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Ski-WM in Seefeld : „Sie haben zwei richtige Bomben gezeigt“

Kombinierer Rießle (l.) und Frenzel: Große Freude über den Start-Ziel-Sieg Bild: Reuters

Wieder Gold für die fleißigen Medaillensammler aus der Erfolgsabteilung Nordische Kombination: Bei der Ski-WM holt Eric Frenzel diesmal mit Fabian Rießle Gold – und kann den Triumph voll auskosten.

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          Und wieder hat Eric Frenzel auf dem Tiroler Hochplateau beherzt zugegriffen. Diesmal im Verbund mit seinem Kollegen Fabian Rießle, als es am Sonntag galt, im Teamsprint Weltmeister zu werden. Ein Auftrag, den der Sachse und der Schwarzwälder mit Bravour erfüllten. Für Hermann Weinbuch lag einer der Schlüssel für den zweiten WM-Titel der Nordischen Kombinierer in Seefeld in Frenzels Einzeltriumph vom Freitag. „Wir haben den Drive vom Gold mitgenommen“. sagte der Bundestrainer. Abgesichert wurde der Griff zu Edelmetall beim finalen Langlauf in Seefeld, wo Frenzel und Rießle jeweils 5 x 1,5 Kilometer absolvieren mussten. Den Grundstock aber legten die beiden am Bergisel. „Eric und Fabian haben beim Springen zwei richtigen Bomben gezeigt“, lobte Weinbuch die vorzügliche Flugvorstellung seiner beiden Athleten, „die über sich hinausgewachsen sind“.

          Weil sich die Anforderungen bei verkürzten Anläufen nochmals verändert haben, hatte Weinbuch erkannt, „dass wir noch mehr Augenmerk auf die Feinheiten des Springens legen müssen, gleichzeitig das Laufen aber nicht vernachlässigen können. Die Kombination ist wieder sprunglastiger geworden, nur mit Laufen gewinnt man nicht mehr.“ Gesagt, getan. Frenzel bestätigte seine Leistung aus dem Einzelwettkampf und flog 130 Meter weit; Rießle holte auf der Bergisel-Schanze mit 128 Metern gleichfalls das Maximum heraus. Nach dem Transfer von Innsbruck nach Seefeld griffen Frenzel und Rießle zu den Langlauflatten – mit den besten Grüßen von Johannes Rydzek. Der vierfache WM-Champion der vergangenen Weltmeisterschaften in Lahti war nicht für einen Start vorgesehen. Trotzdem zeigte er Größe, denn er schickte eine entsprechende SMS. „Das hat den beiden Lockerheit und Freiheit gegeben“, vermutete Weinbuch.

          Als es galt, den durch das Springen herausgearbeiteten Vorsprung von acht Sekunden vor den Japanern sowie 22 und 27 Sekunden vor dem österreichischen und norwegischen Duo zu verteidigen, hielten Frenzel und Rießle abwechselnd Kurs. „Die ersten drei Runden waren einfach, die vierte und fünfte dagegen brutal“, sagte der 28 Jahre alte Breitnauer Rießle. Der zwei Jahre ältere Frenzel ergänzte: „Es war nicht so einfach, die ganze Zeit alleine zu laufen.“ Doch es reichte. Am Ende verteidigten die Deutschen ihren Vorsprung vor den Norwegern Jan Schmid und Jarl Magnus Riiber (8,2 Sekunden Rückstand) und dem österreichischen Duo Franz-Josef Rehrl/Bernhard Gruber (9,2 Sekunden). Für Familienvater Frenzel, der den Teamsprint vor zwei Jahren in Finnland noch mit Rydzek gewonnen hatte, war es das siebte WM-Gold und die 14. Medaille bei einer Weltmeisterschaft. Der Sachse, der in Flossenbürg/Oberpfalz lebt, ist damit endgültig der erfolgreichste Kombinierer der WM-Geschichte – und in Seefeld stehen ja noch weitere Entscheidungen an.

