https://www.faz.net/-gtl-7zv2d

Ski-Chef Gian-Franco Kasper : Was hinter der Kritik an Fifa und Blatter steckt

Joseph Blatter wird von vielen Seiten attackiert – auch vom Präsidenten des Ski-Weltverbandes Bild: dpa

Ski-Chef Gian-Franco Kasper attackiert immer wieder die Fifa und deren Präsident Joseph Blatter. Für die Stiche mit dem Skistock bekommt Kasper Applaus. Es steckt mehr dahinter als persönliche Abneigung unter Schweizern.

          3 Min.

          Preisfrage: Wer ist das? Ein Langzeit-Sportfunktionär aus der Schweiz, mittlerweile über 70 Jahre alt, seit 1975 tätig für einen Weltverband, jahrelang dessen Generalsekretär und seit 1998 für unabsehbare Zeit Präsident? Klar, das könnte Joseph Blatter sein. Aber es gibt noch einen anderen: Gian-Franco Kasper, den Chef des Internationalen Skiverbandes (Fis). Sportpolitische Klassenkameraden also.

          Evi Simeoni
          Sportredakteurin.

          In den Vollversammlungen des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) sitzen der Walliser und der Bündner nebeneinander. Doch seit einigen Jahren ist das Verhältnis gestört. Kasper geht mehr und mehr auf Distanz. „Mein Name ist nicht Joseph Blatter“, betonte er vergangenen Herbst, als er gefragt wurde, wann er denn seinen Rückzug von der Verbandsspitze plane. Er bezog sich auf Blatters Absicht, beim Kongress des Fußball-Weltverbands im Mai im Alter von 79 Jahren noch einmal zur Wahl anzutreten. Am Rande der WM in Colorado verschärfte Kasper sogar noch seinen Ton: „In seinem Alter würde ich nicht mehr antreten.“

          Applaus für Kasper - solche Stiche mit dem Skistock gegen den mächtigen Fußballpräsidenten findet die Welt gut. Aber natürlich führt er mit seiner Attacke mehr im Schild als nur einen Pieks. Er will, dass Blatter endlich ein Machtwort spricht, was den Termin der Fußball-WM 2022 in Qatar angeht. Schließlich will der Wintersport nicht die Rechnung zahlen für die skandalöse Vergabe der Titelkämpfe in die Wüste. Sollte die in den Winter verlagerte Fußball-WM mit den Winterspielen kollidieren, die üblicherweise im Februar abgehalten werden, würde das den olympischen Sport Strahlkraft und Geld kosten.

          Dass der Fußball Rücksicht nehmen könnte auf die Belange anderer Sportarten, zog Kasper erst vor ein paar Tagen in einem dpa-Interview provokativ in Zweifel. „Die Fifa hat noch nie auf jemanden gehört.“ Noch ein Gruß an Blatter also, der als Schweizer doch eigentlich schon durch Geburt Wintersportler sein müsste. Erst ganz am Ende seiner Tirade kam Kasper dann doch noch heraus mit seinem hingeraunzten Verständigungsangebot: „Wenn es jetzt November oder Dezember wird, dann können wir - nicht gern, aber doch - damit leben.“ So könnte es kommen, wie die amerikanische Zeitschrift „Sports Illustrated“ in dieser Woche mit Bezug auf die Fifa-Arbeitsgruppe berichtete.

          Verbal-Slalom mit Kapser und Putin

          Kasper scheint das Zündeln zu lieben, und er hat es damit schon weit gebracht. Letztes Jahr zum Beispiel gingen ein paar Sätze von Kasper um die Welt, in denen er scheinbar gegenüber einem Schweizer Fernsehsender behauptet hatte, 30 Prozent der Kosten für die Winterspiele in Sotschi seien in Korruptionskanälen verschwunden. Später erzählte er vergnügt, dass der russische Präsident Putin sich das Interview habe übersetzen lassen. Im russischen Fernsehen habe er daraufhin erklärt, Kaspers Aussagen seien in Ordnung.

