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Boxen : Feigenbutz wird kleinlaut

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Mehr als ein Nasenstüber: Vincent Feigenbutz muss die Erfüllung seiner Träume aufschieben Bild: dpa

Wuchtige Schläge und flotte Sprüche sind das Markenzeichen von Vincent Feigenbutz. Eigentlich. Bei der K.o.-Niederlage gegen de Carolis lässt er beides vermissen.

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          Gut, dass Ringrichter Gustavo Padilla sich eingemischt hat, sich schützend vor Vincent Feigenbutz stellte. „Ich stand ja noch“, maulte der Karlsruher, „ich hätte weitergemacht.“ Der andere aber auch. Der andere war der Italiener Giovanni De Carolis, elf Jahre älter und reifer als der gerade mal zwanzigjährige Feigenbutz. De Carolis ist ein solider Berufsboxer, beileibe kein Weltklasseboxer, aber seit der Nacht von Samstag wird der Römer als Weltmeister im Supermittelgewicht des Verbandes WBA geführt.

          Dank eines Technischen K.o., der ein richtiger geworden wäre, wenn De Carolis nicht von Padilla gestoppt worden wäre. Feigenbutz konnte sich nicht mehr des Schlaghagels entziehen, ohne Anzeichen von Gegenwehr in dieser elften von zwölf Runden. Der frühere Europameister Axel Schulz, als Experte am Fernsehmikrophon nicht immer ein Schwergewicht, landete mit seiner Feststellung einen Volltreffer: „Er hat gekämpft wie ein Löwe, den Preis für seine Unerfahrenheit gezahlt.“ Dazu zählt auch seine Fehleinschätzung, die Weltspitze aufmischen zu können.

          Wirkungstreffer: Giovanni De Carolis (r.) schlägt Vincent Feigenbutz

          „Er hat geschwommen, es geht nicht mit Gewalt“, sagte Ulli Wegner, der Cheftrainer des Sauerland-Boxstalls – und vergab damit quasi, die Note mangelhaft. Der Box-Twen wird fernab der Berliner Trainingszentrale in Karlsruhe von Hans-Peter Brenner geschliffen. Dem fiel zum Offenburger Auftritt seines Boxers so wenig Analytisches ein wie dem verhinderten Champ selbst.

          Er hatte genauso agieren wollen wie damals im Herbst 2015, als es auf den Zetteln der Punktrichter für einen knappen Sieg gegen De Carolis reichte. Aber diesmal sah er sich einem stärkeren Herausforderer gegenüber, der seine Lehren gezogen hatte, die Lücken in der Deckung seines Gegners schonungslos aufzeigte, eine feinere Klinge schlug. „Ein intelligenter Boxer“, befand Brenner reichlich kleinlaut. Außer seiner Robustheit, seiner Fähigkeit, nahezu ungerührt Schläge wegzustecken, und überfallartigen Angriffen, hatte Feigenbutz nichts zu bieten. „Hau ihn um“, lautetet dis Strategie aus der Ringecke vor der elften Runde. Schließlich lag Feigenbutz zu diesem Zeitpunkt bei den Punktrichtern zwischen zwei und sechs Runden hinten. De Carolis realisierte den Part des Alles oder Nichts zu seinen Gunsten.

          „Ich komme wieder“

          Wenn es nach dem Promoter Sauerland gegangen wäre, hätte der Ringrichter die ultimative Auseinandersetzung just in jenem Moment unterbrechen, sogar sanktionieren müssen, als ein Schlag am Hinterkopf des Deutschen landete. Wo gehobelt wird, da fallen Späne, lautete sinngemäß der Konter von De Carolis. Wegner, leitender Angestellter des Boxstalls, hielt kurz und knapp fest: „Sauerland lebt vom Boxen“. Im Hause Sauerland ist man sonst nicht so kleinlich, wenn bei den hauseigenen Athleten mal was daneben geht.

          Der Verlierer saß nach der Dopingprobe da, als hätte er immer noch nicht realisiert, was ihm da widerfahren war. „Meine Leistung hat nicht gereicht, ich komme wieder“, waren Eingeständnis und Versprechen zugleich. Auf der Stirn von Ringarzt Walter Wagner zeichneten sich hernach Sorgenfalten ab. „Man muss den Jungen schützen“, sprach er. Mit zwanzig genießt ein Berufsboxer normalerweise Welpenschutz. Feigenbutz, Feinmechanikerazubi der Stadtwerke Karlsruhe, und sein Management aber haben das Feuer gesucht, an dem sie sich jetzt verbrannt haben. Sein Manager Rainer Gottwald, als früherer deutscher Meister im Kickboxen hart im Nehmen, versprach: „Wir stehen wieder auf, Vincent wird die nächste Chance suchen.“

          Als dessen Welt noch in Ordnung war, er im Akkord von Sieg zu Sieg eilte, hatte Trainer Brenner beschrieben, wie es zum Weltmeister reichen könnte: „Wenn Vincent weiterhin mitzieht, sich nicht verliebt oder verletzt.“ So einfach haben sie sich den Griff nach den Sternen vorgestellt. Ein beherzter Ringrichter hat den Sturz in den Ringstaub verhindern können. Das ist die alles in allem positive Nachricht. Sie relativiert die Selbsteinschätzung eines robusten großen Jungen, der ernsthaft glaubte, schon heute damit anzufangen, alle Titel in seiner Gewichtsklasse holen zu können.

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