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Aufsichtsratschef Holzer : „Ich halte mich gerne an Regeln“

  • -Aktualisiert am

Der oberste Eintracht-Kontrolleur: Aufsichtsratschef Philip Holzer Bild: Imago

Philip Holzer ist der neue Aufsichtsratschef der Eintracht. Nach seiner Wahl bezieht er Stellung zu Gegenwart und Zukunft des Fußball-Bundesligavereins aus Frankfurt.

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          Am Dienstag hat Philip Holzer, der neue Aufsichtsratsvorsitzende der Eintracht Frankfurt Fußball AG, der Öffentlichkeit einen kleinen Einblick gegeben, wie der Bundesliga-Klub fortan die Verträge mit seinen Spielern gestalten wird. In Zukunft werde „eine Pandemie-Klausel“ in jede Abmachung eingearbeitet werden, kündigte der 54-Jährige an. In Zeiten der Corona-Krise müsse der Verein auf alle Eventualitäten vorbereitet sein.

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          Als bei der Präsentation von Holzer vor den Medien aber die Sprache auf den Verhandlungsstand mit Cheftrainer Adi Hütter kam – die Frankfurter möchten die Zusammenarbeit mit dem Österreicher vorzeitig über den 1. Juli 2021 hinaus verlängern – schwieg der ehemalige Investmentbanker beredt: „Den Vertrag von Adi Hütter unterschreibt der Vorstand. Zuallererst ist das damit eine Entscheidung von Fredi Bobic. Und da wir ja einen Sportvorstand haben, der zweimal Manager des Jahres geworden ist, liegt das bei ihm in sehr guten Händen. Da wird es auch bleiben.“

          Der für fünf Jahre gewählte neue Aufsichtsratschef will sich in das operative Geschäft beim Fußball-Bundesligaverein öffentlich so wenig wie möglich einmischen. Trotzdem weiß er, dass er nach zehn Jahren als Mitglied des Aufsichtsrates in Zukunft „mehr in der Öffentlichkeit“ stehe. „Das ist jetzt eine etwas andere Dimension.“

          Das frühere Vorstandsmitglied von Goldman Sachs hat schon unangenehmere Aufgaben erlebt. „Einige sagen, ich sei schüchtern, das bin ich, glaube ich, nicht.“ Er halte sich „gerne an Regeln und Absprachen. Daher war meine Rolle, nicht in der ersten Reihe zu stehen, sondern mit meinen Kollegen im Hauptausschuss, Wolfgang Steubing und Vereinspräsident Peter Fischer, extremst vertrauensvoll zusammenzuarbeiten“, sagte Holzer, der hinter Fischer zum zweitmächtigsten Mann des Klubs aufgestiegen ist. „Das Management von größeren Teams und Gruppen ist mir ja nicht ganz fremd.“

          Dadurch, dass Steubing, der in seiner Zeit über 150 Verträge zur Vorlage hatte, schon im vergangenen Jahr angekündigt hatte, seinen Posten 2020 aufzugeben, stuft Fischer den Wachwechsel im Kontrollgremium als „reibungslosen Übergang“ ein. Holzer sei „über jedes Projekt, jede Aktion und Planung immer eindeutig informiert“ gewesen und habe „mit den drei Kollegen aus dem Vorstand irrsinnig gut zusammengearbeitet. Philip hat bewiesen, dass er nicht nur ein Teamplayer und durch und durch ein Eintrachtler mit tiefer Passion ist, sondern auch über großes unternehmerisches Knowhow verfügt“, sagte Fischer.

          Die Gremien von Eintracht Frankfurt hält Holzer nach Jahren des Miteinanders für „krisenerfahren. Wir haben einen kreativen und innovativen Vorstand.“ Oliver Frankenbach (Finanzen und Personal) und Axel Hellmann (Marketing und Kommunikation) schätzt Holzer so ein: „Oliver Frankenbach versteht Zahlen wie kein anderer. Und Axel Hellmann ist die Rakete im Vorstand, deren erste Zündstufe wir vor ein paar Jahren gestartet haben.“ Gleichwohl mahnte der neue Chef des Aufsichtsrats an, „dass wir versuchen müssen, in Zukunft noch kreativer und innovativer zu sein. Wir müssen noch mehr versuchen, uns an Veränderungen in unserem Umfeld anzupassen, wie wir das in den zurückliegenden fünf Jahren auch getan haben. Wir müssen modernisieren, um Traditionsklubs wettbewerbsfähig zu erhalten.“

          Die Frankfurter stünden vor „großen Herausforderungen“. Sie hätten „spannende Investitionsprojekte“. Manche Umsetzung, kündigte Holzer an, könnte allerdings verschoben werden. Es sei aber wichtig, „dass wir in unsere Zukunft investieren. Das wird ein größerer Balanceakt, je weniger Liquidität und Möglichkeiten wir haben. “ Holzer hob hervor, dass sich die Eintracht in eine Situation gebracht habe, „dass wir Spieler nicht zu jedem Preis verkaufen müssen. Wir werden jede Möglichkeit gegeneinander abwägen“.

          Transfermarkt-Preise dürften fallen

          Auf dem Transfermarkt, glaubt der Aufsichtsratsvorsitzende, würden „die Preise nach unten gehen“. Von dessen guten Kontakten in die Wirtschaft profitierte die Eintracht schon. Holzer half dabei, dass die Deutsche Bank oder die Börse wichtige Vereinssponsoren wurden. „Ich habe sicherlich für eine kleine Annäherung an den Frankfurter Finanzplatz gesorgt. Hier und da habe ich einen kleinen Anteil an dem einen oder anderen Deal.“ Holzer hatte zusammen mit dem Aufsichtsratsmitglied Stephen Orenstein die „Freunde des Adlers GmbH“ gegründet.

          Vor zwei Jahren erwarben beide mit Hilfe dieser GmbH einen Teil der Aktien eines anderen Gesellschafters („Freunde der Eintracht Frankfurt AG“). Damit konnte das Eigenkapital der Eintracht um etwa 15 Millionen Euro erhöht werden. Die Suche nach Investoren mit „Eintracht-Gen“ wird weitergehen. „Das diskutieren wir intern. Generell wissen wir bei möglichen Investoren genau, was wir wollen“, sagte Holzer. „Noch ist es aber nicht so weit, dass es Namen gibt.“

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