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München und Mannheim : Der DEL-Konkurrenz weit enteilt

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Ein Bild, das es im Finale der DEL-Playoffs wieder geben könnte: Münchens Patrick Hager (Mitte) scheitert an Mannheims Torwart Dennis Endras. Bild: dpa

Vor den Auftaktspielen des Playoff-Viertelfinals in der DEL gibt es zwei klare Favoriten. Die Mannheim Adler und Red Bull München scheinen für die Konkurrenz unschlagbar.

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          Den ersten Titel der Saison hat Don Jackson am vergangenen Samstag gewonnen. Da wurde der 62-Jährige bei der Gala der Deutschen Eishockey Liga (DEL) in Bremerhaven als „Trainer des Jahres“ ausgezeichnet. Dreimal in Folge gewann Jackson mit dem EHC Red Bull München zuletzt die deutsche Meisterschaft. Insgesamt kann der Kanadier auf acht Titel zurückblicken: fünf mit Berlin, drei mit München. Deswegen ist die Auszeichnung vom Samstag auch ein bisschen eine für sein Lebenswerk. Kein Trainer war erfolgreicher in der 25-jährigen DEL-Geschichte. Dass Jackson in ein paar Wochen zum neunten Mal jubeln darf, ist nicht unwahrscheinlich.

          Und dennoch gilt der Kampf um die Eishockey-Meisterschaft als der spannendste seit Jahren. Der zuletzt alles überragende EHC – drei Hauptrundentitel, nur neun verlorene Spiele in neun Play-off-Serien – hat einen mindestens ebenbürtigen Gegner erhalten: die Adler Mannheim. Vor dem an diesem Dienstag beginnenden Viertelfinale (teilweise live bei Sport 1 und Magenta Sport) halten nicht wenige Beobachter die Mannheimer sogar für den Favoriten. Schließlich gewannen sie die Hauptrunde mit einem neuen Rekord von 116 Punkten. Sie hatten den besten Sturm, die beste Abwehr, die beste Überzahl, den meisten Puckbesitz und die beste Schussquote.

          Kampf der Monokultur

          Das sorgt für gute Laune im Ligabüro im rheinischen Neuss. Kaum etwas ist ja so schädlich fürs Geschäft wie vorhersehbare Saisons mit einem unschlagbaren Dauermeister. Und war es nicht DEL-Chef Gernot Tripcke, der 2016 stolz darauf verwies, dass er zuletzt vier verschiedene Meister hatte küren dürfen? Die Freude währte nicht lange, nach wenigen Jahren der Abwechselung herrschte auch im Eishockey wieder Monokultur. Noch dazu eine durch den mancherorts unbeliebten Retortenverein Red Bull München. Nun hoffen viele, dass sich das wieder ändert. Dank der Mannheimer.

          Der neue Zweikampf zeichnete sich bereits in der Vorsaison ab, als die Adler gehörig in die Krise geraten waren und ein erboster Geschäftsführer Daniel Hopp umfassende Veränderungen ankündigte. Bereits im Sommer drauf konnte der Sohn von SAP-Gründer und Fußballmäzen Dietmar Hopp Vollzug melden, der „größte Umbruch der Klubgeschichte“ sei das gewesen. Neuer Manager, neues Trainergespann, neue Spieler. Zwar hatten die Adler auch in den Vorjahren stets viel Geld ausgegeben, diesmal hätte Hopp aber noch mal etwas draufgepackt, heißt es, außerdem hätten die Adler endlich sinnvoll investiert. Eine ähnliche Entwicklung haben die Münchner hinter sich. Auch die brauchten einige Jahre, um die vielen Red-Bull-Millionen vernünftig einzusetzen.

          Manche in der Branche rümpfen schon länger die Nase. Der EHC spiele wirtschaftlich in einer völlig anderen Liga, mit den Adlern sei nun ein zweites Team da, das die Preise kaputtmache, sagte ein DEL-Manager im Sommer. Thomas Sabo, Schmuckhändler und Mäzen der Nürnberg Ice Tigers, sagte im Dezember dem Magazin „Eishockey News“: „Münchner und Mannheimer laufen etatmäßig einfach weg, da ist nicht mehr mitzuhalten, und das will man auch gar nicht mehr.“ Die beiden Topteams investieren angeblich jeweils um die 15 Millionen Euro. Andere müssen mit nicht mal der Hälfte auskommen.

          Vorteil durch Tiefe im Kader

          Der Spielplan will es, dass Sabos Nürnberger im Viertelfinale auf Hopps Mannheimer treffen. Die beiden Teams sind sich schon häufiger begegnet, zudem sind die Franken eins der erfolgreichsten Teams der vergangenen Jahre, mehrmals standen sie im Halbfinale, diese Saison spielten sie Champions League.

          Die Münchner haben es mit den Eisbären Berlin zu tun. Wirkliche Spannung erwartet kaum jemand. Zu weit enteilt wirken der EHC Red Bull München und die Adler aus Mannheim. Sportlich und vor allem wirtschaftlich. Immer wieder werden Forderungen nach einer Gehaltsobergrenze laut. Doch die ist mit dem EU-Wettbewerbsrecht schwer zu vereinbaren. Harold Kreis, der Düsseldorfer Trainer, kann einem wirtschaftlichen Regulativ ohnehin nichts abgewinnen: „Der ausgleichende Punkt in unserer Liga sind die Play-offs. Jeder muss einfach zum richtigen Zeitpunkt fit und da sein. Das ist nicht alleine durch das Budget gewährleistet.“

          Es könnte ein frommer Wunsch bleiben. Denn natürlich sind die Münchner und Mannheimer nicht nur in der Spitze besser besetzt, sondern vor allem in der Tiefe. Im letzten Hauptrundenspiel stellten die Adler Marcel Goc in ihre vierte Reihe. Goc gewann vor knapp einem Jahr Olympia-Silber, als Kapitän des deutschen Nationalteams.

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