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Formel 1 : Vettels Heimsieg im Eifelkrimi

Sebastian Vettel stand schon oft als Sieger auf dem Podest - aber noch nie am Nürburgring Bild: dpa

Sebastian Vettel gewinnt zum ersten Mal einen deutschen Grand Prix - mit einer Sekunde Vorsprung. Mercedes ist hingegen der große Verlierer auf dem Nürburgring. Ein Kameramann wird derweil von einem Reifen verletzt.

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          Eine Sekunde - mehr ist es nicht, und entsprechend ausgelassen ist seine Reaktion: „Yes, yes, yes!“ Immer wieder schreit Sebastian Vettel diese Worte in den Funk, nachdem er über die Ziellinie gefahren ist, die Fans jubeln, der Weltmeister lenkt mit einer Hand, mit der anderen winkt er in die Menge.

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Eine Ehrenrunde über den Nürburgring, 5,148 Kilometer, dann stellt er seinen Red Bull gegenüber der Haupttribüne ab, steigt aus dem Cockpit und reißt die Arme in die Höhe. Hinter dem Absperrgitter steht sein Vater Norbert und lacht. Erstmals in seiner Karriere gewinnt Vettel den Großen Preis von Deutschland, erstmals seit 2006 wird nach einem Rennen in der Eifel wieder die Nationalhymne gespielt.

          „Endlich hat es geklappt, ein unfassbares Rennen, die anderen haben ordentlich Druck gemacht“, sagt Vettel. Er weiß, wie knapp es war. Vor allem in der zweiten Rennhälfte setzten ihn die beiden Lotus-Fahrer Kimi Räikkönen (2.) und Romain Grosjean (3.) Runde um Runde unter Druck.

          Kurz nach 14 Uhr, die roten Ampeln erlöschen. Nur etwa dreihundert Meter sind es bis zur ersten Kurve, aber Lewis Hamilton (Mercedes) verliert auf dem Weg dorthin gleich zwei Positionen. Rechts geht Vettel vorbei, links dessen Teamkollege Mark Webber. In der zweiten Kurve greift auch Räikkönen an, doch der Brite kann zunächst immerhin den dritten Platz verteidigen. Bis auf die beiden Ferrari-Piloten Fernando Alonso und Felipe Massa gehen alle Piloten aus der Spitzengruppe mit der weicheren Reifenmischung an den Start.

          Die Sonne scheint, sie wärmt den Asphalt auf 46 Grad Celsius auf, der Verschleiß der Pneus ist deshalb höher als es die meisten Experten vermutet hatten. Schon nach sechs Runden biegt Hamilton in die Box ab und lässt neue Reifen aufziehen. Kein anderes Team hat während dieser knapp 310 Kilometer derart große Probleme mit den Gummis wie die beiden Mercedes, Hamilton wird Fünfter, Nico Rosberg Neunter. „Es ist etwas skurril, dass innerhalb einer Woche mit neuen Reifen aus einem Siegauto ein Platz-fünf-, -sechs-Auto wird“, sagt Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff später.

          Ob sich Sebastian Vettel das Motto hinter ihm zu Herzen genommen hat? Bilderstrecke
          Ob sich Sebastian Vettel das Motto hinter ihm zu Herzen genommen hat? :

          An der Spitze bestimmen die beiden Red Bull das Tempo, zwei Sekunden liegen sie vor ihrem ersten Stopp vor den Verfolgern. Dann fährt erst fährt Vettel bei seiner Crew vor (8. Runde), eine Umdrehung später folgt Webber. Ein Mechaniker hat Probleme, das rechte Hinterrad zu montieren. Trotzdem wird der Australier wieder losgeschickt. Nach ein paar Metern löst sich das Rad, rollt durch die Boxengasse und trifft einen Kameramann. Ein Arzt von Mercedes leistet Hilfe, der Kameramann aus England wird zunächst ins Medical Centre an der Strecke gebracht, danach fliegt ihn ein Hubschrauber in das Krankenhaus nach Koblenz.

          „Dummerweise wurde ein Rad nicht richtig festgemacht“, sagt Red-Bull-Teamchef Christian Horner nach dem Rennen. „Die gute Nachricht: Dem Kameramann geht es gut. Er hat eine kleine Schnittwunde und blaue Flecken. Die Boxengasse ist ein gefährlicher Ort.“ Webber wird zurückgerollt an die Box, nach mehr als einer Minute fährt er weiter und wird am Ende noch Siebter. Das Team wurde am frühen Abend von den Rennkommissaren zu einer Geldstrafe von 30.000 Euro verurteilt.

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