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Interview mit Markus Wasmeier : „Alles Pfundstypen“

  • -Aktualisiert am

„Man darf sich nicht verrückt machen lassen“, sagt Markus Wasmeier. Bild: Picture-Alliance

Markus Wasmeier ist der bislang letzte Deutsche, der alpiner Olympiasieger wurde. Der ewige Skistar spricht vor der Abfahrt am Sonntag über seine potentiellen Nachfolger, die Tücken einer vermeintlich leichten Strecke – und wie man mit Erfolgsdruck umgeht.

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          Die deutschen Abfahrer haben zuletzt gute und sehr gute Resultate im Weltcup gezeigt. Was können wir von ihnen bei den Olympische Spielen erwarten?

          Was heißt erwarten? Da müssen wir erst mal abwarten, wie es alles zusammenpasst. Richtig ist, dass der Thomas Dreßen bislang eine sehr gute Saison hinter sich hat. Das fing schon mit dem dritten Platz in Beaver Creek an und dann kam natürlich der tolle Erfolg in Kitzbühel. Und auch in Garmisch hat er sich gut verkauft. Er ist absolut ein Kandidat für Medaillen.

          Für manche gilt er nach dem Sieg auf der Streif in Kitzbühel sogar als Favorit. Hat er wirklich die Chance auf Gold?

          Man darf nicht den Fehler machen, und die Abfahrten miteinander vergleichen. Die Olympiastrecke bietet bei weitem nicht so einen großen Anspruch wie die Klassiker in Kitzbühel oder auch Garmisch. Deshalb ist eine Gold-Prognose mit Vorsicht zu genießen.

          Wie sollte er und auch die anderen deutschen Fahrer mit dem gestiegen Erwartungshaltung umgehen?

          Der Vorteil ist schon mal, dass sie unterwegs sind und sehr weit weg. In Korea werden erst mal sehr wenige Zeitungsreporter etwas von ihnen wollen. Das bringt sie gar nicht so oft auf den Gedanken, dass das anstehende Rennen etwas ganz Besonderes sein könnte.

          Ist das grundsätzlich Ihr Tipp, den Mythos Olympia möglichst darauf runter zu brechen, dass es auch nur ein Rennen ist wie jedes andere auch?

          Das sollte man genau so machen. Es als ein Rennen wie jedes andere auch angehen. Die Taktik ist allerdings auch von Mensch zu Mensch verschieden. Es gibt da unterschiedliche Typen. Die Mikaela Shiffrin hat zum Beispiel in Sotschi, als 19-Jähriges Mädel, zwischen dem ersten und zweiten Slalom-Durchgang noch mit ihren Fans über Social Media gechattet. Und dann hat sie Gold gewonnen. Die ist gar nicht nervös gewesen.

          Vorteil der Jugend, so wie bei Ihnen, als sie 1985 Weltmeister im Riesenslalom wurden.

          Wenn man so jung ist, macht man oft intuitiv das Richtige. Man ist dann weniger vorbelastet.

          Auch weil die Öffentlichkeit nichts erwartet?

          Man kann dann alle überraschen, weil man der Jäger ist. Man hat aber keine Verpflichtung, etwas abzuliefern.

          Das wäre die Chance für Andreas Sander. Der rutscht bislang so ein bisschen unter dem Radar durch, hat aber großes Potential angedeutet. Wie sehen Sie seine Chancen?

          Bei dem Andreas warten wir eigentlich bei jedem Rennen, dass der Knopf mal aufgeht. Wenn das passiert, dann kann er auch ganz vorne landen. Er hat schon eine ganz gute vorolympische Saison gefahren.

          Er selbst glaubt, dass die Strecke ihm liegen könnte wegen der relativ weiten Kurven.

          Ja schon, es ist aber auch so: je weniger brutal eine Abfahrtsstrecke ist, umso schwieriger wird es, zu gewinnen. Denn dann rückt die Leistungsdichte der Fahrer noch einmal enger zusammen. Aber es stimmt, die langen Radien, wie sie auf der Olympia-Strecke zu fahren sind, die liegen dem Andreas. Und auch der Josef Ferstl kann die nutzen

          Wie schätzen Sie ihn ein, den dritten im Bunde? Der Ferstl hat immerhin auch schon einen Super G in dieser Saison gewonnen, wenn auch von der Startnummer begünstigt.

          Den Josef würde ich nicht ganz so stark einschätzen, wie die anderen beiden. Der Ferstl ist einer, wenn er zu viel will, dann presst er die Ski zu stark in den Schnee. Der hat zu viel Kraft, und einen sehr starken Willen. Ihm würde etwas mehr Gelassenheit gut tun, dann würde er schneller fahren.

          Also zwei Gebote: keine Zeitung lesen. Und sich nicht verrückt machen lassen.

          Richtig. Dann lenkst du dich nicht ab und regst dich nicht auf – weil es immer so ist, dass alles was du sagst, sich ein bisschen anders liest, als du es eigentlich gesagt hast.

          Wie werden Sie das Rennen und überhaupt die Olympischen Spiele verfolgen?

          Von zu Hause, vor dem Fernseher, nachts um drei bin ich dabei.

          Würden Sie sich freuen, wenn einer der drei Sie ablösen würde als letzten deutschen Olympiasieger im alpinen Skisport?

          Ja klar, ich würde mich wahnsinnig freuen. Es wäre doch schrecklich, wenn es wieder 58 Jahre dauern würde, bis ein Deutscher Olympiasieger wird. So wie bei mir 1994. Ich war der Erste seit dem Franz Pfnür, und der hatte 1936 in Garmisch gewonnen, das darf man ja gar keinem sagen. 

          Würde ein deutscher Olympiasieger dem Skisport mal wieder einen Schub geben?

          Das wäre super für den ganzen Skisport in Deutschland. Wir brauchen doch auch Sieger. Deshalb sollen die jetzt mal loslegen. Das sind doch alles Pfundstypen. Die können was gewinnen.

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