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WM in Falun : Kollektiver Absturz für deutsche Skispringer

Kein optimaler Sprung: Severin Freund muss in den Schnee greifen Bild: dpa

Die Krönung bleibt versagt: Beim Teamwettbewerb landen die deutschen Skispringer nur auf Platz fünf. Trotz des verpatzten finalen Auftritts bei der nordischen Ski-WM sind sie zufrieden.

          2 Min.

          Für die deutschen Skispringer ist Falun eine Reise wert gewesen. An die Titelkämpfe in der schwedischen Kleinstadt, die an diesem Sonntag zu Ende gehen, werden die Beteiligten sicher noch länger und gerne zurückdenken. Auch wenn ihnen ein anderes Ende besser gefallen hätte, bei dem sie im Teamspringen am Podest vorbei flogen: Sie wurden bloß Fünfter.

          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

          Bei der nordischen Ski-Weltmeisterschaft wurden aus Sicht von Bundestrainer Werner Schuster dennoch viele Wünsche wahr. Der Österreicher hatte zu Beginn tief gestapelt und war nach dem finalen Auftritt in Anbetracht der vorherigen Höhenflüge der von ihm erfolgreich betreuten Athleten mit dem Abschneiden zufrieden. Er verspüre eine „tiefe innere Befriedigung“, sagte Schuster. Zwei Medaillen, so lautete die bescheidene Vorgabe, sollte der Deutsche Skiverband (DSV) bitte mit nach Hause bringen. Schon vor dem Abschluss-Wochenende stand als Belohnung für drei erste Plätze und einen zweiten die doppelte Anzahl zu Buche.

          Am Samstag, beim Mannschaftswettbewerb, kam dann aber kein weiteres Mal Edelmetall hinzu. Das DSV-Quartett spielte bei der Entscheidung keine Rolle: Norwegen setzte sich vor Österreich und Polen durch. Gemeinsam waren sie an diesem windigen Abend nicht gut genug, um aus ihrer Sicht für die Krönung der Veranstaltung zu sorgen. „Es war nicht so wahnsinnig grandios“, sagte Severin Freund nach seinem ersten Sprung, der ihn auf 123,5 Meter brachte. Im zweiten kam er zwar so weit wie kein anderer, 143 Meter, doch er musste bei der Landung in den Schnee greifen, was Wertungspunkte kostete.

          Am Ende landet das deutsche Team auf dem fünften Platz
          Am Ende landet das deutsche Team auf dem fünften Platz : Bild: Reuters

          Schuster hatte die Mannschaft im Vergleich zum Triumph bei den Olympischen Winterspielen vor zwölf Monaten umgebaut. Anders als zu Beginn seiner Amtszeit vor sieben Jahren muss der Österreicher inzwischen nicht mehr den personellen Mangel verwalten, sondern kann aus dem Vollen schöpfen und aus einer Vielzahl ambitionierter Sportler wählen, die allesamt bei Weltcups ihre Qualitäten bewiesen haben.

          Nur Freund bleibt vom Gold-Team aus Sotschi

          Freund war am Samstag der einzige Springer, der aus dem Sieger-Kreis von Sotschi übrig geblieben war. Neben dem 26 Jahre alten Bayern, der sich bei seinen vorangegangenen Einsätzen in Falun zweimal mit Gold und Silber dekoriert hatte, schickte Schuster Richard Freitag, Markus Eisenbichler und Team-Oldie Michael Neumayer ins Rennen. Der 36-Jährige hatte sich zuvor in der internen Ausscheidung gegen Andreas Wellinger und Marinus Kraus durchgesetzt. „Neumayer hat seine Technik hier noch einmal stabilisiert und erhält von uns das Vertrauen“, begründete Schuster die Nominierung des Routiniers. Neumayer war erst verspätet in Falun eingetroffen. Zuvor hatte er in Bad Reichenhall alleine trainiert und sich erholt.

          Die Hoffnung, dass er, der als Erster von der Lugnet-Schanze musste, mit frischer Energie die Mannschaft beflügeln könnte, erfüllte sich nicht. Es reichte für ihn nur zu 118 und 119 Metern. „Wenn ich einen Mordssprung vorgelegt hätte, wäre es vielleicht für uns einfacher gegangen“, sagte Neumayer hinterher enttäuscht; auch Eisenbichler (120,5 und 119,5) und Freitag (121,5 und 125,5) gelang es bei wechselhaften Böen nicht, ohne Wackler durch die Luft zu segeln, stattdessen brachen sie die Versuche früh ab und blieben hinter ihren Möglichkeiten. „Heute waren wir nicht fehlerfrei und einfach nicht gut genug“, fasste Schuster den kollektiven Absturz zusammen.

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