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Eintracht Frankfurt : Arbeit, Eifer, Aufwand

Hacken, Spitze, einszweidrei: Eintracht-Angreifer Haris Seferovic setzt sich gegen Alvaro Dominguez durch. Bild: Wonge Bergmann

Die Frankfurter Eintracht überzeugt beim 0:0 gegen starke Gladbacher. Doch die Gelb-Sperren für Oczipka und Anderson verschärfen vor der Partie in Dortmund die Personalprobleme.

          3 Min.

          Geht doch. Die Eintracht kann also auch rundum zu null spielen. Keine Tore vorne, keine Tore hinten. Das hatte es in dieser an Kapriolen so reichen Bundesligasaison noch nicht gegeben. Die Wende kam am Freitag, als sich mit Borussia Mönchengladbach die derzeit spielstärkste deutsche Fußballmannschaft in Frankfurt vorstellte – und von der Eintracht gehörig in Verlegenheit gebracht wurde. „Das war ein gutes 0:0“, sagte nach der attraktiven Nullnummer vor ausverkauftem Haus Eintracht-Trainer Thomas Schaaf. „Wir haben ein gutes Ergebnis gegen eine gute Mannschaft erzielt. Meine Mannschaft hat eine tolle Leistung gezeigt.“

          Ralf Weitbrecht
          Sportredakteur.

          Auch wenn es diesmal kein Torspektakel zu bewundern gab: Das Gros der 51.500 Zuschauer dürfte die neunzig Minuten unter Flutlicht als angenehmes Abend-Amüsement empfunden haben „Wir waren aggressiv, griffig und einfach im Spiel drin“, urteilte Stefan Aigner. Um den flinken rechten Außenmann der Eintracht war vor dem Duell mit der Borussia reichlich Wirbel entfacht worden. Letztlich aber konnte der Angreifer die muskulären Probleme rechtzeitig beheben und sich gewohnt kämpferisch in den Dienst der Mannschaft stellen.

          Dass es Aigner war, der den möglichen Siegtreffer auf dem Fuß hatte, passte irgendwie ins Bild. Und doch kann ihm kein Vorwurf gemacht werden. Aigner selbst hatte sich in der 70. Minute, um eine bessere Schussposition zu haben, den Ball vom starken rechten auf den weniger starken linken Fuß gelegt und Maß genommen. Das Gladbacher Tor verfehlte er nur knapp. „Ein Dreier wäre vielleicht verdient gewesen“, sagte er später.

          Hellmann über das Spiel: „Das ist Fußball, wie ich ihn mag“

          Ein Punkt im Rückspiel, dazu drei aus der Hinrundenpartie in Mönchengladbach: In der Gesamtbetrachtung hat sich die Eintracht gegen den zukünftigen Königsklassen-Klub achtbar geschlagen. Folgerichtig gab es auch reichlich Lob für Schaaf und seine Mannschaft. „Unsere Spieler haben eine erstklassige Moral bewiesen“, sagte Vorstandschef Heribert Bruchhagen. „Sie haben aufopferungsvoll gekämpft. Es hat uns allen gutgetan, einen Punkt gegen Gladbach geholt zu haben.“

          Auch Bruchhagens Vorstandskollege Axel Hellmann zeigte sich ausnahmslos zufrieden. „Die Spieler haben Fighting-Spirit gezeigt. Das ist Fußball, wie ich ihn mag.“ Zudem: Schaaf hatte für die herausfordernde Aufgabe gegen die Borussia die richtigen taktischen Winkelzüge angeordnet. Er beorderte Aleksandar Ignjovski und Slobodan Medojevic in die Startelf, er nahm im Laufe der Partie die passenden Umstellungen vor, als er Ignjovski vor die Abwehr schickte. Und er konnte sich auf seine Mannschaft als Gesamtgebilde verlassen, denn mit 120 Kilometern liefen die Eintracht-Profis fünf mehr als Gladbach.

          Dieses Mehr an Arbeit, Eifer und Aufwand war schon vom Anpfiff an zu erkennen, als die Frankfurter die Borussen früh attackierten und insgesamt nicht zur Entfaltung kommen ließen. „Die Eintracht hat uns sehr hoch gepresst“, sagte der Gladbacher Trainer Lucien Favre in der Sprache des Fußballs. „Frankfurt hat mit hoher Intensität gespielt“, so der Schweizer, der sich schon lange und immer wieder als Freund des Fußballs der Marke Eintracht zu erkennen gibt.

          Der Eintracht gehen die personellen Alternativen aus

          Bis zum Anschlag, bis zur Erschöpfung: Stellvertretend mag dafür auf Seiten der Eintracht Nelson Valdez stehen. An der Seite von Sturmkollege Haris Seferovic rieb sich der Paraguayer immer wieder auf, gab keinen Ball verloren, hatte Pech mit einem Kopfball (34.) – und wurde in der 81. Minute entkräftet aus dem Spiel genommen. „Der Junge hat so lange gekämpft, bis er rasiert war“, sagte Schaaf über seinen einstigen Bremer Musterschüler.

          Während Valdez auch am kommenden Samstag beim schweren Auswärtsspiel in Dortmund für die Eintracht stürmisch am Ball sein wird, müssen Bastian Oczipka und Bamba Anderson eine Zwangspause einlegen. Beide sahen gegen Gladbach zum fünften Mal Gelb und sind für ein Spiel gesperrt. Zudem ist der Einsatz von Medojevic fraglich. Er hat sich in der Partie gegen Mönchengladbach eine Adduktorenzerrung zugezogen, wie eine Untersuchung durch Mannschaftsarzt Dr. Wulf Schwietzer ergab.

          „Es wird eng“, sagte Sportdirektor Bruno Hübner zur personellen Situation. „Uns gehen langsam die Alternativen aus.“ Für den Trainer ist dies nach wie vor „kein Grund zum Jammern“, wie er nach der mutmachenden Nullnummer gegen die Borussia sagte. „Wir haben vorher nicht gejammert, und wir werden auch jetzt nicht jammern, sondern gucken, wer nächste Woche dabei sein kann.“

          Für die Eintracht beginnt die Arbeitswoche wie für viele andere Arbeitnehmer auch am Montag. Schaaf hat seiner Mannschaft zwei freie Tage am Stück gewährt. Oft hat er dies in der zurückliegenden Zeit nicht gemacht. Man kann es als Indiz für den Grad seiner Zufriedenheit werten.

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