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Eintracht Frankfurt : Die Akte Sam bleibt offen

Strapaze im Stubaital: Für Takashi Inui wird das Trainingslager zum Kraftakt. Bild: Heiko Rhode

Trainer Veh gibt die Hoffnung auf einen Transfer des Schalkers Sidney Sam zur Frankfurter Eintracht noch nicht auf. Im Trainingslager gibt’s derweil Noten. Ein Spieler kommt dabei besonders gut weg.

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          Jetzt greift Plan A. Armin Veh hatte stets betont, erst dann Kontakt zu einem neuen Torhüter aufzunehmen, wenn der Transfer von Kevin Trapp abgeschlossen ist. Der ehemalige Eintracht-Kapitän ist offiziell seit seinem 25. Geburtstag am Mittwoch Mitglied des französischen Fußballmeisters Paris St. Germain – und schon im Trainingslager in Österreich. Wo genau sich der neue designierte Frankfurter Torhüter aufhält, wollte Veh am Donnerstag nicht preisgeben. Nur so viel: „Es ist jemand, der schon bewiesen hat, dass er es kann.“

          Zwei Tage vor Ende des ersten Trainingslagers in Österreich nahm sich der Fußballlehrer Zeit, um eine Zwischenbilanz zu ziehen. Das Übungscamp in Neustift im Tiroler Stubaital nahm bislang den erwarteten Verlauf. Der 54 Jahre alte Eintracht-Trainer ist zufrieden mit den Rahmenbedingungen. „Die Plätze sind sehr gut.“ Und auch das, was er von seinen neuen, alten Spielern zu sehen bekam, gefiel ihm. Über Aleksandar Ignjovski beispielsweise sagte Veh, „dass er gute Ansätze gezeigt hat. Er hat es gut gemacht, muss sich aber noch mehr zutrauen“, lautete seine Einschätzung über den Defensivspieler, der sowohl vor der Abwehr als auch auf dem rechten Verteidigerposten spielen kann.

          Sebastian Jung werde nicht zurückgeholt

          Dies gilt auch für Ignjovskis serbischen Landsmann Slobodan Medojevic, über dessen bisherige Leistungen sich Veh gleichfalls lobend äußerte. Der 24-Jährige durfte sich am Dienstag beim Testspiel gegen Wacker Innsbruck II (4:0) erstmals auf der ungewohnten Außenposition präsentieren. Die Wiederholung folgt wahrscheinlich an diesem Freitag, wenn die Eintracht ihr Privatspiel beim drittklassigen SC Schwaz (19 Uhr) bestreitet. „Es ist nicht angedacht, dass ich sie abgebe“, sagte Veh über die Männer vom Balkan.

          Zu Spekulationen, Sebastian Jung vom VfL Wolfsburg zurückzuholen, sagte Veh: „Das ist im Moment kein Thema. Der Rechtsverteidigerposten steht auf unserer Prioritätenliste nicht ganz oben.“

          Inui macht sich

          Veh will sich alle Optionen offen halten, die sich ihm bieten. So ist bekannt, dass auch Makoto Hasebe rechter Verteidiger spielen kann. „Das hat er schon bei mir gemacht, als ich noch Trainer in Wolfsburg gewesen bin“, sagte Veh über den Japaner. Der 31 Jahre alte Profi aus Fernost spielte bislang als Organisator und Stabilisator auf der sogenannten Sechserposition. Dabei ließ er es jedoch an Torgefahr und einer kreativen, zielstrebig nach vorne orientierten Spieleröffnung missen. Ein gutes Zwischenzeugnis stellte Veh Hasebes Landsmann Takashi Inui aus. Einst von ihm als „zartes Geschöpf“ bezeichnet, scheint sich der im Sommer vollzogene Trainerwechsel auf der Eintracht-Bank besonders stimulierend auf Inui auszuwirken, der auf eine wenig zufriedenstellende Vorsaison blickt. „Taka kann was“, sagte Veh. „Er hat super Werte und anscheinend gut trainiert.

          Doch er kann aus seinen Möglichkeiten noch mehr machen. Ich hoffe, dass er im Abschluss noch besser wird. Er ist noch nicht effektiv genug.“ Veh ist nach wie vor von Inuis Qualitäten überzeugt. „Er kann für uns ein absolut belebendes Element sein, denn er wuselt sich so durch und ist gerade für große Abwehrspieler nur schwer berechenbar.“

          Veh hat gute Meinung von Sam

          Eine berechenbare Größe bei der neuen Mannschafts-Zusammenstellung hätte in Vehs Augen Sidney Sam sein sollen. Doch wegen schlechter Nierenwerte, gepaart mit Rückenproblemen, hatte die Eintracht am Dienstag Abstand von einem Ausleihgeschäft des noch bei Schalke 04 unter Vertrag stehenden Sam gemacht. Vorerst, muss man sagen, denn Veh möchte die Personalie Sam nicht endgültig zu den Akten legen. „Ausschließen kann ich es nicht“, sagte der Frankfurter Trainer. „Schließlich haben wir uns intensiv mit ihm beschäftigt.“ Die Tür sei nicht zu. „Meine Meinung über den Spieler hat sich ja nicht geändert.“

          Ein Meinungsbild über Heinz Lindner lag Veh vor. „Ich kenne ihn schon länger und habe mich mit ihm beschäftigt“, sagte der Trainer über den Keeper. Von der Wiener Austria nach Frankfurt gekommen, ist der zweite Torhüter der österreichischen Nationalmannschaft bestrebt, nach Trapps Weggang den begehrten Platz zwischen den Pfosten zu erobern. „Die Bundesliga ist Neuland für mich“, sagte Lindner. Über seine Chancen bei der Eintracht äußerte sich der Österreicher diplomatisch: „Ziel ist, das Bestmögliche rauszuholen. Ich weiß nicht, ob ich den Anspruch stellen kann, die Nummer eins zu sein.“ Der am 17. Juli 25 Jahre alt werdende Lindner saugt die ersten Arbeitstage bei seinem neuen Klub begierig auf, denn „ich finde es toll, für diesen Traditionsverein spielen zu dürfen“. Angetan ist Veh von Lindners Fähigkeiten auf der Linie. „Da ist er stark. Er muss aber früher rausgehen und besser mitspielen.“ Grundsätzlich glaubt der Coach, mit Lindner einen erfolgversprechenden Keeper in seinem Kader zu haben. „Ich bin mir sicher, dass er es kann.“

          Verstärkung bei der Eintracht tut trotzdem not. Veh braucht zwingend einen weiteren Torwart, auch um den teaminternen Wettbewerb zu forcieren. „Aus meiner Sicht ist es wichtig, dass sowohl der neue Torwart als auch der neue Linksaußen bis zum Start des zweiten Trainingslagers dabei sind“, sagte der Trainer. Zur Erinnerung: Abfahrt nach Windischgarsten über den Umweg Heidenheim, wo noch ein Testspiel stattfindet, ist am 18. Juli. Erfreulich für die Eintracht: Schon am 15. Juli kommt Alexander Meier aus der Reha zurück nach Frankfurt. Der Torschützenkönig der Fußball-Bundesliga wird sich beim Arzt durchchecken lassen. Auch mit ihm rechnet Veh beim nächsten Ausflug in die Berge.

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