https://www.faz.net/-gtl-8ch38

Viktoria Rebensburg : Ein Sieg über alle Selbstzweifel

  • -Aktualisiert am

Die Nummer 1 von Flachau: Viktoria Rebensburg Bild: dpa

Drei lange Jahre musste Viktoria Rebensburg auf den elften Weltcuperfolg ihre Karriere warten. In Flachau dominiert sie den Riesenslalom nun wieder so wie einst, als sie das Maß aller Dinge war.

          3 Min.

          Der letzte Kraftakt stand Viktoria Rebensburg noch bevor. Womöglich hatte sie das bereits geahnt, als sie im Zielraum von Flachau mit überragender Bestzeit angekommen war. Sie ging kurz in die Knie, aber nicht vor Aufregung oder Nervosität, wie sie versicherte. „Ich musste mich erst einmal ausruhen“, behauptete die Deutsche nach ihrem famosen zweiten Durchgang beim Weltcup-Riesenslalom im Salzburger Land am Sonntag. Sie verfolgte also kniend die Fahrt der Slowenin Ana Drev, der Führenden nach dem ersten Lauf, und spätestens nach der letzten Zwischenzeit war der Deutschen klar, dass die kleine Verschnaufpause ganz gut war. Denn gleich, da konnte sie sicher sein, würde es für sie noch ein klein wenig stressig werden. Als Siegerin gibt es auch nach einem Skirennen noch allerhand zu tun, das wusste Viktoria Rebensburg in diesem Moment, obwohl ihr letzter Triumph schon eine Weile zurücklag.

          Zum elften Mal in ihrer Karriere stand sie im Flachau im Weltcup ganz oben auf dem Podest – und zum ersten Mal seit drei Jahren. Im Januar 2013 hatte sie den Super-G von Cortina d‘Ampezzo gewonnen, vier Wochen davor den Riesenslalom von Are. Danach war die Selbstverständlichkeit in ihrer Lieblingsdisziplin verloren. Viktoria Rebensburg haderte oft damit, dass sie zwar noch immer zu den Besten zählte, aber nicht mehr das Maß aller Dinge war in den beiden Jahren nach ihrem Olympiasieg von Vancouver 2010. Zuerst hatte ihr die Materialreformzu schaffen gemacht, dann hat sie sich entschieden, die Ski zu wechseln. „Das war alles nicht so einfach“, sagt die 26 Jahre alte Kreutherin, „man braucht das Vertrauen, dass was vom Ski zurückkommt.“

          Dazu kam, dass nach dem Rücktritt von Maria Höfl-Riesch die Hoffnungen bei den deutschen Ski-Frauen ganz allein auf ihr ruhen. Sie steht seit vergangenem Winter deshalb noch mehr im Mittelpunkt. Den ersten Sieg seit der Ära Höfl-Riesch will der Alpinchef des Deutschen Skiverbandes, Wolfgang Maier, zwar nicht als kleine Befreiung für die zuletzt etwas gebeutelte Frauen-Mannschaft sehen, aber „es tut uns schon gut, mal wieder ganz oben zu stehen“, sagte er.

          Es gab immer wieder Momente, da glaubte Viktoria Rebensburg, das Gefühl wieder gefunden zu haben für den richtigen Schwung. Zuletzt war dies gegen Ende der vergangenen Saison, als sie Silber bei der WM im amerikanischen Skiort Vail gewonnen hatte und anschießend auch im Weltcup noch einmal Zweite geworden war. Deshalb, gibt sie zu, „war ich schon ein bisschen überrascht“, dass es zu Beginn dieses Winters nicht wie gewünscht lief. Mit den Plätzen sechs, sieben und elf in den ersten drei Riesenslaloms genügten sie ihren eigenen Ansprüchen nicht. „Wir sind schon ein bisschen enttäuscht gewesen“, sagt Maier, weil man wisse, „sie kann es ja eigentlich, aber sie schafft es nicht, es im Rennen abzurufen“.

          Vor Weihnachten legte Viktoria Rebensburg den Fokus noch einmal auf ihre Lieblingsdisziplin, tüftelte am Material, an der Feinabstimmung. Erste Fortschritte stellten sich in Courchevel und Lienz mit den Plätzen vier und drei ein. Die Richtung, da war sie sich zum Jahreswechsel sicher, stimmte. In Flachau erklomm sie nun die nächste Stufe, nicht nur auf dem Podest. „Das war höchstes Niveau“, sagte Maier, „das war das, was Vicky über Jahre hinweg ausgezeichnet hatte: Das aktive Fahren, sich in den Schwung hinein zu bewegen.“ Die jüngsten Korrekturen am Material lösten bei ihr offenbar auch eine mentale Bremse. „Ich kann jetzt wieder so fahren, wie ich Riesenslalom fahren möchte.“

          In Flachau gelang ihr dies schon im für sie oft schwierigen ersten Durchgang. Trotz eines Fehlers im Mittelteil war in Ana Drev nur eine Läuferin schneller, um winzige vier Hundertstelsekunden. „Meine Devise war, voll anzugreifen“, sagte Viktoria Rebenburg, und das klappte ganz gut. Im Finale ließ sie sich im Gegensatz zu vielen Konkurrentinnen nicht von den immer schlechter werdenden äußeren Bedingungen irritieren. Die Sonne, die noch zu Beginn des zweiten Durchgangs geschienen hatte, wurde Mitte des Rennens von Wolken bedeckt und es begann zu schneien, immer heftiger, und die beiden Führenden mussten schließlich im dichtesten Schneetreiben die Ideallinie ins Ziel finden. „Eine souveräne Vorstellung“, sagte Maier, „vor allem, wenn man gesehen hat, wie viele sich schwer getan haben, sich hier anzupassen.“

          Lindsey Vonn, die Siegerin von Are, schied aus. Die Schweizer Lara Gut, die in Aspen und Lienz vorne gewesen war, landete nur auf dem 19. Platz. Die Österreicherin Eva-Maria Brem, Schnellste von Courchevel, fiel ebenso zurück wie Tina Weirather aus Liechtenstein. Auch Ana Drev scheiterte an der Zeit der Deutschen, sie wurde mit knapp einer Sekunde Rückstand Zweite vor der Italienerin Frederica Brignone. „Jetzt“, sagt Viktoriua Rebensburg, „fühle ich mich wieder richtig wohl.“ Im Riesenslalom meint sie, aber auch, weil sie zurück ist ganz oben auf dem Siegerpodest.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          „Märsche für die Freiheit“ : Barcelona im Ausnahmezustand

          Die Proteste gegen das Urteil im Separatistenprozess legen die Stadt und weite Teile Kataloniens lahm. Die „Sagrada familia“ wurde geschlossen, dutzende Flüge abgesagt – und eines der wichtigsten Fußballspiele Spaniens verschoben.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.