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Biathlon-Weltcup : Lesser gibt die perfekte Antwort

  • -Aktualisiert am

Wilde Hatz bei schwierigen Bedingungen: Massenstart der Biathleten Bild: dpa

Wochenlang läuft Erik Lesser der leidigen WM-Norm hinterher. Und der Biathlet ärgert sich mächtig über die Diskussion darüber. Dann kommt der Massenstart in Ruhpolding – und Lesser zeigt es allen.

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          So etwas nennt man eine perfekte Antwort. Wochenlang ist Erik Lesser dieser leidigen WM-Norm hinterhergelaufen, er, der Verfolgungs-Weltmeister von Kontiolahti, er, der Olympiazweite von Sotschi im Einzel. Der 27 Jahre alte Thüringer hat sich zuletzt mächtig geärgert, weil er diese Diskussion unmöglich fand. Die Form, da war er sich sicher, die kommt schon. Und wie sie kommt!

          Am Samstag, im Schneegestöber der Ruhpoldinger Chiemgau Arena, setzte Lesser den goldenen Schlusspunkt unter eine bis dahin eher durchwachsene Leistung der deutschen Skijäger, Abteilung Männer. Es war sein erster Sieg innerhalb des Weltcups, wenngleich die Weltmeisterschaft in diese Wertung einfließt.

          Lesser feierte ihn, wie er 2015 in Kontiolahti seinen WM-Titel gefeiert hatte. Mit gekreuzten Armen, dem Bergarbeitergruß von Aue im Erzgebirge, dort, wo sein Fußball-Lieblingsverein sitzt. „Ich wusste, dass ich es draufhabe“, sagte Lesser. „Jetzt habe ich euch gegeben, was ihr wollt.“

          Dabei hatte er sich gerade noch als Dreißigster und damit Letzter für das Feld im Massenstart qualifiziert. „Die Startnummer ist völlig egal“, sagte Lesser. Obwohl es anfangs so aussah, als sollte er ihr Ehre machen. Denn da lief der Thüringer dem Feld ein paar Meter hinterher. Was aber keineswegs Ausdruck von Schwäche war, sondern Teil des Plans. „Genauso wollte ich das.“

          Weil er dem berühmten Ziehharmonika-Effekt aus dem Weg gehen wollte. „Wenn du da in der Mitte des Feldes bist, machst du dich nur kaputt.“ Also Kräfte sparen, um am Schießstand sauber arbeiten zu können. Das fand auch Bundestrainer Mark Kirchner schlau: „Er hat den Kopf eingeschaltet. Ein Massenstart ist noch nie in der ersten Runde entschieden worden.“

          Strahlende Siegerin: Gabriela Soukalova Bilderstrecke
          Strahlende Siegerin: Gabriela Soukalova :

          Selbst vor der letzten der vier Schießeinlagen ließ sich Lesser nicht aus der Ruhe bringen, als der Kontakt zu Weltcup-Spitzenreiter Martin Fourcade und dem Russen Jewgeni Garanitschew ein wenig abriss. Aber im Gegensatz zu seinen Konkurrenten blieb Lesser die Ruhe selbst. Fünf Schuss, fünf Treffer, Gesamtbilanz – alle zwanzig Scheiben abgeräumt. Der Schlüssel zum Erfolg.

          Fourcade und Garanitschew mussten eine Strafrunde drehen, und was sie auch anstellten, den Vorsprung ließ sich Lesser nicht mehr nehmen. Bundestrainer Kirchner war allerdings vom starken Auftritt seines Mannes, den er auch im Stützpunkt in Oberhof tagtäglich im Training sieht, nicht sonderlich überrascht. „Ich habe nie an Erik gezweifelt. Ich weiß, wie er arbeitet, und er weiß als Weltmeister und Olympiazweiter, wie es geht. Er hat heute bewiesen, dass er zu den Besten gehört.“

          Hildebrand wird Zweite im Massenstart - Dahlmeier Dritte

          Franziska Hildebrand hat durch einen Fehler beim letzten Schuss ihren dritten Weltcupsieg noch aus der Hand gegeben. Die 28-Jährige wurde beim Biathlon-Heimweltcup in Ruhpolding am Samstag hinter Gabriela Soukalova Zweite, hätte aber ohne Fehler das Rennen gewonnen. Nach 12,5 Kilometern hatte Hildebrand 13,9 Sekunden Rückstand auf die Tschechin. Dritte wurde Laura Dahlmeier, die trotz zwei Strafrunden nur 24,4 Sekunden Rückstand auf die Spitze hatte. Das starke Teamergebnis rundete Maren Hammerschmidt als Fünfte (1/+ 37,9 Sekunden) ab. Miriam Gössner wurde 16., direkt gefolgt von Vanessa Hinz. (dpa)

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