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15-Jährige in Wimbledon : Das Tennis-Märchen der Cori Gauff geht weiter

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Leidenschaft und Nervenstärke wie eine ganz Große: Cori Gauff Bild: AFP

Am Ende war es ein Krimi: Die erst 15 Jahre alte Cori Gauff ist ins Achtelfinale von Wimbledon eingezogen – und wehrt dabei gegen die Slowenin Hercog gleich zwei Matchbälle ab. Bei den Männern hatte auch Titelverteidiger Djokovic Mühe.

          Die 15-jährige Cori Gauff begeistert nach einer grandiosen Aufholjagd weiter in Wimbledon. Dank eines imposanten Auftritts ließ sich der Tennis-Teenager auch in der dritten Runde nicht aufhalten und zog nach Abwehr zweier Matchbälle ins Achtelfinale ein. Nervenstark gewann die jüngste Teilnehmerin des Grand-Slam-Turniers in London 3:6, 7:6 (9:7), 7:5 gegen die Slowenin Polona Hercog. Nach 2:46 Stunden setzte das Talent auch gegen die Weltranglisten-60. ihre wundersame Erfolgsserie fort.

          Die Gebete gen Himmel brauchte er gar nicht: Novak Djokovic im Wimbledon-Match gegen Hubert Hurkacz

          Als jüngste Spielerin seit Jennifer Capriati 1991 erreichte Gauff die zweite Woche des weltweit prestigeträchtigsten Tennis-Turniers. Die Amerikanerin Capriati hatte es vor 28 Jahren sogar bis ins Halbfinale geschafft. Am Montag fordert Gauff in der Runde der besten 16 nun die rumänische Spitzenspielerin Simona Halep heraus. Dabei hatte es im zweiten Satz gegen Hercog bereits so ausgesehen, als würde das Wimbledon-Abenteuer der Jugendlichen zu Ende gehen. 2:5 lag die Qualifikantin zurück, blieb aber ihrer Devise treu, dass alles möglich ist.

          Auf den ersten Matchball ihrer Kontrahentin antwortete Gauff mit einem Schlag auf die Linie, beim zweiten Matchball leistete sich Hercog einen Doppelfehler. Plötzlich stand es 5:5. Auf der Tribüne zitterten Gauffs Eltern. Es kam zum Tiebreak. Darin nutzte die Amerikanerin ihren dritten Satzball, weil sie nach einem Slice-Duell Risiko einging. Enthusiastisch klopfte sich die 15-Jährige auf die Brust, ganz so als wolle sie zeigen: Ich bin noch da und mit dem Herz auf dem Platz. Hercog, die noch nie über die dritte Runde eines Grand-Slam-Turniers hinausgekommen war, ließ sich nach dem Satzausgleich behandeln. Im entscheidenden Durchgang führte Gauff dann schon 4:1, ehe Hercog wieder rankam, aber am Ende nicht jubeln durfte.

          Die 15-Jährige Gauff hatte zuvor mit einem Sieg über die Slowakin Magdalena Rybarikova und insbesondere mit ihrem Erfolg über die Amerikanerin Venus Williams beeindruckt. Nur mit einer Wildcard hatte sie einen Platz für die Qualifikation bekommen. Der Wirbel um sie war in den vergangenen Tagen aber so groß geworden, dass Gauff als letztes Match auf dem Centre Court angesetzt war. Titelverteidiger Novak Djokovic trat dagegen nur auf dem zweitgrößten Platz an und bestand dort seinen ersten echten Härtetest, während sein Finalgegner aus dem Vorjahr bereits enttäuscht als Verlierer vom Platz geschlichen war. Djokovic gewann sein Drittrundenmatch gegen den starken Polen Hubert Hurkacz 7:5, 6:7 (5:7), 6:1, 6:4 nach 2:59 Stunden, dagegen schied der Südafrikaner Kevin Anderson überraschend früh aus.

          Dabei musste sich auch Djokovic gegen den 22-jährigen Hurkacz mehr quälen, als ihm womöglich lieb war. Exakt drei Stunden lang wurde der im Ranking Führende von der Nummer 48 gefordert. „Glückwunsch an Hubert für ein großartiges Spiel“, sagte Djokovic: „Es war ein großer Kampf in den ersten Sätzen. Es hat Spaß gemacht.“ Deutsche Spieler waren am fünften Tag keine im Einsatz. Ohnehin haben einzig Julia Görges gegen Serena Williams (14 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zu Wimbledon und bei Sky) und Jan-Lennard Struff gegen den Kasachen Michail Kukuschkin am Samstag noch die Chance, in die zweite Woche des Rasen-Majors einzuziehen.

          Hurkacz spielte gegen Djokovic phasenweise spektakulär. Im zweiten Satz erarbeitete sich der 1,96-m-Schlaks mit einem spektakulären Becker-Hecht einen Satzball, im Tiebreak machte er einen wichtigen Punkt beinahe im Spagat. Djokovic war bemüht, die Ballwechsel lange offen zu halten und auf Fehler seines unerfahrenen Gegners zu warten. Das Problem: Diese kamen nicht. Jedenfalls zunächst nicht, denn ab dem dritten Satz legte der Favorit die berühmte Schippe drauf. Plötzlich ging alles ganz schnell. Hurkacz konnte sein Niveau nicht ganz halten, Djokovic machte kaum noch Fehler.

          Mit seiner zwölften Teilnahme in der Runde der besten 16 schließt Djokovic zu seinem früheren Trainer Boris Becker auf. Mehr als zwölf Achtelfinalteilnahmen haben in der Geschichte des Profitennis seit 1968 beim weltweit bedeutendsten Rasenturnier nur Jimmy Connors und Roger Federer geschafft (je 16). Als Becker Djokovic von 2013 bis 2016 trainierte, hatte sich das für den Serben ausgezahlt: Der 32-Jährige gewann in der Zeit sechs seiner 15 Grand-Slam-Titel. Nun hatte sich der Vorjahressieger – zumindest für die erste Turnierwoche – kurzfristig weitere Rasen-Expertise dazu geholt: Der 47-jährige Ivanisevic hatte 2001 Wimbledon gewonnen, als er nur dank einer Wildcard ins Feld gerückt war. „Er war für mich eine Art Held“, sagte Djokovic. Am Montag kämpft der Topfavorit gegen das kanadische Tennis-Talent Felix Auger-Aliassime oder Ugo Humbert aus Frankreich um das Erreichen des Viertelfinals.

          Der an Nummer vier gesetzte Anderson unterlag derweil Guido Pella (Argentinien/Nr. 26) 4:6, 3:6, 6:7 (4:7). Zuletzt hatte der 33-Jährige mit Verletzungsproblemen zu kämpfen. Vor seinem Start beim Vorbereitungsturnier in Queens hatte er eine mehrmonatige Pause einlegen müssen, Probleme am Ellenbogengelenk machten das Tennisspielen unmöglich.

          Im Vorjahr hatte Anderson in Wimbledon noch sein zweites Grand-Slam-Endspiel nach den US Open 2017 erreicht. Dabei hatte er im Halbfinale gegen den Amerikaner John Isner das mit einer Dauer von 6:36 Stunden zweitlängste Match der Turniergeschichte bestritten. Sein Duell mit Pella dauerte diesmal nur 2:34 Stunden.

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