut plazierten Schuss dennoch zur Ecke abwehren konnte. Ein Mal sprang aber SVD-Kapitän Fabian Holland für Schuhen in die Bresche. Der Linksverteidiger wehrte nach 39 Minuten mit dem Kopf einen wuchtigen Kopfball von Niklas Dams vor der Linie ab.

          „In der Box hatten wir mehr Möglichkeiten“, urteilte Rehm. Seine Einschätzung bezog sich primär auf die erste Halbzeit, in der es Darmstadt vor allem mit Weitschüssen versuchte. Im zweiten Abschnitt kehrten die Wiesbadener zwar mit der größeren Entschlossenheit auf den Platz zurück. Sie setzten die Darmstädter unter Druck. Trotzdem ließen gute Torchancen lange auf sich warten. Erst in der 84. Spielminute bot sich dem eingewechselten Stürmer Törles Knöll die große Möglichkeit zum Wiesbadener Siegtreffer. Doch abermals stand Schuhen nach einem Patzer seiner Vorderleute einem Erfolgserlebnis des Gegners im Weg.

          Die „Lilien“ hätten nach 57 Minuten zuschlagen können, der Kopfball des ansonsten unauffälligen Serdar Dursun verfehlte knapp das Wiesbadener Tor. Ihr großes Ziel hatten die SVD-Fans erreicht. Das Duell in Wiesbaden, das erste zwischen beiden Vereinen in der zweiten Liga, machten sie akustisch zu einem Heimspiel. Von Anfang an werteten die rund 4000 „Lilien“-Anhänger, von denen 600 mit dem Schiff angereist waren, das Derby auf Landesebene stimmlich deutlich auf. Nur vor lauter Begeisterung in Torjubel ausbrechen konnten sie nicht. Denn dafür bot ihnen ihre Mannschaft keine Gelegenheit.

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