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Viktoria Rebensburg : Das Supertalent und ihre zweite Liebe

„Ich möchte eine Medaille gewinnen. Damit wäre ich echt happy“: Victoria Rebensburg Bild: REUTERS

Viktoria Rebensburg lernt im Super-G dazu und wird bei der Ski-WM in Schladming unverhofft zur Medaillenhoffnung des DSV. Und vielleicht stiehlt sie Maria Höfl-Riesch die Show.

          3 Min.

          Es waren ziemlich kuriose Tage, die Viktoria Rebensburg da kurz vor den alpinen Ski-Weltmeisterschaften in Schladming erlebte. Schaut man sich ihre letzten Ergebnisse vor dem Saisonhöhepunkt an, steht da: Ausgeschieden im Riesenslalom von Maribor - Sieg im Super-G von Cortina d’Ampezzo. Viktoria Rebensburg ist Riesenslalom-Olympiasiegerin; in den vergangenen beiden Jahren hat sie jeweils den Riesenslalom-Weltcup gewonnen, in diesem Winter siegte sie im Riesenslalom von Are (Schweden).

          Bernd Steinle
          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Der Riesenslalom, das ist ihre Disziplin, dort ist sie zu Hause, dort war sie trotz ihrer erst 23 Jahre schon extrem erfolgreich. Und nun? Ist der Riesenslalom-Weltcup in dieser Saison bereits vergeben, zwei Rennen vor dem Ende, an die überragende Slowenin Tina Maze. Und gewinnt Viktoria Rebensburg den letzten Wettbewerb im Super-G vor der WM - in jener Disziplin, in der an diesem Dienstag (11 Uhr) die ersten Medaillen in Schladming vergeben werden.

          So findet sich Viktoria Rebensburg nun etwas unverhofft in der Rolle der Medaillenhoffnung in einer Disziplin wieder, mit der sie im vergangenen Winter noch ihre liebe Mühe hatte. Da war sie in sechs Super-G-Rennen dreimal ausgeschieden. „Der Super-G ist eine extrem schwere Disziplin“, sagt sie, „man hat nur eine Besichtigung, dann muss der Lauf sitzen.“ In der Abfahrt können sich die Fahrerinnen in mehreren Trainingsläufen mit der Strecke vertraut machen, können verschiedene Linien ausprobieren, sich allmählich ans Limit herantasten.

          Nicht so im Super-G - dabei sind die Geschwindigkeiten dort oft nicht viel niedriger als in der Abfahrt. Die Folge: Passt die Linienwahl nicht hundertprozentig, steht man schnell mal neben dem Kurs. Genau das ist Viktoria Rebensburg im vergangenen Winter öfters passiert. „Ich bin teilweise zu direkt gefahren“, sagt sie, „ich hab das manchmal ein bisschen anders eingeschätzt, als es tatsächlich gekommen ist.“ Erfahrung ist im Super-G ein wichtiges Gut - nicht umsonst stehen an der Spitze der Weltcup-Wertung drei routinierte Läuferinnen: Tina Maze, Lindsey Vonn, Julia Mancuso.

          Im „erweiterten Favoritenkreis“

          Doch Viktoria Rebensburg hat ihre Lektion in Sachen Risikobereitschaft gelernt. Das hat sie schon beim Weltcup-Finale des vergangenen Winters gezeigt, just in Schladming, als sie überraschend den Super-G gewann. „Es war ein perfektes Saisonende für mich“, sagt die Skirennfahrerin vom SC Kreuth, „aber nun ist es ein neues Jahr, eine andere Zeit, Februar und nicht März, und es ist ein anderer Rahmen, die WM. Es geht wieder von null los.“ So sieht sich Viktoria Rebensburg am Dienstag eher im „erweiterten Favoritenkreis“ - anders als etwa Maria Höfl-Riesch, der sie beste Chancen gibt, in die Medaillenränge zu fahren.

