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Skispringer Severin Freund : Luft für Neues

  • -Aktualisiert am

Severin Freund will auch in dieser Saison zu vielen Titeln fliegen. Bild: dpa

Emotionale Ausbrüche waren Severin Freund lange Zeit fremd. Doch die Erfolge der vergangenen Saison haben das geändert. Nun setzt der Skispringer zum nächsten Höhenflug an – falls denn das Wetter mitspielt.

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          So langsam geht ihm der Platz aus. Seine Medaillen bewahrt Severin Freund nämlich auf einer kleinen Holzskulptur auf, die ihm sein Onkel als Geschenk gefertigt hat. Sie ist einer Skisprungschanze nachempfunden und steht im Wohnzimmer seiner Münchner Wohnung. Aber er könnte wohl bald eine zweite gebrauchen. „Denn mittlerweile ist es schon a bissl was auf der Skulptur“, sagt der Bayer.

          Besonders nach der vergangenen Saison: Freund wurde bei den Nordischen Ski-Weltmeisterschaften im Februar in Falun Weltmeister im Einzelspringen von der Großschanze sowie mit dem Mixed-Team. Und zu diesen zwei Goldmedaillen kam noch eine silberne für Platz zwei auf der Normalschanze hinzu. Doch die Trophäe, deren Gewinn ihm im vergangenen Winter am meisten bedeutet hat, steht im Wohnzimmer genau auf der gegenüberliegenden Seite der Holzskulptur: Es ist die Glaskugel für den Sieger des Gesamtweltcups. Im finalen Wettkampf sicherte sich der 27-Jährige vom WSV DJK Rastbüchl noch hauchdünn den Titel, den er immer als größtes Ziel seiner Karriere bezeichnet hatte.

          „Ich habe etwas mehr Zeit gebraucht“

          Freund, sonst nicht dafür bekannt, dass er seine Emotionen groß zur Schau stellt, jubelte an diesem Tag vor acht Monaten in Planica (Slowenien) so ausgelassen wie nie zuvor. Wenig überraschend also, dass das Erlebte ihn danach noch sehr beschäftigte: „Ich habe etwas mehr Zeit gebraucht, um alles sacken zu lassen“, sagt er. „Es hat noch sehr in mir gearbeitet.“ Aber nach etwas Abstand und einem fast dreiwöchigen Urlaub in Thailand und Myanmar wuchs in ihm die Gewissheit: „Diese unglaublich schönen Erfolge geben mir die Luft für Neues. Jetzt ist meine Motivation umso größer.“

          An diesem Samstag soll eigentlich die neue Saison beginnen – zunächst mit dem Teamspringen (16.15 Uhr/ Live in der ARD und bei Eurosport), am Sonntag soll dann der erste Einzelwettkampf (14 Uhr/ Live in der ARD und bei Eurosport) folgen. Die Austragung des Wettbewerbs ist wegen andauernder Regenfälle allerdings in Gefahr: Aufgrund der schlechten Wetterlage wurden für den Freitag schon das offizielle Training und die Qualifikation abgesagt. Der Zeitplan für die Wettbewerbe am Wochenende blieben bis jetzt aber unverändert.

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          Freund hat sich wieder große Ziele gesetzt, denn er ist überzeugt: „Die zurückliegende Saison ist nur ein Schritt in meiner Karriere. Ich denke, dass es nicht die letzte erfolgreiche war.“ Freund sagt das nicht überheblich, sondern ganz ruhig und analytisch. So, wie er eben ist. Er kann sich und seine Fähigkeiten einfach sehr gut einschätzen. Darum wirkt es auch nicht großspurig, wenn er über seine Absichten in diesem Winter spricht. Bei der Vierschanzentournee wolle er um den Sieg mitspringen. „Da habe ich auch für mich noch einiges gutzumachen“, sagt Freund. Auf eine weitere Goldmedaille setzt er auch bei der Skiflug-WM Mitte Januar am Kulm. „Da bin ich schließlich Titelverteidiger.“ Dass Freund bei seinen Vorhaben unter noch größerer Beobachtung stehen wird als bisher, zeichnet sich ebenfalls ab.

          Mit seinen Erfolgen ist er in die erste Reihe der deutschen Wintersportler aufgerückt, fast schon auf eine Stufe mit Skifahrer Felix Neureuther. So wurde Freund vom Deutschen Ski-Verband (DSV) zum „Skisportler des Jahres 2015“ gekürt. Eben vor Neureuther, dem Kombinierer Eric Frenzel oder den sonst so populären Biathleten. Diese Entwicklung freut besonders den Bundestrainer Werner Schuster. „Severin ist in seiner Karriere immer gewachsen“, schwärmt der Österreicher. „Es ist ein Riesengeschenk, so einen Athleten zu haben. Er arbeitet extrem akribisch, zieht durch und ist so immer kompletter geworden.“

          Vor sechs Jahren befand sich Freund laut Schuster von seiner Leistungsstärke her noch im hinteren Drittel des deutschen Teams. „Er war unser Testpilot für neue Bindungen“, sagt der 46-Jährige. Doch von der Saison 2010/11 an war es Freund, der mit dem neuen Material und dem neuen Athletiktraining am besten zurechtkam. „Er hatte einige Aha-Erlebnisse“, sagt Schuster. „Und dann folgten die Leistungssprünge.“ So wurde der geduldige und stets genau abwägende Freund zum Siegspringer, dann 2014 zum Team-Olympiasieger und nun zum Besten im Gesamtweltcup. Nur bei der Tournee konnte er noch nie wirklich überzeugen. Das soll dieses Mal anders werden. „Ich habe einiges dafür getan, um früh in der Saison in Topform zu sein - das war bisher ja nicht unbedingt mein Steckenpferd“, sagt Freund.

          Besonders beim Athletiktraining setzte er in der Vorbereitung neue Reize, das zahlte sich schon während des Sommer-Grand-Prix aus, bei dem er zwei Springen gewann. Außerdem haben Freund und seine Teamkollegen im Sommer sogar den Tournee-Ablauf mit vier Springen innerhalb einer Woche durchgespielt. Er will es jetzt also wirklich wissen. Vor allem möchte Freund aber so bald wie möglich wieder in die, wie er sagt, „wahnsinnig luxuriöse Situation“ des vergangenen Winters kommen. „Da hatte ich das Gefühl: Du kannst nichts falsch machen“, betont er. Wenn er das schafft, kann es auch mit der Tournee und weiteren Medaillen klappen - und einer neuen Holzskulptur.

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