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Tour de Ski : „Wir haben im Moment keine Siegertypen“

  • -Aktualisiert am

Schwierige Suche: Wer kann für die Erfolge im deutschen Langlauf sorgen? Bild: dpa

Es läuft nicht rund bei den deutschen Langläufern: Andreas Schlütter, Sportlicher Leiter, spricht im F.A.Z.-Interview über die Probleme seiner Disziplin und die Hoffnung auf einen Flow bei der Tour de Ski.

          5 Min.

          Starker Start der deutschen Skilangläuferinnen, tiefe Enttäuschung bei den Herren nach der ersten Etappe der 12. Tour de Ski: Sandra Ringwald holte als Sechste im Freistil-Sprint in Lenzerheide das beste Saisonergebnis für den DSV-Langlauf, als Zehnte und Zwölfte sicherten sich zudem Hanna Kolb und Victoria Carl beim Überraschungssieg der Schweizerin Laurien van der Graaff gleich zum Tour-Start halbe Olympia-Normen. Für die Herren war am Samstag dagegen bereits nach der Qualifikation Endstation. Den Sprinterfolg von Vorjahressieger Sergej Ustjugow aus Russland konnten sie ungewollt im Mannschaftsquartier am Fernseher verfolgen.

          Die Tour de Ski, die am Samstag in Lenzerheide begann, ist der erste Saisonhöhepunkt. Passt die im Olympiajahr überhaupt in den Trainingsfahrplan?

          Die Tour hat sich längst etabliert, aber im olympischen Jahr liegt sie sicher nicht optimal. Weil man die Phase über Weihnachten und Neujahr gut nutzen kann, um den Körper nach der ersten Wettkampfperiode wieder neu aufzubauen. Andererseits bietet die Tour mit der Heim-Etappe in Oberstdorf eine Riesenchance. Da kann man sich einmal dem Heimpublikum präsentieren und hat bei sieben Etappen viele Möglichkeiten, sich für Olympia zu qualifizieren.

          Sie stehen aber auch unter Zugzwang. Nur Nicole Fessel und Sandra Ringwald haben bislang die Olympianorm erfüllt. Ist die Tour für die anderen so etwas wie die letzte Chance?

          Nominierungsschluss ist am 21. Januar, also bleiben nach der Tour noch der Sprint-Weltcup in Dresden und der in Planica. Aber mit der Tour beginnt die zweite Qualifikationsphase, und da ist es für die Athleten sehr wichtig, sich für Olympia zu empfehlen.

          Lucas Bögl war vor der Tour de Ski auf Platz 48 im Weltcup bester Deutscher. Was macht Ihnen Hoffnung, das die entsprechenden Resultate noch kommen?

          Die Leistungsdichte im Langlauf ist extrem hoch. Da kriegst du tagtäglich den Spiegel vorgehalten, was deine Stärken oder Schwächen angeht. Natürlich sind unsere Kriterien sehr hoch angesetzt: zweimal top 15, einmal top acht. Aber ich bin grundsätzlich ein Vertreter harter Kriterien. Wer die Norm erfüllt, kann auch bei Olympia ein Wörtchen mitreden. Natürlich war ich nicht zufrieden mit dem Einstieg in die Saison. Trotzdem: Die Vorzeichen, die ich bei den Herren im Herbst gesehen habe, die sind besser als zuvor, deswegen bin ich gar nicht pessimistisch. Bei der Tour läuft man sich bei den vielen Rennen in eine Art Flow-Zustand rein.

          Bei den Frauen sieht es deutlich freundlicher aus.

          Bei den Frauen muss uns nicht bange sein. Da sind wir viel breiter aufgestellt und haben auch vom Alter her eine gute Mischung. Bei den Männern ist die Decke deutlich dünner. Wir hatten 2014 einen Generationswechsel, und wenn einem die besten Nachfolger wie Johannes Dotzler und Tim Tscharnke wegen Krankheit und Verletzung in der Olympiasaison wegbrechen, kann das niemand so leicht abpuffern.

          Und dann ist die beste Langläuferin, Denise Herrmann, auch noch zum Biathlon abgewandert, ein herber Verlust.

          Ich sehe das nicht so sehr als Verlust. Langlauf ist die Grundausbildung sowohl für Biathlon als auch für die Nordische Kombination. Und ich finde es richtig, wenn eine Athletin wie Denise ihre Chance wahrnimmt. Für mich zählt letzten Endes, dass jemand mit der schwarz-rot-goldenen Fahne oben steht. Natürlich habe ich als Sportlicher Leiter Langlauf kein Interesse daran, dass so etwas zur Einbahnstraße wird. Es sollte ein Geben und Nehmen sein.

          Aber haben Sie nicht das Gefühl: Wir bilden aus, die anderen profitieren?

          Die Angst habe ich nicht. Wenn so etwas herauskommt wie bei Denise Herrmann, finde ich das nur schön.

          Warum kommt Langlauf hierzulande nicht auf die Füße? Woran fehlt es: an Nachwuchs, am Schnee in Zeiten des Klimawandels, an der Attraktivität?

          Der fehlende Schnee ist gerade beim Nachwuchs ein Riesenproblem. Die finanzielle Belastung der Eltern wird immer höher, wenn sie ihre Kinder in den Schnee bringen wollen. Aber wir unternehmen auch viel. Ich habe im vergangenen Jahr die Talenttage ins Leben gerufen. Wir waren im Bayerischen Wald, im Harz und im Sauerland, und für mich war es schön zu sehen, dass man die Kinder durchaus für den Langlauf begeistern kann. Natürlich ist dieser Sport eine harte Sache, aber man nimmt sehr viel mit, auch für das Leben.

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