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Deutsche bei French Open : Nach Kerber scheidet auch Zverev aus

  • -Aktualisiert am

Der Frust ist groß: Alexander Zverev scheidet überraschend in der ersten Runde der French Open aus. Bild: AFP

Einer der Mitfavoriten Alexander Zverev scheitert in Paris in Runde eins. An seiner glänzenden Perspektive ändert aber auch ein grauer Tag in Roland Garros nichts.

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          Es war ein ziemlich kompletter Test für Alexander Zverev, alles in allem. Ein Spiel über vier Sätze und zwei Tage, begonnen im Sonnenschein, beendet bei Regentropfen und nachlassendem Licht, fortgesetzt rund 15 Stunden später bei Wind und Wolken. Auf der anderen Seite ein Gegner mit der Erfahrung aus 55 Grand-Slam-Turnieren und 13 Exkursionen im Stade Roland Garros.

          Linkshänder, gewaltige Vorhand, ein Mann für spezielle Fälle, wie 42 Spiele über die maximale Distanz von fünf Sätzen beweisen. Und für Zverev die Premiere auf dem Court Central. Viele Spieler beschreiben die erste Begegnung mit dem großen roten Platz im Stade Roland Garros wegen der Dimensionen als einschüchterndes Erlebnis. Welches Detail den größten Anteil an der Niederlage (4:6, 6:3, 4:6, 2:6) des jungen Hamburgers gegen Fernando Verdasco aus Spanien hatte? Er selbst fasste die Sache in aller Deutlichkeit so zusammen: „Ich hab´ absolut scheiße gespielt.“

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          Als das Spiel am Montagabend auf Drängen beider Spieler gegen halb neun abgebrochen wurde, nachdem Zverev den ersten Satz verloren und den zweiten gewonnen hatte, sah es so aus, als habe er die Sache ganz gut im Griff. Ob es die richtige Entscheidung war, sich in dieser Situation dem Spanier anzuschließen, der in einer längeren Diskussion mit dem Oberschiedsrichter forderte, für diesen Abend Schluss zu machen? Wer einen Satz gewonnen hat und im Vorteil ist, der nutzt normalerweise den gefühlten Vorteil und drängt darauf, weiterzuspielen, so lange es geht – das Licht hätte mindestens noch für eine weitere halbe Stunde gereicht. Der Schwede Mats Wilander, ehemals Nummer eins und dreimal Sieger der French Open, fand, das sei ein Anfängerfehler gewesen.

          Zverev sah das nicht so und meinte, es wäre richtiger gewesen, das Spiel noch früher abzubrechen, er habe den Ball schon länger nicht mehr richtig erkennen können. Es ist sicher Unfug zu behaupten, die Unterbrechung nach dem zweiten Satz habe in die Niederlage geführt, zumal Zverev anderntags bei der Fortsetzung genügend Chancen hatte. Er ging schnell in Führung, doch es gab kaum freie Punkte für ihn; Verdasco ließ sich nicht abhängen oder einschüchtern, und von dem Moment an, als der Spanier zum 3:3 ausglich, neigte sich die Waage des Spiels auf die spanische Seite.

          Verdasco hatte Glück, dass die beiden Breakbälle, die er später herausspielte, bei einer Führung von 5:4 auch gleichzeitig Satzbälle waren. Beim zweiten landete Zverevs Rückhand-Ball im Aus, und danach ging’s zügig bergab. Er versuchte, die Punkte zu erzwingen, und wie sich das Spiel in seinem Innenleben spiegelte, das sah man, als er seinen Schläger zuerst auf den Boden drosch und ihn dann per Hand knickte.

          Aus der Grube kam er nicht mehr raus, und mit dem letzten seiner 50 Fehler ohne Not endete die Partie nach insgesamt knapp drei Stunden. Zverev gratulierte Fernando Verdasco sportlich-freundlich, verabschiedete sich winkend vom Publikum, stellte im Umkleideraum seine Taschen ab und saß keine fünf Minuten später in der Pressekonferenz. Bei anderen Gelegenheiten hatte er im verbalen Nachspiel bisweilen nicht die beste Figur gemacht, nicht nur nach Niederlagen. An seinem Auftritt diesmal gab es nichts auszusetzen. Er würdigte die Leistung des Gegners, erklärte seine Sicht der Dinge zur Diskussion um den Abbruch, gab zu, dass er schlecht gespielt hatte und versuchte nichts schönzureden.

