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Halfpipe-Gold für Podladtchikow : Die Ära Shaun White ist zu Ende

  • -Aktualisiert am

Der neue und der alte Olympiasieger: Shaun White (r.) gratuliert Juri Podladtschikow Bild: REUTERS

Shaun Whites Geschichte bei Olympia geht ohne drittes Gold zu Ende. Ohne Medaille. In der Halfpipe wird der Snowboard-Superstar nur Vierter. Gold holt sich der Schweizer Juri Podladtchikow.

          Das war ein Finale ganz nach dem Geschmack der Zuschauer. Und ganz nach dem Geschmack von Juri Podladtchikow. Der Schweizer Snowboarder mit russischen Wurzeln war mit dem erklärten Ziel zu den Olympischen Spielen nach Sotschi gekommen, Gold in der Halfpipe zu gewinnen. Nun stand er im Ziel dort, wo der Führende steht und wartete. Mehr konnte er nicht mehr tun. Alles andere hatte er schon erledigt. Dritter war er nach dem ersten Finaldurchgang gewesen, und dann im zweiten hatte er alles riskiert und sich mit einem Traumlauf an die Spitze des Feldes gesetzt.

          Michael Eder

          Sportredakteur.

          Er hatte eine Höchstschwierigkeit an die andere gereiht, darunter einen Double Cork 1260 und einen Double Cork 1080, ein Feuerwerk an Drehungen und Salti, und am Ende war ihm sogar der „Yolo Flip“ gelungen, den er vergangenes Jahr erfunden hatte, einen Doppelsalto mit vierfacher Schraube. 94,75 von 100 möglichen Punkten hatte er dafür von den Punktrichtern bekommen. Platz eins.

          Die meisten der ärgsten Konkurrenten war schon durch, keiner hatte ihn gefährden können, auch die Amerikaner Greg Bretz und Danny Davis nicht, die mit der weichen und schwer zu fahrenden Halfpipe nicht zurecht kamen. Dann war als Vorletzter der erst 15 Jahre alte Japaner Ayumu Hirano an der Reihe, und unten am Ziel gefror Podladtchikows Dauerlächeln und die Vorfreude, die ihm aus allen Poren drang. Warten auf die Wertung. Lange, sehr lange.

          Dann die Anzeige auf der Videotafel: 93,50 Punkte für Hirano. Der Japaner blieb Zweiter, Podtladtchikow blieb vorn. Silber hatte er sicher, aber das war nicht, was er wollte, er wollte Gold, diesen Traum träumte er seit vier Jahren, seit er bei Olympia in Vancouver nur Vierter geworden war. Aber nicht nur von Gold träumte er, er träumte auch davon, Shaun White zu schlagen und aus dem Schatten des Superstars zu treten. Er träumte davon, im Duell der großen Kreativen dieses Sports an diesem Tag in Russland das größere Kunstwerk zu schaffen.

          Bei dieser Bruchlandung verliert White alle Chancen auf Gold Bilderstrecke

          Und jetzt stand Shaun White oben, als Letzter, im ersten Durchgang hatte er zwei Fehler gemacht und keine Wertung von Belang bekommen, nun fuhr er in die Pipe, um nach Turin und Vancouver sein drittes Gold in der Halfpipe zu gewinnen. Podladtchikow war jetzt ruhig. Er schaute sich den Lauf seines größten Widersachers an, ließ geschehen, was geschehen würde. Er ist keiner, der dem Gegner Schlechtes wünscht, er verehrt White für seinen Stil und seine Klasse. Gold oder Silber, sagte er später, sei in diesem Moment egal gewesen.

          Auch White wagte alles, seine Nervenstärke ist legendär, jahrelang verlor er auch in Drucksituationen weder seine Eleganz noch seine Sicherheit. Er ist der Mann, der zu hundert Punkten fahren kann, zur Perfektion, das hat schon bewiesen. Doch diesmal war es anders. White machte wieder einen Fehler, verlor an Fahrt und kämpfte sich dann nur noch ins Ziel. Platz vier. Nicht einmal ein Medaille für ihn.

          Der Zeitplan der Olympischen Winterspiele in Sotschi

          Podladtchikow sank in den Schnee, dann eine lange Umarmung mit White, ein denkwürdiger Moment in der Geschichte des Snowboardens. Eine Ära war vorbei. Whites Geschichte bei Olympia war ohne drittes Gold zu Ende gegangen. Ohne Medaille. In vier Jahren in Südkorea wird er mit dann 31 Jahren nicht mehr dabei sein. Längst hat er sich in der Geschäftswelt eingerichtet, er gehört zu den Großverdienern im amerikanischen Sport.

          Podladtchikow hatte am Dienstag den schweren Weg gehen müssen, um überhaupt ins Finale der besten zwölf Fahrer zu kommen, White war hineingeschwebt. In der Qualifikation hatte er einen federleichten Lauf ohne jede Unsicherheit gezeigt, war direkt ins Finale gefahren und hatte in aller Selbstsicherheit, zu der er fähig ist, verkündet, dass er sich ganz großartig fühle.

          Der aktuelle Medaillenspiegel der Olympischen Winterspiele

          Podladtchikow hingegen verpatzte seinen ersten Qualifikationslauf und erreichte erst im zweiten das Halbfinale, in dem er um den Einzug in den Showdown kämpfen musste. Er bestand diese Prüfung als Bestplazierter. Die Qualifikation durchzustehen, sei das Härteste gewesen, was er je erlebt habe, sagte Podladtchikow später.

          Danach sei alles wie von selbst gegangen, von Lauf zu Lauf habe er mehr zeigen können bis hin zum letzten Sprung, dem spektakulären „Yolo Flip“. White zeigte sich am Ende als gefasster und fairer Verlierer. Als Podladtchikow ihn am Ziel umarmte, fragte er den geschlagenen Amerikaner, ob er mit ihm feiern wolle. Whites Antwort fiel kurz und knapp aus: „Yeah, man!“

          Ergebnisse im Snowboard, Herren, Halfpipe

          Gold: Iouri Podladtchikov (Schweiz) 94,75 Pkt.
          Silber: Ayumu Hirano (Japan)  93,50
          Bronze: Taku Hiraoka (Japan)  92,25

          4. Shaun White (USA) 90,25
          5. David Hablützel (Schweiz) 88,50
          6. Zhang Yiwei (China) 87,25
          7. Shi Wancheng (China) 81,00
          8. Tim- Kevin Ravnjak (Slowenien) 72,25
          9. Kent Callister (Australien) 68,50
          10. Danny Davis (USA) 53,00

          ...22. Johannes Höpfl (Passau) 65,50 (Qualifikation)

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