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Jubelkritik : Ausziehen oder anziehen?

  • -Aktualisiert am

Alles falsch gemacht: Mahiedine Mekhissi-Benabbad Bild: AP

Er will feiern wie ein Fußballer. Und macht dabei alles falsch. Hindernisläufer Mahiedine Mekhissi-Benabbad verliert nicht nur seinen EM-Titel, sondern verpasst auch den Trend der Zeit.

          Mahiedine Mekhissi-Benabbad wollte einmal feiern wie ein Fußballer. Und zog sich das Trikot über den Kopf. Dummerweise nicht hinter der Ziellinie, sondern schon 100 Meter davor. Beim Fußball hätte er dafür die Gelbe Karte gesehen. Doch in der Leichtathletik herrschen strengere Gesetze. Er wurde disqualifiziert: Kein Trikot – kein Titel.

          Zwar lebt die Faszination des Sports auch von der Zurschaustellung schöner Körper. Doch alles muss im Rahmen der Regeln sein. Und die schreiben vor, dass ein Läufer mit sichtbaren Startnummern ins Ziel kommen muss. Und vor allem mit Wettkampfkleidung, „die auch in nassem Zustand nicht durchsichtig ist“ und „in der Art, in der sie getragen wird, nicht anstößig“: IAAF-Regel 143, Absatz 1 könnte von Robert Hartings Oma stammen. Denn die fand es ja auch immer unwürdig, wenn ihr Enkel sein Trikot zerrissen hatte. Doch das war nach dem Wettkampf, und deshalb etwas anderes. Hartings Oma schützt Regel 143, Absatz 1 nicht. Dagegen übermannte die süße Versuchung des Überschwangs Monsieur Mekhissi-Benabbad aus der Champagnerstadt Reims einfach zu früh. Das prickelnde Vergnügen seiner halbnackten Siegesparade auf der Zielgeraden kostete ihn nicht weniger als den EM-Sieg über 3000 Meter Hindernis.

          Wer will sich schon mit Balotelli messen?

          Hätte er mal bei den Fußballern richtig hingeschaut. Denn dort ist das von Mario Balotelli schon im EM-Halbfinale 2012 perfektionierte Trikotausziehen fast schon wieder aus der Mode. Und Hand aufs Herz, wer einmal den italienischen Modellathleten oben ohne gesehen hat, lässt sein Leibchen lieber an, schon um den Vergleich nicht antreten zu müssen. Der neueste Trend in der weltweit führenden Sportart geht im Gegenteil zur Verhüllung. Vermummungsverbot war in den 80er Jahren ein Aufreger, Vollverschleierung ist schon aus praktischen Gründen kein Thema. Dennoch hat der Dortmunder Pierre-Emerick Aubameyang im Supercup mit seiner Maskerade für Furore gesorgt. Nach seinem Treffer zum 2:0 gegen die Bayern zauberte er eine Spiderman-Maske aus dem Stutzen. Kann keiner sagen, dass ihm die Aktion spontan eingefallen wäre, lustig war sie schon. In Frankreich hatte er schon mal ähnliches zelebriert, was ihm sogar den Spitznamen „Spiderman“ einbrachte. In Deutschland dürfte es allerdings eine einmalige Aktion gewesen sein, denn obwohl Spiderman diesmal noch als Held davon gekommen war, stellt Regel 12, Abschnitt Torjubel, klar: „Ein Spieler wird verwarnt, wenn er Kopf oder Gesicht mit einer Maske oder Ähnlichem bedeckt.“

          Spannend wird nun zu beobachten sein, wie beim nächsten großen Sportereignis die Sieger ihre Erfolge feiern. In Berlin beginnen am Montag die Beckenwettbewerbe der Schwimm-Europameisterschaften.

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