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Alpine Ski-WM in Cortina : Angriff der deutschen Abfahrer

  • -Aktualisiert am

Romed Baumann: „Meine Routine ist, dass ich mir da keinen Kopf mache“. Bild: dpa

Völlig ungewohnt: das deutsche Team will bei der alpinen Ski-WM in den schnellen Disziplin vorne dabei sein. Doch die Favoriten aus Italien profitieren von einem großen Vorteil.

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          Früh dran zu sein ist selten ein Nachteil. Die deutschen Skirennläufer hatten es am vergangenen Samstag eilig, nach Cortina d’Ampezzo zu kommen – und das war gut so. Anders als zum Beispiel ein paar Österreicher reisten sie direkt nach dem Super-G in Garmisch-Partenkirchen in die Dolomiten. Sie hatten eine unkomplizierte Anreise, rund drei Stunden dauerte die Fahrt.

          Wer sich hingegen einen Tag später aufmachte, steckte zuerst im Schnee fest und musste anschließend einen Umweg von gut 60 Kilometern fahren. Denn eine der wichtigsten Straßen nach Cortina war am Sonntag nach heftigen Niederschlägen aus Sicherheitsgründen gesperrt. Einen Tag vor Beginn der alpinen Ski-WM bot Cortina ein tristes Bild mit Dauerregen und überfluteten Straßen. Die Titelkämpfe sind spezielle, nicht nur wegen der Corona-Pandemie. Die Kombination der Frauen, mit der die Wettkämpfe beginnen sollten, fiel am Montag gleich mal dem Wetter zum Opfer. Der Regen war in Schnee übergegangen, doch der Neuschnee war zu viel für die Piste.

          Wenn deutsche Skirennläufer in den vergangenen Jahren, ja Jahrzehnten, zu einem Großereignis fuhren, standen lange entweder nur die Frauen im Mittelpunkt oder die Slalomfahrer. Nun sind mit Viktoria Rebensburg die letzte Siegfahrerin der goldenen Generation und mit Felix Neureuther ein mehrfacher Medaillengewinner nicht mehr dabei – und die Abfahrer plötzlich im Fokus, neben Linus Straßer im Slalom, der aber erst in der zweiten Woche an der Reihe ist.

          Ungewohnte Mannschaftsstärke

          Sie treten zumindest in einer ungewohnten Mannschaftsstärke auf. „Wir sind darauf getrimmt, dass wir vorne mitfahren“, sagt Alpindirektor Wolfgang Maier. Fünf deutsche Schnellfahrer stehen im WM-Aufgebot, mehr als es Startplätze gibt pro Disziplin. Maier findet, dass der Konkurrenzkampf im eigenen Team leistungsfördernd ist. „Nur die hungrigen Wölfe jagen auch wirklich gut“, sagt er. Neben Romed Baumann, Andreas Sander und Dominik Schwaiger, die die Qualifikationsnorm erfüllt haben, und Rückkehrer Thomas Dreßen darf noch der junge Simon Jocher, der mit Platz 18 beim Super-G in Garmisch wieder überzeugt hat, mitfahren, reinschnuppern in die WM. Er wird wohl im Super-G, der wegen heftiger Schneefälle von Dienstag auf Donnerstag (11.30 Uhr) verschoben wurde, zum Einsatz kommen. Dreßen soll nur in der für Sonntag geplanten Abfahrt starten.

          Mit Ansage auf das Podium? Thomas Dreßen ist trotz seiner zweimonatigen Verletzungspause ein Kandidat für die vorderen Ränge.
          Mit Ansage auf das Podium? Thomas Dreßen ist trotz seiner zweimonatigen Verletzungspause ein Kandidat für die vorderen Ränge. : Bild: dpa

          Deutsche Abfahrer hatten seit der WM 2001, als Florian Eckert überraschend Bronze gewann, mit der Medaillenvergabe nichts oder nicht viel zu tun. Es kann gut sein, dass es auch dieses Mal so kommt. Der Beste, Dreßen, hat gerade eine gut zweimonatige Verletzungspause hinter sich. Für Maier muss das aber nicht bedeuten, dass der dreimalige Abfahrtssieger der vergangenen Saison chancenlos ist.

          Dreßens Potential

          „Er ist extrem cool aufgestellt und weiß genau, was er tut“, sagt der Alpinchef. Dreßen habe immer das Potential, „mit Ansage auf das Podium zu fahren“. Und die anderen haben in den bisherigen Saisonrennen solide, gute Ergebnisse gezeigt, aber eben keine, die sie aufs Podium gebracht hätten. Beim Super-G am vergangenen Samstag wurde Baumann Zehnter. Der 13. Platz von Sander war sein zweitschlechtestes Saisonergebnis in dieser Disziplin. „Favoriten“, sagt Baumann, „sind andere.“

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          Die Athleten aus Italien zum Beispiel. Sie sind die einzigen WM-Starter, die die extra für die Titelkämpfe gebaute Piste schon befahren haben. Und das wiederum sorgt beim Konkurrenten aus Österreich für leichte Verunsicherung. „Das ist schon ein Nachteil“, sagte Matthias Mayer. Der Olympiasieger belegte beim letzten Rennen vor der WM, dem Super-G von Garmisch-Partenkirchen, den zweiten Platz hinter seinem Teamkollegen Vincent Kriechmayer.

          Die deutschen Abfahrer machen sich darüber nicht so viele Gedanken vor der Premiere auf der „Vertigine“-Piste beim Super-G. „Meine Routine ist, dass ich mir da keinen Kopf mache“, sagt Baumann. „Wenn ich die ganze Zeit sinniere, weil ich die Piste nicht kenne, brauche ich gar nicht runterzufahren.“ Er konzentriert sich darauf, „das Maximum“ abzuliefern. „Bei der WM fährt jeder mit dem Messer zwischen den Zähnen.“

          Und Sander weist darauf hin, auf neuen Strecken „immer gut“ gefahren zu sein. Für den jungen Jocher ist in seiner ersten kompletten Weltcup-Saison jede Abfahrt Neuland. Die Piste in Cortina kenne aber kaum ein Abfahrer, deshalb sei „der Nachteil nicht ganz so groß“ für ihn, sagt er. Klingt nicht nur nach einem Schnupperkurs für WM-Anfänger.

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