https://www.faz.net/-gtl-80c64

Gold im Skispringen : Severin Freunds Flug ins WM-Glück

WM-Gold in Falun: Keiner fliegt weiter und besser als Severin Freund Bild: AP

Nach 14 Jahren gewinnt wieder ein deutscher Skispringer Einzel-Gold bei einer WM. Severin Freund gelingt mit dem Titel von der großen Schanze das nächste Meisterstück. Doch das soll noch nicht alles gewesen sein.

          2 Min.

          Es war ein Fehltritt, über den er am Schluss herzhaft lachen konnte. Turbulent ging es zu, als die Elite der Skispringer in Falun von der großen Schanze den Besten ihrer Branche kürte. Der Wind wechselte, wie von Sportlern und Trainern befürchtet, im Laufe der zweistündigen Veranstaltung immer wieder die Richtung und nahm dadurch Einfluss auf den Ausgangs des Wettbewerbs. Severin Freund kam mit den gewöhnungsbedürftigen Bedingungen am besten zurecht: Ihm gelang mit dem ersten Platz sein nächstes Meisterstück.

          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

          Zwei Medaillen hatte der Bayer bis dahin bei diesen Nordischen Ski-Weltmeisterschaften schon gewonnen, im Mixed (Gold) und von der kleinen Anlage (Silber). Doch er hatte noch nicht genug, wollte mehr. Endlich, so der ambitionierte Plan des Bayern, sollte es in der Einzelwertung mit dem großen Wurf landen. Am Donnerstagabend erreichte er sein seit langem ersehntes Ziel, auf dessen Weg zur Vollendung er einige Rückschläge verkraften musste. Vorbei und vergessen.

          Den Grundstein für seinen Sieg, der einem Triumph gleichkam, legte er unter Flutlicht im ersten Durchgang, als er ein „gutes Luftpolster erwischte“, wie er sagte, auf 134 Meter kam, und in der Freude über diesen mächtigen Satz schon beim Abdrehen zu jubeln begann – und kurz aus dem Gleichgewicht geriet. Freund musste sich mit beiden Händen im Schnee abstützen, sonst wäre er mit den langen Latten an seinen Füßen vor den Zuschauertribünen auf die Nase gefallen. Doch auch diesen Lapsus meisterte er mit einem Höchstmaß an körperlichem Geschick, das er auch nach dem Absprung am Bakken gezeigt hatte und so seiner Favoritenrolle gerecht wurde.

          Im Finale verbesserte er den Schanzenrekord dann sogar auf 135,5 Meter – und beseitigte alle Zweifel. Zweiter wurde Gregor Schlierenzauer aus Österreich vor dem Norweger Rune Velta. Für den Deutschen Skiverband (DSV) war es der erste Einzel-Titel beiden Männern seit 14 Jahren, nachdem zuletzt Martin Schmitt das gleiche Kunststück 2001 in Lahti gelungen war. „Es braucht Zeit, bis es nachwirkt“, sagte Freund nach seiner Großtat, „aber ich kann jetzt schon sagen, dass es brutal Spaß gemacht hat.“

          Die Konkurrenz hat gegen die Sprünge von Severin Freund keine Chance Bilderstrecke
          Skispringen : Skispringen

          Für den Studenten, der im Bayerischen Wald aufwuchs, dort mit der Sportart begann und seit langem in München zuhause ist, lief es schon seit Wochen nach Plan: Keiner stand in diesem Jahr öfter auf dem Podest oben als der 26-Jährige vom DJK Rastbüchl, der sich seit Silvester über fünf Erfolge freuen konnte. Entsprechend ausgeprägt ist das Selbstbewusstsein, mit dem er sich seit Wochen allen Herausforderungen stellt. In Falun bestätigte er seine bemerkenswerte Form. Viele Erfahrungen mit der Lugnet-Schanze konnten die Athleten noch nicht sammeln. Sie wurde erst vor wenigen Monaten komplett renoviert.

          Freund scheint sie aber grundsätzlich zu liegen: Er gewann nach der Wiedereröffnung auch den Weltcup mit Schanzenrekord (135 Meter). „Das ist wirklich ein sehr, sehr schönes Ding“, sagte er über das Stahl-Ungetüm, das am Rand der südschwedischen Kleinstadt 52 Meter hoch in den Himmel ragt. Freund hatte sich auf seinen weiteren Coup entschlossen vorbereitet. Die Einladung eines DSV-Sponsors, der zu Beginn der Woche Team und Betreuer zu einem Rallye-Ausflug einlud, hatte Freund abgesagt und war stattdessen lieber im Hotel geblieben, um im Kraftraum noch ein paar Extra-Einheiten zu absolvieren.

          „Severin hat sich auf den Punkt genau hin getrimmt“, lobte Bundestrainer Werner Schuster, „er ist offensiv geblieben, und man kann ihm nur von Herzen gratulierten.“ Seine übrigen Kader-Mitglieder gingen am Donnerstag leer aus. Markus Eisenbichler (Siegsdorf) glückte als WM-Neuling immerhin ein achtbares Debüt, er erreichte mit 122,5 und 127,5 Metern den zehnten Platz; Richard Freitag (Aue) kam mit 124 und 120,5 Metern auf Rang 15, während Andreas Wellinger (Berchtesgaden) wegen eines Magen-Darm-Virus kurzfristig passen musste.

          Schuster konnte gemäß den Regularien keinen Ersatzmann mehr nominieren. Michael Neumayer und Marinus Kraus hatten nicht an der Qualifikation teilgenommen. An diesem Samstag steht im Team-Wettbewerb die letzte Schanzen-Entscheidung in Falun an. Schuster kündigte an, dass der DSV Freund und dessen Leistung für eine Nacht ordentlich feiern, dann aber wieder die Kräfte bündeln werde: „Wir sind mit unserer Arbeit noch nicht zu Ende.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Markus Söder und sein Vize Hubert Aiwanger nach einer Kabinettssitzung im Münchner Hofgarten.

          Streit um Impfungen : Aiwanger wirft Söder Falschbehauptung vor

          Nach der letzten Kabinettssitzung vor der Sommerpause hatten sie noch versucht, Einigkeit zu demonstrieren. Doch der Streit zwischen dem bayrischen Ministerpräsidenten und seinem Vize ist nicht vorbei – im Gegenteil.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.