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Reitturnier und Spendengala : Familienprojekt Festhalle

  • -Aktualisiert am

Mit Schwung durch die Festhalle: Ann Kathrin Linsenhoff ist stets präsent, schüttelt Hände, beglückwünscht die Sieger - und hat ein Herz für Kinder. Bild: Ludwiga von Korff

Ann Kathrin Linsenhoff organisiert das große Frankfurter Reitturnier. Für sie ist das nicht nur ein Sportereignis, sondern auch Anlass soziale Verantwortung zu zeigen gegenüber all jenen, die nicht dabei sein können.

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          Der Große Preis von Hessen ist der Höhepunkt beim Internationalen Festhallen Reitturnier. Zwischen den Oxern, Steilsprüngen und der dreifachen Kombination, die für das Weltranglisten-Springen an diesem Sonntag aufgebaut werden, ragt in jedem Jahr ein Hindernis besonders heraus. Weil es bunt, lustig und einzigartig ist. Jedes Jahr wird es bei einem Wettbewerb unter Frankfurter Heimkindern ermittelt, die dann dabei sein dürfen, wenn die Springreiter mit ihren Pferden über den Parcours jagen.

          Gastgeberin der Kinder ist Ann Kathrin Linsenhoff. Die ehemalige Dressurreiterin war einst Olympiasiegerin, Welt- und -Europameisterin mit der Mannschaft und ist seit vielen Jahren Mitveranstalterin des Traditionsturniers, das ein Familienprojekt ist. Auch Ehemann Klaus Martin Rath ist im Organisationskomitee ebenso wie Bettina und Paul Schockemöhle, die Mitbesitzer von Totilas, dem berühmten Dressurpferd.

          Geschenke für Heim- und Flüchtlingskinder

          Dem Weihnachtsbaum im Foyer des Messe Forums hat Ann Kathrin Linsenhoff eine besondere Aufgabe zugewiesen. Dorthin können Besucher, Teilnehmer und Sponsoren der sportlichen Großveranstaltung Geschenke bringen, die sie Frankfurter Heimkindern zukommen lassen wollen. Das ist seit Jahren Tradition: „Sport ist das Eine, aber ich finde, jeder Veranstalter hat auch eine soziale Verantwortung.“ In diesem Jahr hat der Weihnachtsbaum noch einen ganz besonderen Job dazu bekommen: Er soll auch Geschenke für Flüchtlingskinder einsammeln.

          Linsenhoff ist seit zwölf Jahren mit einer von ihr gegründeten Stiftung im Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (Unicef) aktiv. Im September hat sie noch eine weitere Stiftung gegründet, mit der sie national und regional Projekte unterstützen will, die Bildung, Integration und das bürgerschaftliche Engagement für Kinder und Frauen ermöglichen sollen. „Ich habe durch meine Arbeit für Unicef erlebt, wie lebenswichtig Bildung ist“, sagt die Kronbergerin. So würden den Menschen etwa wichtige Hygieneregeln in den Schulen beigebracht, die Unicef unmittelbar dort errichtet, wo es humanitäre Hilfe leistet. „Solch ein einfaches Wissen sichert manchmal das Überleben“, sagt Linsenhoff.

          Nach Hilferuf aus Kronberg zögerte sie nicht lange

          Mit ihren berühmten Erfolgspferden Renoir oder Sterntaler, die den Namenszusatz Unicef trugen, hat sie auch während ihrer aktiven Laufbahn schon auf diese Arbeit aufmerksam gemacht. „Ich war vor Ort, etwa im Südsudan. Ich habe gesehen, woher die Menschen kommen, die auf der Flucht sind und unter welch unwürdigen Umständen sie leben müssen.“ Daher zögerte sie nicht, als vor einigen Monaten der Anruf des Kronberger Bürgermeisters Klaus Temmen kam, der Hilfe bei der Flüchtlingsarbeit in der Stadt brauchte. Seitdem engagiert sie sich vor Ort, ist dabei auch in den ehrenamtlichen Gremien aktiv oder sammelt Haushaltsgegenstände für die Flüchtlingsunterkünfte.

          Aber ihr persönliches Engagement geht noch weiter. Das Flüchtlingslager in Gießen ist die zentrale Aufnahmestelle für Hessen. Das ist es schon seit 1946, als die ersten Heimatvertrieben aus den ehemaligen Ostgebieten in Deutschland ankamen. Aktuell leben dort etwa 3200 Menschen, bevor sie in die Städte und Gemeinden weiter geleitet werden. Das Lager platzt aus allen Nähten. Die Menschen kommen aus Syrien, dem Irak, Afghanistan oder Pakistan. Sie finden hier nach oft monatelangen, traumatischen Erlebnissen Zuflucht und Schutz und können endlich ihr Grundrecht auf Asyl wahrnehmen. Täglich kommen in diesen Tagen 100 Flüchtlinge dazu.

          Dass Ann Kathrin Linsenhoff durch ihr Engagement plötzlich inmitten einer hochpolitischen deutschen Debatte gelandet ist, stört sie nicht: „Leider werden nur die Wenigen öffentlich wahr genommen, die laut sind. Die vielen anderen Menschen, die helfen, sind leise. Die hört man nicht.“ Sie plädiert für die Entwicklung einer Willkommenskultur in Deutschland. „Es ist unsere menschliche Pflicht, die Flüchtlinge willkommen zu heißen und ein Stück weit bei der Integration in unser Land zu begleiten.“ Über dieses Engagement freut sich auch der Gießener Regierungspräsident, Lars Witteck: „In einem so reichen Land, ist es schon verwunderlich, wie sich in Menschen ein so dumpfer Groll und die Meinung entwickeln kann, die Flüchtlingshilfe sei generell zu viel. Ich bin daher sehr froh, dass wir Menschen, wie Frau Linsenhoff haben, die dazu ein Gegengewicht bilden und denjenigen Menschen helfen, die für Krieg und Vertreibung am wenigsten können – den Kindern.“

          Reiter aus 21 Nationen kämpfen in der Frankfurter Festhalle jedes Jahr am vierten Adventswochenende um Prämien und Weltranglistenpunkte. Ann Kathrin Linsenhoff ist stets präsent, schüttelt Hände, beglückwünscht die Sieger. An ihrer Seite ist auch ihre 13-jährige Tochter Marie, die sie schon jetzt in ihr soziales Engagement mit einbindet. Das Sportevent Festhallenturnier ist ein Familienprojekt. Es will auch für Familien da sein, die nicht dabei sein können.

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