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FC Schalke 04 : Königsblaue Schlammschlacht

Steht zur Wiederwahl: Schalkes Aufsichtsratschef Clemens Tönnies Bild: dpa

Am Sonntag steht die Mitgliederversammlung von Schalke 04 an. Aufsichtsratschef Clemens Tönnies spendiert Bratwürste – und muss um seine Wiederwahl kämpfen. Kritiker machen ihm das Leben schwer.

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          Der Ball ruht noch auf Schalke. Es ist Sommerpause. Doch Ruhe ist im Gelsenkirchener Traditionsklub, der seine Anhänger emotional so stark bindet und durch Erschütterungen zugleich herausfordert wie kaum ein anderer Fußball-Bundesligaverein, bekanntlich nie. In dieser Sommerpause, in der die sportliche Verantwortung in die neuen und mit vielen Hoffnungen verbundenen Hände von Sportvorstand Christian Heidel und Trainer Markus Weinzierl gelegt worden ist, ist es ein Wahlkampf, der die Vereinsseele bewegt. Clemens Tönnies steht an diesem Sonntag bei der Mitgliederversammlung zur Wiederwahl als Aufsichtsrat.

          Schalke 04 ist nämlich ein grunddemokratischer Klub, immer noch als eingetragener Verein organisiert, auch wenn der mittlerweile fast ewige Aufsichtsratsvorsitz von Tönnies den Eindruck einer Präsidialmonarchie erweckt haben mag. Der 60 Jahre alte, wohl milliardenschwere Fleischereiunternehmer trat, gestärkt durch 22 Jahre im Gremium und 15 Jahre als Vorsitzender, zwar gelegentlich auf wie ein Klubbesitzer. Tatsächlich aber steckt kein einziger Euro seines Vermögens in Schalke, wie Finanzvorstand Peter Peters auf Nachfrage bestätigte. Tönnies erkauft sich also nicht die Gunst der königsblauen Gemeinde mit seinem Vermögen.

          Stattdessen tingelte der Aufsichtsratschef, der Vereinsdemokratie verbunden wie seine drei von einer Wahlkommission satzungsgemäß vorausgewählten Mitbewerber um die zwei freien Plätze im Kontrollgremium, zu Versammlungen der Fanklub-Bezirke. Bielefeld, Münster, Gelsenkirchen und Düsseldorf waren die Orte in der vergangenen Woche. Doch die Veranstaltungen fanden in einer vergifteten Atmosphäre statt.

          Attacken aus dem Aufsichtsrat

          Ein Teil der Anhängerschaft will Tönnies stürzen, skandierte deshalb in den Heimspielen der vergangenen Saison immer wieder „Tönnies raus“, weil sie seinem Auftreten in der Öffentlichkeit und seiner zu großen Einflussnahme auf die Vereinsführung die stetige Unruhe im Klub und vor allem rund um die Mannschaft sowie die zahlreichen entlassenen Trainer der vergangenen Jahre anlasten. Vor allem aber attackieren drei Aufsichtsratskollegen seit geraumer Zeit Tönnies intern sehr scharf, was diesen nach dessen eigenen Worten persönlich sehr trifft.

          Die Hoffnungsträger: Sportvorstand Christian Heidel (mit Trainer Markus Weinzierl) dürfte gestärkt hervorgehen aus der Diskussion um Tönnies

          „Sie machen etwas, das Sie nicht können, und schaden damit unserem Verein“, schrieben Axel Hefer, Andreas Horn und Thomas Wiese, drei gestandene Männer mit beachtlichen beruflichen Karrieren, Ende April nach vorangegangenen Streitigkeiten in einem Brief an Tönnies. Sie warfen ihm vor, ständig satzungswidrig ins operative Geschäft der Vorstände einzugreifen, beispielsweise bei geplanten Transfers oder Trennungen von Trainern, obgleich dem Aufsichtsrat als Gremium lediglich obliegt, bei Geschäften oberhalb von 300.000 Euro über die Genehmigung zu entscheiden.

          „Damit zerstören Sie das von der Vereinssatzung gut austarierte System der Kompetenzverteilung zwischen Vorstand und Aufsichtsrat. Konkret ist es für unseren Verein in vielfältiger Weise nachteilig, wenn Sie per SMS Spieler suspendieren (lassen), Transferentscheidungen treffen oder über die Einstellung und Entlassung von Trainern entscheiden. Wenn Ihre Pläne dann auch noch wegen Ihrer fehlenden Distanz zur Boulevardpresse vorzeitig öffentlich werden, kommen Transfers nicht zustande („Schalke jagt Khedira“), kosten mehr (Boateng) oder verteuern Verhandlungen über Vertragsauflösungen erheblich (Di Matteo).“

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