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Betrug in Zagreb? : Domagojs Daumen

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Daumen hoch: Domagoj Vida, Bafetimbi Gomis in Zagreb Bild: Screenshot Sky Sport News HD

Nach dem viele Fragen hinterlassenden 7:1 bei Dinamo Zagreb steht Olympique Lyon im Achtelfinale der Champions League. Nicht nur Ajax Amsterdam, von den Franzosen durch den Kantersieg abgefangen, wittert Betrug.

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          Nach dem Einzug ins Champions-League-Achtelfinale dank des 7:1 bei Dinamo Zagreb wehrt sich Olympique Lyon gegen den Betrugsverdacht. Der französische Klub „bedauert, dass die Kommentare sich nicht auf den sportlichen Teil einer unglaublichen Heldentat beschränken, die sowohl Olympique Lyon als auch der französische Fußball vollbracht haben“, heißt es in einem am Donnerstag verbreiteten Kommuniqué des Vereins. Die "Autorité de Régulation des Jeux en Ligne" (Arjel), Kontrollbehörde für Online-Wetten in Frankreich, teilte mit, dass eine Ermittlung eingeleitet wurde. Die Wetteinsätze, die vor und während des Spiels in Zagreb getätigt worden seien, sollen überprüft werden.

          Lyon begrüßte die Untersuchung ausdrücklich: „Der Verein stimmt dieser Aktion, die wegen eines untypischen Ergebnisses eingeleitet wurde, völlig zu“, so der Klub. Olympique-Präsident Jean-Michel Aulas warf den spanischen Medien vor, die Betrugsgerüchte aus Rache in Gang gesetzt zu haben. „Das ist eine Antwort der spanischen Medien auf die von (dem früheren Tennis-Star) Yannick Noah angezettelte Doping-Polemik“, sagte Aulas im Gespräch mit dem Radiosender „Europe 1“. Man dürfe sich nicht „völlig unmögliche Sachen vorstellen (...) Ich glaube, das ist von Seiten der Spanier kein Fair Play“, fügte Aulas an.

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          Der Franzose Noah hatte jüngst mit pauschalen Dopingvorwürfen gegen den spanischen Sport und der Forderung nach einer Freigabe verbotener Mittel Empörung ausgelöst. Nach dem 0:3 von Ajax Amsterdam gegen Real Madrid, bei dem zwei eigentlich reguläre Ajax-Tore aberkannt wurden, und dem 7:1 von Lyon in Zagreb haben die Franzosen den niederländischen Rekordmeister dank der Tordifferenz abgefangen und das Achtelfinale erreicht. Ajax wittert Betrug; der kroatische Meister fand in Trainer Krunoslav Jurcic ein Bauernopfer und gab die Trennung bekannt.

          Welches Spiel läuft so gut?

          RTL Nieuws“ fragte unverhohlen: „Glück? Gut gespielt oder Bestechung?“ Andere Medien taten dergleichen. Allerdings hat das Wettbetrugs-Warnsystem der Europäischen Fußball-Union (Uefa) bisher „keine irregulären Wettmuster bezüglich des Spiels gezeigt, die eine Untersuchung rechtfertigen würden“, erklärte ein Uefa-Sprecher gegenüber der F.A.Z. Man habe die Vorwürfe zur Kenntnis genommen und warte die Berichte des Referees, der Schiedsrichterbeobachter und der Match-Delegierten ab. Man wolle sehen, ob „nach deren Ansichten etwas Verdächtiges passiert sein könnte“. Sollte es nach dem Bericht Anhaltspunkte für Unregelmäßigkeiten gebe, werde die Uefa Untersuchungen einleiten.

          Die Europäische Fußball-Union könne nicht einfach über Verdachtsmomente hinweggehen, erklärte Ajax-Direktor Martin Sturkeboom am Donnerstag. Das Begehren um Klärung werde der Uefa offiziell per Brief übermittelt, kündigte er an. „Wir wollen auf alle Fälle eine Reaktion von der Uefa“, erklärte Sturkenboom. „Wir erwarten zwar nicht, dass dabei viel herauskommt. Aber gar nichts tun, ist auch keine Option.“ Dinamo Zagreb wiederum erklärte, es sei „tendenziös, frevelhaft und böswillig“, das Spiel im Maksimir-Stadion für suspekt zu halten.

          Fragen werfen neben den nicht eben übermäßigen Abwehranstrengungen der kroatischen Hintermannschaft spätestens nach dem 1:2 in der 48. Minute vor allem Fernsehbilder aus, die Dinamos Innenverteidiger Domagoj Vida zeigen. Vida, bis zum Sommer bei Bayer Leverkusen unter Vertrag, holt den Ball nach dem 1:5 durch Lisandro Lopez aus dem eigenen Tor, zwinkert Gomis zu und signalisiert in international verständlicher Zeichensprache, dass an diesem Abend in Zagreb irgendein Spiel mächtig gut läuft: Daumen hoch.

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