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Biathlon : Konkurenz belebt das deutsche Team

Druck auf die Etablierten: Johannes Kühn (rechts) und andere Talente jagen die deutschen Frontmänner wie Benedikt Doll (links). Bild: dpa

Martin Fourcade gewöhnt sich wieder ans Siegen in Serie und das Biathlon wartet gespannt auf die Rückkehr von Johannes Thingnes Bö. Im deutschen Team herrscht hinter den Frontmännern Doll und Peiffer immerhin Bewegung wie lange nicht.

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          Er zeigt sie schon wieder, die geballte Faust. Diese Triumph-Geste, die immer das Markenzeichen von Martin Fourcade war. Kein Wunder, wenn man die vergangenen vier Weltcuprennen gewonnen hat, und am Sonntag, beim Finale des Biathlon-Weltcups in Ruhpolding, vor 22.000 Zuschauer einen souveränen Start-Ziel-Sieg vor seinem Landsmann Quentin Fillot Mallet in der Verfolgung hinlegt. Und sich noch dazu, wie schon im Sprint und in der Staffel, in der Chiemgau Arena keinen einzigen Fehlschuss leistet. Es war der 77. Weltcup-Erfolg für Monsieur 100 Prozent, der nach den Enttäuschungen der vergangenen Saison schon wieder die gewohnte Unantastbarkeit ausstrahlt. Man darf gespannt sein, wie es kommende Woche in Pokljuka aussieht, wenn der norwegische Biathlon-König Johannes Thingnes Bö nach der Geburt von Sohn Gustav wieder aktiv ins Weltcup-Geschehen eingreift.

          Den deutschen Skijägern blieb zum Abschluss der fünf Wettkampftage im Chiemgau, in das der Winter eingekehrt ist, der ersehnte Podiumsplatz verwehrt. Allein für Benedikt Doll war es bis zum Schluss in Reichweite, aber am Ende reichte es im Spurt einer Dreiergruppe nur zu Rang fünf. „Ich bin im Sprint nicht der Stärkste“, räumte der Schwarzwälder ein, „aber mit nur einem Fehler im Schießen bin ich hochzufrieden. Das und der dritte Platz im Sprint geben mir schon Selbstvertrauen.“ Philipp Nawrath auf Platz zwölf, Arnd Peiffer an Position 14 und Roman Rees als 19. komplettierten „das ordentliche Ergebnis“, wie Bundestrainer Mark Kirchner befand.

          Es hängt an wenigen Schüssen

          Aber vier Wochen vor der Weltmeisterschaft im Südtiroler Biathlonzentrum Antholz ist die Konkurrenz seinen Skijägern eben ein Stück voraus. Die Norweger etwa, aber vor allem die Franzosen, die am Sonntag fünf Athleten unter die Top acht brachten und am Samstag auch die Staffel gewannen. „Die sind schon bärenstark“, sagte Kirchner, aber insgesamt sei es immer wieder „ein zähes Ringen, ein hohes Niveau im Feld. Wenn man ums Podium kämpfen will, braucht man fast 100 Prozent Trefferleistung. Selbst mit nur einer Strafrunde hat es für Benny Doll nicht gereicht. Aber wir sind in Schlagdistanz.“

          Auch Olympiasieger Peiffer konnte an seinem Gesamtauftritt in Ruhpolding nur eines bemängeln. „Im Grunde hat mir ein einziges Schießen das Wochenende verhagelt: Die zwei Fehler stehend im Sprint. Da hast du mit Platz 22 in dem engen Feld in der Verfolgung dann keine Chance mehr. Aber die Staffel lief gut für mich, läuferisch war es gut, und deshalb fällt mein persönliches Fazit besser aus, als es die Plazierungen aussagen. Ich bin richtig zuversichtlich.“

          Im deutschen Männerteam herrscht hinter den beiden Frontmännern Doll und Peiffer immerhin Bewegung wie lange nicht. Der interne Konkurrenzdruck hat deutlich zugenommen, und die zweite Reihe ist inzwischen soweit, dass sich die Arrivierten keine gravierenden Schwächen leisten können. Das mag für das Establishment unbequem sein, aber für einen Trainer ist es der Idealzustand. Weil sich niemand ausruhen kann, weil es einen natürlichen Verdrängungswettbewerb fördert.

          Johannes Kühn hat sich mittlerweile festgebissen im A-Team, auch wenn er sich am Sonntag sechs Schießfehler leistete. Philipp Horn ist trotz Platz 37 in der Verfolgung ebenfalls kaum noch wegzudenken. Und Kirchner hat noch weitere Optionen. Am Samstag nutzte er die letzte Staffel vor der Weltmeisterschaft, um Rees und Nawrath auf ihre diesbezügliche WM-Tauglichkeit zu testen. Direkt aufgedrängt hat sich weder der eine noch der andere. Rees, der läuferisch noch Defizite hat, war mit drei Nachladern „viel zu unruhig“, wie er selbst eingestand, für Nawrath stand nach sechs Zusatzpatronen die Erkenntnis, „mich heute nicht so beworben“ zu haben. Peiffer, und Doll brachten das Quartett immerhin noch auf Platz fünf. Allerdings gehört der 26 Jahre alte Allgäuer Nawrath zu den Gewinnern von Ruhpolding. Mit Platz sieben im Sprint und Rang zwölf in der Verfolgung hat er als fünfter deutscher Biathlet die WM-Norm erfüllt und sich, so Kirchner, „für Antholz empfohlen“. Position sechs ist zwar noch offen, aber der Trend spricht für Erik Lesser.

          Der 31 Jahre alte Thüringer reißt zwar derzeit im zweitklassigen IBU-Cup auch nicht gerade Bäume aus, aber er befindet sich wenigstens im Wettkampfmodus und dürfte in Pokljuka in den Weltcup zurückkehren. „Die Chance besteht“, sagt Kirchner. Anders stehen die Dinge beim Olympiazweiten Simon Schempp, der einen Trainingsblock eingeschoben hat, um allmählich wieder in Form zu kommen. „Für ihn haben wir einen anderen Plan entwickelt. Er wird nicht an der WM teilnehmen und soll über die Europameisterschaft wieder Fuß fassen“, sagt Kirchner, der zugibt, dass es eine Entscheidung „schweren Herzens“ gewesen sei. Aber immerhin hat er Alternativen.

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