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          Natürlich ging es auch um die Frage, ob es schwierig gewesen sei, nach dem Erfolgen in den vergangenen Wochen – dem Titel bei den BMW Open in München, aber vor allem eine Woche vor Beginn der French Open beim Turnier in Rom – konzentriert zu bleiben. Mit Rom habe das nichts zu tun gehabt, antwortete er, vielleicht eher mit den ungewohnten Bedingungen auf dem Court Central, dem Wind und anderen Dingen. „In Rom habe ich phantastisch gespielt und habe das Turnier gewonnen. Ich habe ich schlecht gespielt und in der ersten Runde verloren. So ist das halt, und davon bleibt die Welt nicht stehen.“

          Stimmt. Diese Niederlage nur eine Woche nach dem bisher größten Erfolg seiner Karriere ist eine Niederlage, aber kein Zeichen. Sie ändert nichts an Aussichten und Perspektiven; nach der ersten Frustphase wird er sich mit der Analyse dessen beschäftigen, was schief gelaufen ist. Außerdem weiß er gut genug, dass es keine Karriere ohne Stolpersteine gibt und dass sich dafür prominente Beispiele finden lassen. Roger Federer gewann im Mai 2002 bei den German Open in Hamburg seinen ersten großen Titel und verlor danach in Paris in Runde eins; im Jahr darauf gewann er im Mai den Titel in München und verlor in Paris in Runde eins. Ein paar Wochen stand er mit dem Pokal im Arm auf dem Rasen von Wimbledon. Alexander Zverev wird sich nun überlegen, ob er vielleicht nicht erst bei den Gerry Weber Open in Halle wieder spielen wird, sondern schon vorher bei einem anderen Turnier; Fortsetzung folgt.

          Das miserable Abschneiden der Deutschen

          Jan-Lennard Struff ist bei den French Open als letzter Deutscher in der Herren-Konkurrenz ausgeschieden. Der 27 Jahre alte Davis-Cup-Profi verlor am Dienstagabend in Paris in der ersten Runde gegen den Tschechen Tomas Berdych 1:6, 1:6, 6:4, 4:6. Damit ist erstmals seit den French Open 2008 bei einem Grand-Slam-Turnier kein deutscher Tennisspieler bei den Herren mehr in der zweiten Runde vertreten. Bei den Damen schafften nur Carina Witthöft und Tatjana Maria das Weiterkommen beim mit 33,8 Millionen Euro dotierten Sandplatz-Event.

          Vor Zverev waren bereits Philipp Kohlschreiber und Mona Barthel ausgeschieden. Kohlschreiber verlor gegen den Australier Nick Kyrgios mit 3:6, 6:7 (4:7), 3:6. Barthel war beim 0:6, 4:6 gegen die Bulgarin Tsvetana Pironkova ebenfalls weitgehend chancenlos. Am Abend kam die deutliche Niederlage von Dustin Brown gegen den französischen Publikumsliebling Gael Monfils (4:6, 5:7, 0:6) hinzu.

          Damit ist das schlechteste deutsche Abschneiden bei Grand-Slam-Turnieren seit neun Jahren perfekt. 2008 hatte in Sabine Lisicki nur eine Deutsche die erste Runde überstanden, danach standen in der französischen Hauptstadt immer mindestens sechs deutsche Tennisprofis in Runde zwei.

          Kohlschreiber stand gegen Kyrgios auf Court 2 im Stade Roland Garros von Beginn an auf verlorenem Posten. „Heute war einfach nicht mehr drin. Er hat eine Klasse besser gespielt als ich“, sagte der 33 Jahre alte Augsburger, der bislang eine durchwachsene Saison mit vielen kleinen Verletzungen erlebt. „Die vergangenen drei Wochen waren nicht einfach, weil ich eigentlich sehr gerne auf Sand spiele“, sagte Kohlschreiber.

          Um wieder in Schwung zu kommen, erwägt er nun sogar einen Start beim Challenger-Turnier im tschechischen Prostejov. „Mein Team und ich werden uns zeitnah entscheiden, ob ich das mache. Auf der einen Seite brauche ich Spielpraxis, auf der anderen Seite will ich mich gut auf Rasen vorbereiten“, sagte die deutsche Nummer drei. Auf Rasen will er in der Woche nach den French Open in Stuttgart an den Start gehen.

          Barthel konnte gegen Pironkova nicht an ihre zuletzt starken Leistungen anknüpfen. Im Vorfeld der French Open hatte sie mit dem Titelgewinn beim Turnier in Prag für Furore gesorgt. Doch gegen die Bulgarin lief anfangs nichts zusammen, der ersten Satz war schnell mit 0:6 weg. „Das ist als Start natürlich der Worst Case“, sagte Barthel. Danach steigerte sie sich zwar und lag im zweiten Abschnitt mit 4:1 vorne. Doch dann konnte sie weitere Breakbälle nicht nutzen und verlor wieder ihren Rhythmus. „Ich bin mit meiner Entwicklung in den vergangenen Wochen dennoch sehr zufrieden“, sagte Barthel. (dpa)

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