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Sutil verliert Sauber-Cockpit : Der deutsche Formel-1-Boom ist vorbei

  • -Aktualisiert am

Das waren noch Zeiten: 2010 fuhren Rosberg, Hülkenberg, Glock, Sutil, Heidfeld, Schumacher und Vettel (von links) gemeinsam Bild: Picture-Alliance

2010 fuhren noch sieben Deutsche in der Formel 1. Nächste Saison bleiben wohl nur Rosberg, Vettel und Hülkenberg. Sauber hat den Platz von Sutil mit einem Brasilianer besetzt. Am Können des Deutschen liegt das nicht.

          Die Deutschen waren mal eine Macht in der Formel 1. Sieben Fahrer stellten sie 2010. Den Rekord-Weltmeister Schumacher, den neuen Champion Vettel, den reifenden WM-Kandidaten Nico Rosberg, Timo Glock, Nico Hülkenberg, Nick Heidfeld und – Adrian Sutil. In der nächsten Saison, so sieht es aus, könnte auch der Bayer nicht mehr am Start sein.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Am Mittwoch gab sein Rennstall den zweiten Stammpiloten für 2015 nach dem Schweden Marcus Ericsson bekannt. Zur Überraschung präsentierten die Schweizer den Brasilianer Felipe Nasr. Und deshalb musste sich Sutil am Donnerstag während der ersten Pressekonferenz vor dem Großen Preis von Brasilien (Start am Sonntag 17.00 Uhr MEZ / Live bei RTL, Sky und im Formel-1-Ticker bei FAZ.NET) nach seiner Zukunft fragen lassen.

          Derzeit sind noch Vettel, Hülkenberg, Sutil und Rosberg dabei – und Sutil droht für 2015 das Aus

          Er war tapfer. Er zuckte leicht mit den Schultern. „Ob ich in der Formel 1 bleibe? Ich weiß es im Moment nicht.“ Er hatte es schon gewusst, bevor er in São Paulo landete. Für ihn bleibt kein Platz bei Sauber. Aber er wehrt sich: „Da sind einige Dinge, über die zu reden ist, definitiv. Sie haben zwei Fahrer bestätigt, aber das heißt ja nicht, dass die beiden fahren können“, sagte Sutil.

          Was er damit meinte? Vielleicht sein Anspruch auf einen Zwei-Jahres-Vertrag, der mit Ende dieser Saison erst zur Hälfte erfüllt ist. Sutils Freundin ließ alle Welt per Twitter wissen, worum es geht: „Ich dachte, es ist verboten, drei Verträge gleichzeitig abzuschließen“. Teamchefin Monisha Kaltenborn reagierte gelassen auf die Kampfansage: „Für mich gibt es eine klare Situation. Wir haben beide Fahrer für nächstes Jahr bekanntgegeben. Falls es Probleme gibt, dann lösen wir sie intern.“ Vermutlich geht es um die Höhe der Abfindung.

          Dass Sutil bei Sauber nicht mehr gefragt ist, hängt in erster Linie nicht von seinem Können ab. Auch Sauber braucht Geld, um im Rennen bleiben zu können. Die Lage war mitunter dramatisch. Vielleicht ließ sich der Gräfelfinger auch deshalb zu einem Seitenhieb hinreißen: „Die Bestätigung der Fahrer heißt ja nicht, dass das Team fahren wird.“

          Aber sie bedeutet, dass bei Sauber, werden die Verträge eingehalten, frisches Geld in die Kasse kommt. Marcus Ericsson kommt vom bankrotten Caterham-Team und soll eine kräftige Mitgift investieren. Zusammen mit der Banco do Brasil, die der 22 Jahre alte Nasr anschleppt, winken Einnahmen in von – geschätzt - 40 Millionen Euro.

          „Ob ich in der Formel 1 bleibe? Ich weiß es im Moment nicht“: Adrian Sutil

          Saubers Tour 2015 scheint schon gesichert. Die Fortsetzung von Sutils Formel-1-Reise nach 128 Grand Prix für Spyker, Force India, einem Jahr Zwangspause (2012) und nun Sauber ist aber stark gefährdet. Die großen Teams sind besetzt, die beiden kleinen verschwunden und die Mittelklasse-Abteilung verknüpft Fahrkunst mit Barem. Talent allein reicht nicht mehr.

          Das wird zunehmend ein Problem für die deutschen Piloten. In der Heimat ist man es seit Schumachers schnellem Aufstieg 1991 nicht gewohnt, Piloten mit hohen Summen Einstiege zu verschaffen. Zumal Vettel und nun Rosberg den deutschsprachigen Markt abdecken. Allein Nico Hülkenberg (Force India) vermag sich zu halten. Kommt Sutil nicht doch noch irgendwo unter, dann bleibt nur noch ein Trio übrig. Und der Nachwuchs? Zwei jungen Deutschen werden Chancen eingeräumt. Der Boom ist vorbei.

          Sutils Rennstall Sauber verpflichtete den Brasilianer Felipe Nasr

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