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Box-WM mit Wilder und Fury : „Ich will diesen Penner zu Boden schicken“

  • -Aktualisiert am

Schon vor dem Kampf geht es zwischen Deontay Wilder (links) und Tyson Fury hoch her. Bild: EPA

Der Rückkampf zwischen Champion Deontay Wilder und Tyson Fury in Las Vegas elektrisiert die Szene. Auch die finanziellen Dimensionen sind gigantisch. Zuvor gibt es markige Worte – und Hände in Benzin.

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          Es geschieht nicht oft im Berufsboxen, dass die Wertung der drei Punktrichter bei einem Titelkampf in der Summe ein Remis ergibt. Kommt es mal dazu, hebt in aller Regel ein größeres Lamento an: Mindestens einer der Kämpfer fühlt sich dann vom offiziellen Verdikt benachteiligt. So geschehen im Dezember 2018, als der britische Herausforderer Tyson Fury in Los Angeles den Großteil seines Duells mit WBC-Weltmeister Deontay Wilder bestimmte, doch am Ende nur halbierten Lorbeer erhielt. Für die Experten gehörte der Gipfel der beiden Kolosse gleichwohl zum Besten, was das sogenannte Königslimit in den letzten Jahren an Spannung und Dramatik aufgeboten hat.

          Vierzehn Monate später hat sich die Gemütslage der Protagonisten eigentümlich gewandelt. Plötzlich wollen beide in gleichem Maße aus dem ersten Kampf Selbstbewusstsein und Stärke ziehen, um sich für das zweite, am Samstag (Nacht zu Sonntag 3.00 Uhr MEZ bei DAZN) in Las Vegas anstehende Rendezvous mental zu wappnen. „Ich habe mich beim ersten Mal bewiesen und bin bereit, es wieder zu tun“, tönte Wilder (2,01 Meter Körpergröße). Der 34-Jährige aus Alabama spielt damit auf die beiden Momente an, als er den Widersacher seinerzeit kurzfristig am Boden hatte – eine Erfahrung, die jenem seiner Ansicht nach in den Knochen steckt: „Wenn du so ausgeknockt wirst und nicht weißt, wie du aufgestanden bist, war es Gottes Gnade. Das beschäftigt dich.“

          Tyson Fury (2,06 Meter) wiederum hat für sich mitgenommen, dass er damals „back to my best“ gewesen ist, also sein bestes Ich gezeigt und weite Strecken des Duells bestimmt habe: „Ich habe es nicht auf den Punktezetteln bekommen, aber für mich war es ein Sieg.“ Diesmal will es der 31-Jährige jedoch nicht auf eine Entscheidung nach zwölf Runden ankommen lassen. Stattdessen will er „diesen Penner“ zu Boden strecken, wie er Wilder wissen ließ. In dem Sinne legte er sich bei einem gemeinsamen PR-Termin Mitte Januar fest: „Du wirst in Runde zwei schlafen gehen. Lach jetzt darüber, aber was, wenn du auf dem Rücken liegst und zu mir hochschaust?“

          Hinter den markigen Worten verbergen sich Gegner, die sich vielleicht gar nicht so sicher sind. Auch wenn er den WBC-Gürtel inzwischen zweimal im Eiltempo verteidigt hat, ist Deontay Wilder beim ersten Duell mit dem ungeschlagenen Briten (29 Siege, 1 Remis) ein Stück entzaubert worden. Phasenweise wirkte er überfordert von dessen flinker Beinarbeit, dem unorthodoxen Stil, an dem schon Wladimir Klitschko verzweifelte. Dazu reichte sein explosiver Punch, der 95 Prozent aller Vergleiche (42 Siege, 1 Remis) beendet hat, für den hartgesottenen Widersacher nicht ganz; dieser war in den Runden 9 und 12 „down, but not out“, kam also jeweils in den Kampf zurück.

          Umgekehrt weiß Fury, dass der mit großem PR-Getöse eingeläutete Abend in der Arena des MGM Grand Garden die wohl letzte Chance ist, den selbstproklamierten „Löwen“ zu erlegen. Es ist sein erklärtes Ziel, in Wilder und Landsmann Anthony Joshua, Champion mit Segen von WBA, IBF und WBO, die beiden renommiertesten Mitbewerber zu entthronen. Dafür hat er seinen Coach Ben Davison gegen „SugarHill“ Steward ausgetauscht, einen Neffen und Assistenten des verstorbenen Klitschko-Trainers Emanuel Steward. Hat in seinem Camp in Las Vegas unter Anleitung eines japanischen Meisters oft mit verbundenen Augen gesparrt, wie er erzählte, um seine Instinkte zu schärfen, und seine Hände zur Abhärtung in Benzin getaucht.

          „Wenn ich Wilder und Joshua schlagen kann, habe ich den Ruf als größter Schwergewichts-Champion meiner Generation zementiert“, ist Fury überzeugt, „und das ist alles, was ein Mann erreichen kann.“ Für die Zeit danach sieht er sich eher als Star der WrestleMania oder der Ultimate Fighting Championship (UFC). Sein Rivale möchte mit einem Sieg unterdessen die Marke seines Idols Muhammad Ali übertreffen, der den WM-Titel zehnmal nacheinander verteidigen konnte: „Es würde alles für mich bedeuten.“

          Es geht wieder mal um ultimative Anerkennung und einen Platz in der Geschichte – ähnlich wie zu jenen Zeiten, als Muhammad Ali, Joe Frazier und George Foreman um den Nimbus des besten Schwergewichts auf dem Planeten stritten. Das ist nicht mal ein unangemessener Vergleich, wie Foreman selbst betont hat. Der inzwischen 72-Jährige zählt das transatlantische Kräftemessen zu den drei größten Rückkämpfen in der modernen Geschichte, nach Louis–Schmeling II sowie Ali–Frazier II. Die finanziellen Dimensionen sind gigantisch. Allein die beiden amerikanischen Pay-per-View-Sender ESPN und Fox dürften schätzungsweise rund 70 Millionen Euro einnehmen.

          Die Beteiligung daran werden Wilder und Fury zu gleichen Teilen einstreichen; das ist ebenso vertraglich fixiert wie die Option auf einen dritten Kampf, der Mitte des Jahres steigen könnte. So brauchen Deontay und Tyson einander wie Muhammad und Joe, um ihre Klasse zu definieren und den Jackpot zu knacken. Erzfeinde bei allen PR-Terminen, doch hinter den glitzernden Kulissen strategische Partner.

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