https://www.faz.net/-gtl-6m46p

Martin Heuberger im Gespräch : „Bundesliga hat zu wenig Vertrauen in die Jungs“

  • Aktualisiert am

Die deutschen Handball-Junioren im Goldrauch: In Griechenland holen sie den WM-Titel Bild: dpa

Während die Männer-Nationalmannschaft ein Tal durchläuft, wird die U21 souverän Weltmeister. Im F.A.Z.-Interview spricht der künftige Handball-Bundestrainer Martin Heuberger über seinen letzten großen Erfolg mit dem Nachwuchs.

          2 Min.

          Die deutschen Handball-Junioren sind wieder Weltmeister: Im Finale der WM in Griechenland besiegten sie Dänemark 27:18 – letztmals unter der Leitung von Martin Heuberger, dem neuen Bundestrainer.

          Sind Sie ein Mann mit goldenen Händen?

          Das weiß ich nicht. Ich muss sagen, dass dieser Titelgewinn schon sehr überraschend war. Wir hatten vorher viele Probleme, mit Verletzungen zum Beispiel. Aber wir haben uns während des Turniers als Mannschaft gefunden.

          Martin Heuberger führt den Nachwuchs zum Titel und wird nun Nachfolger von Heiner Brand
          Martin Heuberger führt den Nachwuchs zum Titel und wird nun Nachfolger von Heiner Brand : Bild: dpa

          Aber Sie sind mit den Junioren in den vergangenen Jahren zweimal Europameister geworden und zweimal Weltmeister – und haben damit Heiner Brand, den Sie jetzt als Trainer der A-Nationalmannschaft ablösen, eindeutig übertrumpft.

          Das würde ich so nicht sagen. Der Heiner hat seine Verdienste um den deutschen Handball, ganz klar. Und ich habe einige Erfolge im Nachwuchsbereich gehabt, aber deswegen stelle ich den Heiner nicht in den Schatten.

          Warum so bescheiden?

          Mir ist wichtig, dass wir die Jungs weiterbringen und im deutschen Handball insgesamt etwas bewegen können.

          Sie haben Ihr Team in Griechenland letztmals betreut. Ist der Abschiedsschmerz momentan größer als die Lust auf das künftige Amt?

          Es ist bei mir jetzt sehr schwankend. Am Samstag war doch Wehmut dabei, schließlich waren wir neun Jahre lang ein funktionierendes Team. Das hatte sich sehr gut entwickelt. Ich freue mich aber doch auf die neue Aufgabe, die auch sehr reizvoll sein wird.

          Wie ist eigentlich diese Diskrepanz zu erklären: der deutsche Nachwuchs ganz oben im Welthandball, die Männer hingegen nur noch Mittelmaß?

          Ich sehe das bei den Männern nicht ganz so dramatisch. Ich glaube, dass Deutschland schon noch zu den führenden Nationen gehört, obwohl wir bei den letzten beiden Turnieren keine guten Ergebnisse erzielt haben. Wir müssen schauen, dass wir wieder Konstanz reinkriegen und junge Spieler einbinden, um uns mittelfristig, in drei oder vier Jahren, wieder in der Weltspitze etablieren zu können.

          Was kann denn das Männerteam von dem aktuellen Junioren-Jahrgang lernen?

          Mir hat sehr viel Spaß an diesem Team gemacht, dass es wirklich auf den Handball fokussiert war, dass es sich Tag und Nacht mit der Sache beschäftigt hat. Diese Mentalität war beeindruckend. Dahin müssen wir auch mit der A-Mannschaft wieder kommen. Bei ihr hatte ich zuletzt den Eindruck, dass zu viele persönliche Interessen im Vordergrund standen, dass nicht alle ihr letztes Hemd für diese Mannschaft gegeben haben.

          Ist der Druck für Sie durch den jüngsten Erfolg gewachsen – immerhin müssen Sie sich als Nachfolger Brands schon Anfang 2012 bei der Europameisterschaft beweisen?

          Ich wäre falsch beraten, wenn ich denken würde, es ginge jetzt so weiter. In Serbien wollen wir möglichst gut abschneiden, damit wir auch noch auf den Olympia-Zug aufspringen können. Das ist ein Zwischenziel. Aber ich plane grundsätzlich mittelfristig.

          Ist die „goldene Generation“ der Junioren womöglich auch eine verlorene Generation, wenn sie nun doch keine Chance erhält in der Bundesliga?

          Die Liga hat dieses Potential schon lange erkannt. Aber sie hat noch zu wenig Vertrauen in diese Jungs. Ich glaube, dass alle Spieler des WM-Teams das Zeug haben, in der Bundesliga zu spielen. Man muss mit ihnen nur vernünftig arbeiten.

          Werden Sie versuchen, die Vereine davon zu überzeugen?

          Das wird eine meiner wichtigsten Aufgaben in den nächsten Wochen sein.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Langer Winter: Zwei Polizisten am Mittwoch auf dem Roten Platz in Moskau

          Repressionen in Russland : In der Krise wächst die Paranoia

          Corona, eine schwache Wirtschaft und Proteste: Wladimir Putins Machtapparat sieht sich in Russland vielen Krisen ausgesetzt. Und erhöht deswegen den Druck auf Opposition und Zivilgesellschaft.
          Maye Musk ist die Mutter des Unternehmers Elon Musk. Am Donnerstag erscheint ihre Autobiographie „Eine Frau, ein Plan“.

          Maye Musk : „In unserer Familie nimmt niemand frei“

          Wer Elon Musk verstehen möchte, muss seine Mutter Maye kennen lernen. Im Interview spricht sie über Abenteuertouren in der Wüste, ihre Modelkarriere mit 70 und wie sie einst aus Armut auf Dates verzichtete.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.