https://www.faz.net/-gtl-94ud6

Ski alpin : Ferstl gewinnt Super-G

  • -Aktualisiert am

Josef Ferstl beendet mit seinem Sieg eine lange Durststrecke. Bild: Reuters

Josef Ferstl beendet eine lange Wartezeit. Knapp 27 Jahre nach dem letzten Sieg eines deutschen Fahrers im Super G gewinnt er völlig überraschend in Gröden.

          3 Min.

          Das Gefühl, einem Sieg ganz nahe zu sein, ist auf der Saslong-Piste von Gröden sehr trügerisch. Oft genug brachten Skirennläufer mit höheren Startnummern das Klassement ganz am Ende noch gehörig durcheinander. Josef Ferstl hat am Freitag nach seiner Führung deshalb auch nicht mit dem Gedanken auf dem Stuhl in der sogenannten Leaderbox Platz genommen, dort bis zum Schluss nur für ein paar Interviews aufstehen zu müssen.

          Es kam aber niemand, der den Deutschen noch verdrängte, und dieser Super-G in den italienischen Dolomiten endete so nicht nur mit einem weiteren Glanzpunkt der deutschen Alpinen in diesem Winter und dem ersten Erfolg der Speedmannschaft seit dem Abfahrtstriumph von Max Rauffer 2004 auf derselben Strecke. Der Erfolg des 28 Jahre alten Ferstl beendete auch eine lange Wartezeit – der letzte Sieg eines deutschen Fahrer in dieser Disziplin liegt lange zurück, sehr lange: Markus Wasmeier hatte im März 1991 in Lake Louise gewonnen. „Weltcupsieg“, sagte Ferstl, „da weiß man ja gar nicht, wie man das schreibt. Ich war heute der Beste der ganzen Welt. Das ist unglaublich.“

          Ferstl war als Zweiter gestartet und damit natürlich vor allen Favoriten. Dass er die Führung übernahm, war keine große Überraschung, aber das ihm eine besondere Fahrt gelungen war, zeichnete sich bei der ersten Unterbrechung schon ab. Er lag immer noch vorne, und ein paar Österreicher waren schon im Ziel, der Norweger Aksel Lund Svindal, der immerhin schon vier Super-G-Rennen auf der Saslong gewonnen hatte, und der Kanadier Eric Guay auch.

          Die frühe Startnummer war am Freitag zudem kein Nachteil, denn es begann leicht zu schneien, die Fahrer wurden auf der Piste deshalb etwas gebremst. Die ebenfalls zu den Favoriten zählenden Norweger Kjetil Jansrud und Aleksander Aamodt Kilde konnten im oberen Streckenteil zwar dennoch mithalten, aber dann patzten beide in der Ciaslat-Wiese, einer der Schlüsselstellen.

          Bei diesen Bedingungen war ein gutes Skigefühl wichtiger als das Limit auszuloten. „Er hat in der Ciaslat ein bisschen Speed herausgenommen. Anscheinend war das genau das Richtige“, sagte Wolfgang Maier, der Alpindirektor des Deutschen Skiverbandes. „Die Cracks haben da ausgelassen, die sind ein bisschen ohne Hirn hingefahren.“ Am Ende standen neben Ferstl in Max Franz (zwei Hundertstelsekunden zurück) und Matthias Mayer (0,10 Sekunden Rückstand) die beiden Österreicher auf dem Podest, die ebenfalls eine frühe Startnummer zugelost bekommen hatten.

          „Ich habe schon auch Glück gehabt“, sagte Ferstl, „aber man muss das auch gut fahren, und das habe ich geschafft.“ Dabei war er etwas gehandicapt ins Rennen gegangen. In Lake Louise hatte er sich beim Ausziehen des Skischuhs am Knie verletzt, das Narbengewebe des vor zwei Jahren operierten Kreuzbands ist eingerissen. Es sei schon besser geworden, aber auch am Freitag habe er nur Schmerzmittel starten können.

          Ferstl setzt mit dem unerwarteten Sieg die ohnehin überraschende Erfolgsgeschichte der lange – „auch im eigenen Haus“, wie Maier anmerkte – belächelten deutschen Abfahrtsmannschaft fort. „Vor vier Jahren standen wir noch mit dem Rücken zur Wand“, gibt Ferstl zu. Dann kehrte Mathias Berthold als Cheftrainer zum DSV zurück, mit dem ambitionierten Ziel, ein paar Abfahrer mit Medaillenchancen zu den Olympischen Winterspielen 2018 zu schicken.

          „Ein historisches Ergebnis“

          Dennoch, findet Maier, sei „die ganze Entwicklung schneller gegangen, als wir das gedacht haben“. Dieser Sieg aber sei „ein besonderes, ein historisches Ergebnis“. Vor zwei Wochen war Thomas Dreßen aus Mittenwald mit dem dritten Rang in Beaver Creek der erste Podestplatz seit 2005 gelungen, dazu kam die schon Anfang Dezember erfüllte Qualifikationsnorm von Ferstl, Dreßen und Andreas Sander, der mit dem sechste Platz am Freitag das glänzende deutsche Ergebnis komplettierte. „Irgendwann platzt der Knoten, dann läuft das auch“, sagt der frischgekürte Gröden-Sieger Ferstl.

          Mit 28 Jahren ist er zwar der Älteste der kleinen deutschen Abfahrtsmannschaft, aber dennoch schienen ihm Sander und vor allem Dreßen seit seinem Kreuzbandriss im Dezember 2015 ein wenig enteilt zu sein. Womöglich war lange Zeit die Familienbürde zu schwer für Ferstl. Sein Vater Sepp hat als bisher einziger Deutscher die Abfahrt von Kitzbühel gewonnen, 1978 und 1979, und ist natürlich deshalb ein Vorbild. Das beste Ergebnis des Sohnes war zuvor der fünfte Platz in Santa Caterina im vergangenen Dezember gewesen, danach und davor fehlte beim Oberbayern jedoch die Konstanz.

          Top-Ten-Ergebnisse wechselten sich mit Plazierungen jenseits der Ränge ab Position 20 ab. Bei Sander und Dreßen waren die Ausreißer nach unten seltener, vielleicht auch, weil die beiden etwas strukturierter sind als Ferstl. Er plane seinen Renntag nicht wie die Kollegen, sondern „es ist ein Bauchgefühl“. Da passiere es eben mal, „dass ich am Start zu spät komme“. Am Freitag war Ferstl pünktlich. Und auf dem schnellsten Wege wieder unten.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Ist die Welt noch zu retten? Eine Frau bei einer Demo in Lissabon.

          Raus aus der Klimakrise : „Moralappelle bringen nichts“

          Der Kölner Spieltheoretiker und Verhaltensökonom Axel Ockenfels erklärt im Interview, wo der Knackpunkt im Klimakonflikt liegt – und auf welcher Grundlage das Problem von der Weltgemeinschaft gelöst werden könnte.

          Muhammad Bin Salmans Pläne : Der Ölprinz mit der Billion

          Er ist jung und braucht das Geld: Der saudische Kronprinz Muhammad Bin Salman bringt den weltgrößten Ölkonzern Saudi Aramco an die Börse. Damit will er nicht nur das Land reformieren, sondern auch die eigene Macht sichern.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.