          Rießle, zum dritten Mal Weltmeister, war froh, dass er die letzten Meter auf der Zielgeraden in der prallgefüllten Seefelder Arena genießen konnte. „Ich habe jubeln können, das war doch ziemlich cool.“ Bundestrainer Weinbuch, der es in seiner 26-jährigen Karriere als verantwortlicher Coach nun auf seine 20. Goldmedaille gebracht hat, sah einen Schlüssel für den Erfolg seines Duos darin, dass man auch trotz mancher Rückschläge „stark und bei sich bleiben muss. Bei uns im Team stimmt einfach die Chemie“. Wichtig auch: „Wir haben Selbstvertrauen und glauben an uns und kommen so immer wieder aus Löchern.“ Frenzel ist als Solist am Freitag mit seinem Coup als Erster aus seinem ganz persönlichen (Leistungs)Loch herausgekommen. Am Sonntag hatte Frenzel dann Zeit genug, um mit ausgebreiteten Armen hinter der Ziellinie auf Rießle zu warten, ihn in seine Arme zu schließen. Wieder Gold für die fleißigen Medaillensammler aus der Erfolgsabteilung Nordische Kombination. „Unbeschreiblich, wenn man so etwas gemeinsam rocken kann“, sagte Frenzel später.

          Kläbos zweiter Streich

          Dass sich schon frühmorgens Tausende durch die Seefelder Fußgängerzone auf den Weg Richtung WM-Stadion machen, hat gute Gründe. Die meisten von ihnen kommen aus Norwegen und wollen ihre schnellsten Männer und Frauen siegen sehen. In der Sprint-Entscheidung wurden sie nicht enttäuscht. Auf Johannes Kläbo ist eben Verlass. Der 22-Jährige sicherte sich mit einem fulminanten Antritt am letzten Anstieg seine zweiten WM-Titel in Seefeld, diesmal im Zusammenspiel mit Emil Iversen. Nach dem Wechselspielchen über 6 x 1,6 Kilometer hatte Kläbo am Ende genügend Zeit, zum Zeichen des Triumphs die Arme in die Höhe zu reißen. Silber ging an die Russen Gleb Retiwych und Alexander Bolschunow, die Italiener Federico Pellegrino und Francesco de Fabiani wurden Dritte.

          Bei den Frauen ging die Team-Sprintentscheidung gleichfalls nach Skandinavien – aber nicht für das mit Ingvild Flugstad Ösberg und Maiken Caspersen Falla antretende norwegische Duo, sondern an die beiden Schwedinnen Stina Nilsson und Maja Dahlqvist, die sich in der klassischen Technik über 6 x 1,2 Kilometer vor Slowenien und eben Norwegen durchsetzten. Bundestrainer Peter Schlickenrieder, der mit den deutschen Frauen einen Platz unter den besten Sechs angepeilt hatte, zeigte sich nach der Punktlandung von Sandra Ringwald und Victoria Carl zufrieden. „Die Mädels sind stark gelaufen. Sie haben alles umgesetzt, was wir besprochen haben.“ Für das Männer-Duo Sebastian Eisenlauer und Janosch Brugger kam das Aus schon im Halbfinale. Brugger erlitt dabei in seiner letzten Runde einen Einbruch.

          Alles andere als einen Einbruch, sondern eine Demonstration bekamen die Zuschauer am Samstag beim Skiathlon zu sehen. Dort lieferte Therese Johaug im ersten WM-Rennen nach ihrer 18-monatigen Doping-Sperre eine wundersame Show. Die 30 Jahre alte Norwegerin lief über jeweils 7,5 Kilometer im klassischen und freien Stil in einer anderen Liga und mit 57,6 Sekunden Vorsprung vor ihrer Landsfrau Östberg zu Gold. Ihr Vorsprung war der größte in einem WM-Rennen seit 1997. Damals siegte die Russin Larissa Lasutina über 30 Kilometer mit 1:34 Minuten Vorsprung vor ihrer Landsfrau Olga Danilowa. Beide wurden 2002 wegen Dopings für zwei Jahre aus dem Verkehr gezogen. (raw.)

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