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Sergio Perez : Vorsicht, Pisten-Rowdy!

  • -Aktualisiert am

Gefahr von hinten: Sergio Perez taucht im Rückspiegel auf, da gibt es nur eines: schnell weg! Bild: dpa

Sergio Perez mischt die Formel 1 derzeit mit waghalsigen Manövern auf. Kimi Räikkönen wollte nach einer Kollision schon handgreiflich werden. Perez’ Arbeitgeber McLaren aber hat andere Probleme.

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          Sergio Perez hat nicht mehr viele Freunde im Kollegenkreis. Seit er für McLaren fährt, wurde aus dem stilleMexikaner ein Pisten-Rowdy. Sogar Teamkollege Jenson Button ist auf Distanz gegangen. Da hat der Weltmeister von 2009 drei Jahre ohne Streit mit Lewis Hamilton überstanden, dann reichen vier Rennen, um sich mit dessen Nachfolger in die Haare zu kriegen.

          Beim Rennen in Bahrein im April berührten sich die Teamkollegen gleich drei Mal mit ihren McLaren. Perez gewann schließlich das Duell, weil er die Reifen besser schonte. McLaren gab seinem Neuling freie Fahrt, um dessen Selbstvertrauen zu stärken, das nach drei schwachen Rennen zu Saisonbeginn angeknackst war. Teamchef Martin Whitmarsh sagte noch vor dem Rennen in Bahrein: „Sergio musste herausfinden, ob er mit Jenson auf Augenhöhe kämpfen kann.“

          Perez nahm es zu wörtlich, und Button sprach von unfairen Methoden. Als Button direkt nach dem Rennen beim britischen TV-Sender „Sky“ seinen Frust abließ, wurde die Interviewrunde von den McLaren-Presseleuten kurz unterbrochen. Whitmarsh informierte seinen Piloten über die offizielle Sprachregelung. Drei Wochen später in Barcelona hörte sich das aus dem Munde von Button so an: „Wir haben uns ausgesprochen. Alle Probleme sind gelöst.“

          Die Kritik an Perez übernehmen jetzt andere. Kimi Räikkönen (Lotus) machte nach einer Kollision in Monte Carlo den Vorschlag: „Haut ihm einfach aufs Maul.“ Fernando Alonso (Ferrari) nörgelte nach eigenen Erfahrungen mit dem Dreiundzwanzigjährigen aus Guadalajara: „Perez ist in den letzten fünf Rennen Button, Räikkönen und mir ins Auto gefahren. Nur McLaren ist glücklich mit ihm.“

          „Bei McLaren genügen nicht drei gute Rennen“

          Sergio Perez, den sie „Checo“ nennen, steht unter Druck vor dem Großen Preis von Kanada an diesem Sonntag (Start: 20.00 Uhr MESZ / Live im Formel-1-Ticker bei FAZ.NET). Als McLaren seine Verpflichtung im September vergangenen Jahres bekanntgab, fragten sich viele Experten: Warum bloß Perez? Der WM-Zehnte des Vorjahres hat nie eine wichtige Meisterschaft gewonnen, sich aber 2012 bei Sauber in drei Rennen einen Namen gemacht, in denen er die Reifen besser in Schuss hielt als seine Gegner und deshalb auf dem Podium landete.

          Doch qualifiziert einen das schon für McLaren? Der ehemalige Pilot Johnny Herbert warnte: „Bei McLaren genügen nicht drei gute Rennen. Da musst du zwanzig abliefern.“ Es wurde spekuliert, dass McLaren im Fall Perez scharf ist auf dessen mexikanische Sponsoren. Das Geld des Telekommunikations-Imperiums von Carlos Slim, dem reichsten Mann der Welt, hatte Perez schon das Entrée bei Sauber verschafft.

          Nicht bei allen Fahrerkollegen in der Formel 1 ist der Mexikaner beliebt
          Nicht bei allen Fahrerkollegen in der Formel 1 ist der Mexikaner beliebt : Bild: AFP

          Für Perez sollte McLaren die große Chance werden. Zwei Monate wurde er dafür gedrillt. Fitness, Mentaltraining, Fragestunden mit den Ingenieuren, zwanzig Tage im Simulator. McLaren wollte aus ihm über den Winter einen neuen Rennfahrer machen. McLaren-Teamarzt Aki Hiintsa sagte ihm: „Du musst deine Denkweise umstellen. Champions sagen nicht: Ich glaube, dass ich dieses Rennen gewinnen kann. Sie sagen: Ich weiß es.“

          Doch McLaren hat kein Siegerauto gebaut. Button kann mit dieser Situation besser umgehen. „Wir verstehen unsere Probleme besser, aber wir sind noch auf der Suche nach dem Schlüssel, sie zu lösen“, sagt der Brite. Auf den Rennstall kommen entscheidende Monate zu. Hauptsponsor Vodafone wird das Team Ende 2013 verlassen. Dadurch entsteht ein 50-Millionen-Euro-Loch. Angeblich soll es bereits einen Ersatz geben, der im Dezember präsentiert wird.

          Eine einzige Erfolgsmeldung in dieser Saison

          Bislang bleibt die Wiederbelebung der Ehe mit Honda als Motorenliferant von 2015 an die einzige Erfolgsmeldung in dieser Saison. Da werden Erinnerungen an die Zeit zwischen 1988 und 1992 wach, als McLaren-Honda 44 Grand Prix, 53 Pole Positions und je vier WM-Titel für Fahrer und Konstrukteure gewann. McLaren muss für die Honda-Triebwerke nicht bezahlen. Das zählt wie ein Sponsorenbeitrag in Höhe von zwanzig Millionen Euro.

          Im nächsten Jahr könnte der Rennstall aus Woking darunter leiden. Mercedes muss vertragsgemäß noch ein Jahr Motoren liefern, ein gewisser Technologietransfer ist unvermeidbar. Mercedes kann Informationen über technische Details bis zum 1. Januar 2014 zurückhalten, die Motoren komplett verplomben und einen Aufpasser dazustellen, wann immer der Motor im Auto eingebaut ist.

          Im Team kämpft er gegen Jenson Button - wenn er nicht gerade aneckt
          Im Team kämpft er gegen Jenson Button - wenn er nicht gerade aneckt : Bild: AFP

          Das wäre bei der Komplexität der neuen Triebwerke für McLaren ein Wettbewerbsnachteil. Andererseits wird Honda bald schon wissen, wie lang, hoch, breit und schwer der neue Mercedes V6-Turbo ist, wie viel Kühlung er braucht und wo die Generatoren, Batterien und die Leistungselektronik plaziert sind. Eine Frage aber bleibt: Wie wird sich Sergio Perez mit dem neuen Aggregat im Auto verhalten?

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