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Fifa : Angst vor alten Geistern

Die Zukunft liegt noch im Dunkeln: Die Fifa steht vor einem wegweisenden Kongress Bild: AP

Blatter und Platini spuken noch: Falls die Fifa-Funktionäre das Reformpaket nicht annehmen, ist der Fortbestand des Weltverbandes in Gefahr. Das amerikanische Fallbeil hängt über dem Kongress in Zürich.

          Gespenster gehen um in Zürich. Überall dort, wo Fußballfunktionäre zugange sind – und das ist zur Zeit an vielen Orten der Fall – herrscht ein besonderer Gruselfaktor. Chef-Geist ist natürlich Joseph Blatter. Seine Macht ist immer noch gefürchtet, obwohl er als Präsident des Fußball-Weltverbandes (Fifa) suspendiert wurde und beim Kongress an diesem Freitag sein Amt ohnehin zur Verfügung gestellt hätte. Aber es bleiben genug Bedrohungen durch Blatter: Sein Terminatoren-Schwur „I‘ll be back“. Seine Rache. Seine spirituellen Verbindungen nach oben: Er spricht mit Toten.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Bis spät in den Mittwoch hinein hatte allein die Nennung von Blatters Namen bei manchen Leuten Horrorvisionen zur Folge: Die Berufungskammer der Fifa könnte den Bann über Blatter aufheben und er könnte plötzlich beim Kongress als Vorsitzender reinkarnieren, das Podium erklimmen und die Sitzung eröffnen. Und dann versuchen, den Reformprozess zu dirigieren, der der Welt und besonders der amerikanischen Justiz suggerieren soll, dass die Ära Blatter überwunden sei. Wenn das nicht gelingt, könnte an diesem Freitag dem Welt-Fußball in Zürich der Himmel auf den Kopf fallen.

          Uefa ist weiter im Bann Platinis

          Die Berufungskammer hat das Schrecklichste nicht getan, aber ihr Urteil wirkt nicht so, als hätten die Beteiligten die Blatter-Prägung ihres Unterbewusstseins überwunden. Sie reduzierten seine Sperre für alle fußball-relevanten Tätigkeiten von acht auf sechs Jahre. Und das nicht etwa, weil der rechtsprechenden Kammer der Ethik-Kommission eine Fehleinschätzung unterlaufen wäre.

          Nicht da und trotzdem gegenwärtig: Die suspendierten Fußball-Bosse Blatter und Platini (r.)

          Der Vorsitzende Larry Mussenden von den Bermudas erkannte deren Urteilsspruch als richtig an. Er fand aber, dass Joseph Blatter aufgrund seiner Dienste an der Fifa mildernde Umstände zugebilligt werden müssten. Wohin diese Dienste die Fifa geführt haben, sieht man.

          Das gleiche – eine Reduzierung der Sperre auf sechs Jahre wegen seiner Dienste am Fußball – gilt auch für Michel Platini, der vor Jahren von Blatter ohne Beleg zwei Millionen Euro bekam. Nur ist der Geist des Franzosen damit noch nicht einmal vorerst gebannt. Die europäische Konföderation (Uefa) führt ihn immer noch uneingeschränkt als ihren Präsidenten.

          Platini hat sich zwar nach Ansicht der Fifa an Geld bereichert, das der Fußballfamilie gehörte. Aber das finden sie bei der Uefa offenbar nicht so schlimm und halten seinen Sitz weiter warm. So schafft es Platini in Abwesenheit, die Organisation, die völlig von ihm abhängig zu sein scheint, zu blockieren. In Zürich hielten die europäischen Verbände am Donnerstag einen Außerordentlichen Kongress ab – gezwungenermaßen ohne ihren gesperrten Schattenmann. Die im Anschluss geplante Pressekonferenz wurde abgesagt. Fragen unerwünscht. Es sind wohl zu viele offen.

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