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3:2 gegen Stuttgart : Schalke zieht den Kopf aus der Schlinge

  • -Aktualisiert am

B-Note „sehr gut“: Kevin-Prince Boateng ist Wegbereiter des Sieges Bild: dpa

Die Tage im Kloster haben das Glück zurückgebracht: Schalke 04 gewinnt gegen den VfB Stuttgart nach zwischenzeitlichem Rückstand. Und Klaas-Jan Huntelaar beendet seine Torlos-Serie.

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          So steigt man normalerweise ab. Der VfB Stuttgart schien bei  einer 2:1-Führung „auf“ Schalke schon dem ersten Auswärtssieg der Rückrunde entgegenzusteuern und besiegte sich dann selbst durch ein Eigentor von Klein  (89. Minute). Am Ende konnten die zuletzt von Siegen nicht verwöhnten Schalker einen 3:2-Erfolg bejubeln, zu dem der wiederentdeckte Torjäger Klaas-Jan  Huntelaar zwei Tore beigesteuert hatte (9./78.). Sie festigten als Tabellenfünfte ihren Europa-League-Rang.

          Der VfB dagegen blieb drei Spieltage vor Schluss Tabellenletzter und muss nun auf Siege in den drei letzten Spielen gegen Mainz 05, den Hamburger SV und beim SC Paderborn hoffen, soll der zweite  Bundesliga-Abstieg nach 1975 vermieden werden. Die Treffer von Harnik (22.) und Kostic (51.) waren am Samstag letztlich genauso wenig wert wie die über weite Strecken ansehnliche Stuttgarter Leistung.

          Erfolgserlebnis wenigstens für Huntelaar: Der Niederländer beendet seine Negativserie Bilderstrecke

          Von guter Stimmung konnte zuletzt weder bei den Schalkern noch bei den  Stuttgartern die Rede sein. Die Westfalen, die von den vorangegangenen zehn  Bundesliga-Begegnungen nur eine gewonnen und dadurch auch die abermalige  Champions-League-Teilnahme verfehlt hatten, sollten in einem Trainingslager in  sich gehen. Die Stuttgarter hatten am vergangenen Samstag eine 2:0-Führung gegen den SC Freiburg verdaddelt und sich dabei den Zorn ihres Trainers Huub Stevens zugezogen.

          Tönnies droht mit Umbruch

          Der Schalker „Jahrhunderttrainer“, an alter Stätte  zwischendurch gefeiert, beruhigte sich danach rasch wieder und baute seine Spieler wieder auf. Die Schalker mussten sich vor dem Spiel noch ein paar deutliche Worte ihres  mächtigen Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Tönnies anhören. Der  ostwestfälische Fleischfabrikant kündigte in einem Interview einen personellen „Umbruch“ im Sommer an, bekräftigte seinen  Wunsch, für die kommende Saison Weltmeister Sami Khedira von Real Madrid zu verpflichten, stellte den in die Kritik geratenen Sportvorstand Horst „nicht in Frage“, sprach ihn aber auch „nicht heilig“ und nahm vor allem die Spieler als  Erstverursacher der Schalker Misere in die Pflicht.

          Was würde aus dieser Gemengelage entstehen? Zunächst ein deutliches  Schalker Bekenntnis zu mehr Mut und Angriffslust als zuletzt und ein ebenso unübersehbares Signal, dass es den Torjäger Klaas-Jan Huntelaar noch gibt. Der Niederländer beendete in der königsblauen Sturm-und-Drang-Phase zu Beginn nach 1195 torlosen Minuten seine lange Flaute und profitierte bei seinem Treffer zum 1:0 (9.) von einem Luftloch, das der Stuttgarter Innenverteidiger Niedermeier nach Sanés abgefälschter Flanke schlug.

          Das Tor belohnte die bis dahin einzig  aktive Mannschaft, die bei weiteren Chancen aber nicht konsequent genug war. Das bestraften die Stuttgarter bei ihrer erstbesten Gelegenheit. Nach  Schwaabs langem Ball und Ginczeks Vorlage produzierte der umtriebige Harnik einen ansehnlichen Heber zum 1:1 (22.).

          Nun entwickelte sich ein abwechslungsreiches, ansehnliches Bundesliga-Duell mit leichten Vorteilen für  die Schalker, bei denen Huntelaar seinen zweiten Treffer  bei einem  Pfostenschuss knapp verfehlte (24.). Die zuletzt unverkennbare Schalker Unfähigkeit, einem Spiel Halt und  Richtung zu geben, zeigte sich gleich nach der Pause. Verhinderte Torhüter  Fährmann zuvor noch zweimal den Stuttgarter Führungstreffer, war der Keeper nach 51 Minuten zum zweiten Mal geschlagen, nachdem Matip ein Fehlpass  unterlaufen war und Ginczek Kostic in Schussposition gebracht hatte. Den Schuss  des Serben ins lange Eck konnte Fährmann nicht mehr aufhalten. Zum Glück für Schalke ließ sich Huntelaar von der um sich greifenden  Mutlosigkeit nicht anstecken und glich noch zum 2:2 (78.) nach Boatengs Pass  aus. Und es sollte noch schlimmer für den VfB kommen: Der seit Wochen nicht  mehr eingesetzte Boateng hielt volley aufs Stuttgarter Tor, und Klein (89.)  fälschte den Ball zum Schalker Sieg ab. Eine bittere Niederlage für Stuttgart,  ein glücklicher Sieg für Schalke.

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