          Zwei für die Medaillen: Rebensburg (links) und Maria Höfl-Riesch
          Zwei für die Medaillen: Rebensburg (links) und Maria Höfl-Riesch : Bild: dpa

          Und das, obwohl die Doppel-Olympiasiegerin derzeit eine für ihre Verhältnisse durchwachsene Saison erlebt. Dem Sieg im Slalom von Levi im November folgten zumeist Plazierungen jenseits des Podests - vierte, fünfte, sechste Plätze. Zuletzt schied sie in den Slaloms von Maribor und Flachau aus. „Nach dem bisherigen Saisonverlauf trete ich bei der WM nicht gerade als Favoritin an“, sagt Maria Höfl-Riesch, „aber das ist ja nicht unbedingt schlecht.“

          Zumal sie bei Großereignissen wie der WM 2009 in Val d’Isère oder Olympia 2010 in Vancouver bewiesen hat, dass sie auch nach Rückschlägen ganz oben stehen kann. „Es gibt kaum eine Läuferin, die so schnell zurückkehrt“, sagt Alpindirektor Wolfgang Maier, „die Maria kannst du nicht ausrechnen.“ Zudem liegt Maria Höfl-Riesch trotz ihrer wenigen Podestauftritte in diesem Winter immer noch auf Rang zwei im Gesamtweltcup - eine verheerende Saisonbilanz sieht anders aus.

          Nur mit dem Slalom hapert es noch

          Genau dorthin, in die Spitze der Weltcup-Gesamtwertung, will auch Viktoria Rebensburg vorstoßen - in näherer Zukunft jedenfalls. Seit einigen Jahren arbeitet die Riesenslalom-Spezialistin daran, ihre Kernkompetenzen zu erweitern, auch in den Speed-Disziplinen zur Siegfahrerin zu reifen. Der Super-G ist da eine Art Wegweiser für den weiteren Karriereplan, ein vielversprechender Wegweiser. „Viktoria ist ein absolutes Skitalent, das auch über einen gesunden Ehrgeiz verfügt“, sagt Damen-Cheftrainer Thomas Stauffer, der ihr zudem bescheinigt, sich auch skitechnisch laufend zu verbessern.

          Wo wird gefahren? Bild: F.A.Z.

          Nur mit dem Slalom, da hapert es noch, auch wenn sie vor kurzem beim City-Event in München ihre ersten Weltcup-Punkte überhaupt in dieser Disziplin gewonnen hat. Den ganz großen Ehrgeiz im Slalom aber hat das auch nicht geweckt. „Ich habe meine Baustellen in Riesenslalom, Super-G und Abfahrt, da möchte ich erst mal so weit kommen, dass ich sagen kann: Das passt jetzt“, sagt Viktoria Rebensburg. Ein besonderer Reiz sei der Slalom für sie trotzdem, „weil ich das nie so richtig von Kind auf gelernt habe“.

          Zunächst aber gelten alle Anstrengungen dem großen Ziel in Schladming: „Ich möchte eine Medaille gewinnen. Damit wäre ich echt happy“, sagt sie. Ob nun in ihrer Lieblingsdisziplin, dem Riesenslalom, oder in ihrer zweiten Liebe, dem Super-G, das ist nicht entscheidend. Denn so erfolgreich das 23 Jahre alte Supertalent des Deutschen Skiverbands bisher schon war: Eine Medaille bei einer Weltmeisterschaft, das wäre auch für Viktoria Rebensburg ein ganz neues Erlebnis.

          Bilderstrecke
          Alpine Ski-WM : Aufbruch ins Skiland

          Der Zeitplan der Ski-WM in Schladming (5. bis 17. Februar 2013):

          Dienstag, 5. Februar:
          - Super-G der Damen (Start: 11.00 Uhr)

          Mittwoch, 6. Februar:
          - Super-G der Herren (Start: 11.00 Uhr)

          Freitag, 8. Februar:
          - Super-Kombination der Damen (Start: 10.00/14.00 Uhr)

          Samstag, 9. Februar:
          - Abfahrt der Herren (Start: 11.00 Uhr)

          Sonntag, 10. Februar:
          - Abfahrt der Damen (Start: 11.00 Uhr)

          Montag, 11. Februar:
          - Super-Kombination der Herren (Start: 12.00/18.30 Uhr)

          Dienstag, 12. Februar:
          - Teamwettbewerb (Start: 17.00 Uhr)

          Donnerstag, 14. Februar:
          - Riesenslalom der Damen (Start: 10.00/13.30 Uhr)

          Freitag, 15. Februar:
          - Riesenslalom der Herren (Start: 10.00/13.30 Uhr)

          Samstag, 16. Februar:
          - Slalom der Damen (Start: 10.00/13.30 Uhr)

          Sonntag, 17. Februar:
          - Slalom der Herren (Start: 10.00/13.30 Uhr)

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