          „Ich habe gesagt, man spricht in solchen Ländern von 30 Prozent der Investitionen, die in Korruption fließen. Ich würde nie sagen, dass dies auch für Russland gilt.“ Einen weiteren seiner beliebten Verbal-Slaloms legte Kasper wenig später hin, als er zunächst Putin als „eiskalten Menschen“ beschrieb. Gegenüber der „NZZ am Sonntag“ klärte er später auf, er habe gesagt: „Diese blauen Augen, das gibt einen eiskalten Menschen. Ich bin überzeugt, es braucht so jemanden, um ein riesiges Land wie Russland zu regieren. Das ist nicht negativ gemeint.“

          Gian-Franco Kasper legt sich gerne mit Fifa-Präsident und Landsmann Blatter an
          Gian-Franco Kasper legt sich gerne mit Fifa-Präsident und Landsmann Blatter an : Bild: dpa

          Vor wenigen Tagen hat er mit ein paar Sätzen dem Organisationskomitee der Winterspiele 2018 in Pyeongchang Beine gemacht. Durch ihre politischen Querelen, einen landesinternen Budget-Streit und ständige Umplanungen würde eine pünktliche Austragung der Testwettbewerbe für Ski und Snowboard „fast unmöglich“, erklärte er. In heller Panik verfassten die Koreaner eine Stellungnahme, in der sie beteuerten, sie würden den Zeitplan einhalten. Sie hatten Kaspers Nachsatz überlesen, in dem er sagte: „Es wird schon klappen, aber im Moment sieht es nicht gut aus.“

          Und das Senioren-Scharmützel mit Blatter? Auch bei Kasper ergibt sich eine verblüffende Langlebigkeit als Funktionär: Eigentlich hätte er Ende 2014, in dem Jahr, in dem er 70 wurde, aus dem Internationalen Olympischen Komitee ausscheiden müssen. Doch das hat er geschickt umkurvt. Im Mai 2014 verdrängte er seinen Landsmann René Fasel vom Präsidentenstuhl der Vereinigung der Olympischen Wintersportverbände, der fast automatisch einen Sitz in der IOC-Exekutive bedeutet.

          Kasper bleibt bis 2018 Ski-Präsident

          Im Dezember war er der Erste, der von der Modifikation der IOC-Altersregel profitierte, die in Einzelfällen eine Verlängerung der Mitgliedschaft erlaubt - er bleibt bis zum Ende seiner Amtszeit als Skipräsident, also bis 2018. Auch die Frage, ob sich Kasper in drei Jahren in den Ruhestand verabschieden wird, ließ er offen. Er wäre ja dann erst 74, also immer noch kein Blatter. „Man muss vernünftig sein“, sagte er, und was er damit meint, werden wir später erfahren. Fortsetzung in Kaspers Theater.

          Fifa-Präsidentschaft : Figo bewirbt sich als Kandidat

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Der US-Sondergesandte für Klimaschutz, John Kerry, mit dem deutschen Außenminister Heiko Maas in Berlin.

          US-Sondergesandter in Berlin : John Kerry lobt die deutsche Klimapolitik

          Der ehemalige Außenminister zeigt sich beeindruckt, wie schnell die Bundesregierung dem Verfassungsgericht gefolgt ist. Und er appelliert: Um die Erderwärmung aufzuhalten, müsse „Glasgow“ dringend ein Erfolg werden.
          Marokkanische Migranten am 18. Mai bei der Ankunft in Ceuta

          Migration aus Marokko : Ansturm auf Ceuta

          Tausende Menschen sind innerhalb eines Tages in die spanische Exklave Ceuta geströmt. Die politische Botschaft aus Rabat: Ohne Marokko lässt sich der Kampf gegen die illegale Migration nach Europa nicht gewinnen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.