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CHIO in Aachen : Totilas begeistert und enttäuscht

  • -Aktualisiert am

Der deutsche Reiter Matthias Alexander Rath mit seinem Pferd „Totilas“ beim CHIO in Aachen. Bild: dpa

Nach zwei Jahren Verletzungspause sind Matthias Rath und sein Pferd Totilas zurück. Sie holen zwei Siege in Aachen, doch auf die Kür verzichtet Rath– und erhält Pfiffe aus dem Publikum. Für Glanz sorgen Bella Rose und die Dressur-Equipe.

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          Die Schlusslinie war stark: Totilas und Matthias Rath bei den letzten Tritten in Richtung Halt, das Pferd glänzend wie Lack, die Passage, die Energie und Erhabenheit ausstrahlen soll, perfekt ausgeführt, die Piaffe wie in alten Zeiten, vollendet in der Silhouette mit kraftvoller Hinterhand. Das wollen die Richter sehen – sie gaben ihm am Samstag beim Grand Prix Special für diese Linie fünfmal die Höchstnote 10.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Und auch die Leute, die wegen dieses Pferdes ans Dressurviereck pilgern, warten auf solche Höhepunkte. Bei aufmerksamem Hinsehen konnten sie zwar erkennen, dass der vierzehnjährige Totilas und sein Reiter Rath nach zwei Jahren Verletzungspause noch nicht auf dem Gipfel ihrer Möglichkeiten angekommen sind. Aber die Erinnerung an das alte Totilas-Feeling wurde wieder aufgefrischt. Auch Fußball-Weltmeister Thomas Müller und seine reitende Frau Lisa genossen das hochklassige Bild im Viereck – Rath und Totilas gewannen nach der Bestnote im Grand Prix am Donnerstag auch den Grand Prix Special am Samstag gegen Weltklasse-Konkurrenz.

          Rath verzichtet auf Start in der Kür

          Wer allerdings erst am Sonntag beim CHIO in Aachen erschien, um den berühmten Hengst zu sehen, der kam zu spät. Auf den Höhe- und Schlusspunkt der Dressurwettbewerbe in der Soers, die Kür mit Musik, verzichtete Rath. „Da das Pferd sich noch immer im Aufbau befindet, ist aus Sicht des Dressurausschusses ein weiterer Start in der Kür nicht erforderlich“, sagte Klaus Roeser, der Vorsitzende des Dressur-Ausschusses im Deutschen Olympiadekomitee für Reiterei (DOKR).

          Das könnte vieles heißen: Er ist einfach noch nicht so weit. Oder: Die neue Kür ist angesichts der kurzen Vorbereitungszeit noch nicht ausgereift. Oder: Seine Gesundheit sollte im schwülen Aachen nach der langen Verletzungspause nicht weiter belastet werden. Oder auch: Es wäre dumm nach zwei Siegen, die auch durch ungewöhnlich fehlerhafte Vorstellungen der Konkurrenz zustande gekommen waren, eine Niederlage zu riskieren – schließlich will man die Gegner fünf Wochen vor den Weltmeisterschaften in der Normandie nicht unnötig stark machen. „Ich glaube“, sagte Rath, „jeder kann verstehen, dass wir die beste Vorbereitung brauchen.“

          Publikum reagiert mit Pfiffen

          Doch einige Zuschauer in Aachen waren anderer Meinung: Die Mitteilung, dass sie auf das Paar verzichten mussten, quittierten manche von ihnen mit Pfiffen. Und Veranstalter Frank Kemperman, der die Nachricht hinten herum hatte erfahren müssen, fand: „Wir sind sehr enttäuscht. Sie haben eine Pflicht gegenüber dem Publikum.“ Doch das wurde reichlich entschädigt. Den mit 43.000 Euro belohnten Sieg holte sich die Britin Charlotte Dujardin mit Valegro. Die Doppel-Olympiasiegerin, Europameisterin und Weltcupsiegerin hatte bis dato vor allem mit den fliegenden Galoppwechseln auf Kriegsfuß gestanden und auch am Sonntag gelangen sie nicht fehlerlos. Aber ihre schwierige und ansonsten virtuos vorgetragene Kür zur Musik „Drachenzähmen leicht gemacht“ wurde trotzdem mit 87,900 Prozentpunkten belohnt.

          Im Grand Prix am Donnerstag hatte sie ein Desaster mit einer noch nie erlebten Fehlerserie in der Galopp-Tour erleben müssen. „Aber das war ein Weckruf für mich“, sagte sie. Zweite wurde Helen Langehanenberg (Billerbeck) mit dem leichtfüßigen Westfalenhengst Damon Hill (86,025) vor Isabell Werth mit der Fuchsstute Bella Rose.

          „Wenn alles gut läuft, ist diese Truppe nicht zu schlagen“

          Bella Rose! Die erst zehn Jahre alte Stute blühte im Lauf der Aachener Turniertage immer mehr auf, verlor ihre Ängstlichkeit vor großem Publikum und ihren nervösen Übereifer und setzte am Sonntag zu den Klängen von „Freude schöner Götterfunken“ den Höhepunkt des Tages. Mit 85,150 Prozentpunkten wurde sie zwar Dritte, aber es hätte sich wohl kaum jemand gewundert, hätten die Richter sie auf Platz eins gesetzt. Dabei war die Kür ganz neu – die Musik wurde erst vergangenen Montag fertig gestellt und am Morgen hatte Isabell Werth noch die wichtigsten Passagen eingeübt.

          Am Mittag aber lösten die beiden Begeisterungsstürme aus für die beherzte Choreographie ebenso wie für die ballettöse Ausführung. Zusammen mit Totilas und Desperados, mit dem Kristina Sprehe (Dinklage) Vierte wurde (83,150) könnten die Deutschen bei der WM in der Normandie also ein Team aufbieten, das der Konkurrenz den Atem stocken lässt. Sofern alle fit bleiben. „Wenn alles gut läuft, ist diese Truppe nicht zu schlagen“, sagte Totilas-Mitbesitzer und Pferdesport-Experte Paul Schockemöhle. „Und im Einzel ist alles möglich.“ Charlotte Dujardin allerdings ließ sich bei ihrem ersten Auftritt auf Aachener Geläuf nicht einschüchtern. „Ich habe Probleme gehabt, aber das habe ich jetzt hinter mir. Bei den Weltmeisterschaften kommt so etwas nicht vor.“

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