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Dresden in Corona-Krise : Dynamo und der Kampf gegen „den Rest der Welt“

  • Aktualisiert am

Am Sonntag geht es auch für Dynamo Dresden wieder los in der zweiten Bundesliga. Bild: Reuters

Durch die Corona-Quarantäne startet Dynamo Dresden erst jetzt in die zweite Bundesliga. Die Lage des Tabellenletzten ist eh schon schlimm genug. Nun macht sich Trotz breit ob des Mammutprogramms.

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          Sie haben keine Chance, doch die will Dynamo Dresden nutzen. So zumindest könnte man die aktuelle Gefühlslage beim stark abstiegsbedrohten Fußball-Zweitligaverein beschreiben. „Wir gegen den Rest der Welt. Lassen wir die anderen reden und packen es noch einmal gemeinsam an, denn wir haben auf unserem Weg keine Zeit mehr zu verlieren“, verbreite Dynamo zum Trainingsstart am vergangenen Samstag über seine Social Media-Kanäle.

          2. Bundesliga

          Nur ein Woche hat Trainer Markus Kauczinski nach der 14-tägigen häuslichen Quarantäne Zeit, sein Team für den Neustart am Sonntag gegen den VfB Stuttgart (13.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur 2. Fußball-Bundesliga und bei Sky) vorzubereiten. Seit Montag befinden sich das Team sowie der Trainer- und Betreuerstab im vorgeschriebenen Quarantäne-Trainingslager in einem Dresdner Hotel. „Wir müssen ein Gefühl für den Raum und das Zusammenspiel bekommen. Es ist auch für mich neu, auch ich muss erst einen Weg finden. Dabei ist Geschick gefragt, nicht zu viel in zu kurzer Zeit belasten“, erklärte Kauczinski.

          Bis zum 22. Juni ist es für den 50-Jährigen die einzige Woche, in der er überhaupt intensiv trainieren kann. Denn bis dahin wartet auf Dynamo ein wahres Mammutprogramm mit Spielen im Drei-Tage-Rhythmus. Acht sind es in 22 Tagen, den Trainings-Rückstand aufzuholen ist quasi ausgeschlossen. „Da wird nicht viel trainiert, sondern regeneriert und analysiert. Für Training wird da wenig Zeit bleiben“, bestätigte Kauczinski. „Wir müssen es so hinnehmen, wie es gekommen istW, sagte der Trainer am Donnerstag bei Sky: „Wir haben viele Dinge nicht beeinflussen können. Uns hat das Virus besonders hart getroffen. Das muss man letzten Endes akzeptieren.“

          Gelingt Dynamo abermals der Klassenverbleib, war es die wohl letzte Mission von Sportchef Ralf Minge. Nach übereinstimmenden Medienberichten soll der 59-Jährige keinen neuen Vertrag erhalten. Sein Arbeitspapier läuft Ende Juni aus, der Aufsichtsrat will ihn maximal noch bis Ende September halten – zur Einarbeitung des Nachfolgers. Die sportliche Rückwärtsentwicklung der vergangenen beiden Jahre kostet Minge wohl den Job.

          Für die Mannschaft ist die aktuelle Situation auch psychologisch eine Herausforderung. Während die Konkurrenz punktete, war das Schlusslicht bisher zum Zuschauen verdammt. Zudem hat es das Restprogramm in sich. Mit dem VfB Stuttgart, Hamburger SV und Arminia Bielefeld warten die drei Aufstiegskandidaten, Hannover 96, Greuther Fürth und Holstein Kiel können ohne Sorgen aufspielen. Einzig mit dem SV Sandhausen und Wehen Wiesbaden trifft die Kauczinski-Elf auf direkte Konkurrenten im Abstiegskampf.

          „Im Moment fühlt es sich für uns nicht so an, dass es am Ende ein faires Ergebnis geben kann. Wir können auch im Aufstieg ein Zünglein an der Waage sein. Für uns gilt es aber, nicht in eine Opferrolle zu fallen. Ich fühle die Motivation bei den Spielern“, erklärte Kauczinski. Die Frage nach Gerechtigkeit stellt sich für ihn nicht. Der 50-Jährige weiß, dass er die Situation ohnehin nicht ändern, sondern nur annehmen und dadurch meistern kann. Dafür braucht es eine Jetzt-erst-Recht-Mentalität, die Dynamos Coach auch ausgemacht haben will.

          Torwart Kevin Broll bestätigt das. „Wer glaubt denn noch an uns? Wir! Das muss unser Motto für die kommenden Wochen sein. Wir spielen aller drei Tage und können für den Verein Großartiges leisten. Das sollte Motivation genug sein, denn zusammen können wir unser Ziel erreichen“, wird der 23-Jährige auf der Vereinshomepage zitiert.

          Bereits nach der katastrophalen Hinrunde schien das Schlusslicht mit sieben Zählern Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz quasi abgeschrieben. Doch nach der Winterpause rückte Dresden wieder heran, holte in sieben Spielen elf Punkte und war wieder in Schlagdistanz. Lediglich vier Zweitligavereine holten mehr Punkte – ein Hoffnungsschimmer, wenn auch unter anderen Voraussetzungen. Der Trainer hofft gleich am Sonntag auf eine Überraschung: „Stuttgart freut sich vielleicht, weil sie denken, da ist jetzt jemand noch nicht ganz auf der Höhe“, so der 50-Jährige: „Wir haben das angenommen und tun alles dafür, ein guter Gegner zu sein.“

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