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Deutschland bei Handball-WM : „Das ist schon brutal“

Auf ins Halbfinale mit Gebrüll: Uwe Gensheimer und die deutschen Handballer. Bild: dpa

Die deutschen Handballspieler trotzen bei der WM allen Widrigkeiten. Bundestrainer Christian Prokop wirkt zwar geschafft, doch im Moment geht vieles auf, was er sich vorgestellt hat.

          Irgendjemand muss es besonders gut gemeint haben. Bei der Pressekonferenz der Nationalmannschaft stehen nicht nur wie üblich die Schilder mit den Namen der Teilnehmer auf dem Podium, vor den Mikrofonen sind auch die passenden Sticker aus der aktuellen Handball-Sammelkollektion drapiert. Vor Paul Drux liegt also Paul Drux, vor Christian Prokop Christian Prokop. Ganz links sitzt noch Bob Hanning, der Vizepräsident des Deutschen Handballbundes (DHB), von ihm gibt es kein Sammelbild, auch wenn er sicher ein besonderes Teil dafür im Schrank gehabt hätte. Aber dann ist da noch dieser andere Sticker, der zwischen Drux und Prokop liegt, Nummer 19, der Goldpokal.

          Handball-WM 2019

          Seit Montagabend, diesem Sieg auf des Messers Schneide über Kroatien, ist der größtmögliche Erfolg für die deutschen Handballspieler zwar noch nicht greifbar, aber tatsächlich in Sichtweite gerückt. Das Halbfinale ist erreicht bei dieser Weltmeisterschaft, das selbstgesteckte Ziel erfüllt. Und jetzt?

          Der Bundestrainer macht an diesem Dienstagmorgen ganz und gar nicht den Eindruck, als sei er schon voll auf das große Ziel fokussiert. Er wirkt eher ein bisschen geschafft, längst nicht so konzentriert und stringent, wie er sich sonst zuletzt präsentiert hat. Aber das ist kein Wunder. So ein Spiel wie das 22:21 gegen die Kroaten ist keines, das man abhaken und einfach so hinter sich lassen könnte. „Das ist schon brutal“, sagt Prokop, „was man da für Gefühlshöhen und -täler durchschreitet.“ Ein besonders emotionaler Moment für ihn und die Mannschaft muss einer gewesen sein, als das Spiel schon lange vorbei war.

          Spielplan der Handball-WM 2019 in Deutschland und Dänemark

          Als das Team wieder im Hotel ankam und dort von Martin Strobel empfangen wurde. Auf Krücken. Schon nach neun Minuten war Strobel auf dem Parkett der Kölner Arena zusammengesackt, Kreuzbandriss. Prokop weiß, was Verletzungen mit einem Sportler machen, seine Karriere war deswegen früh zu Ende, es ist etwas, was ihm emotional nahegehen muss. Und dann in gewisser Weise auch wieder nicht darf. Schließlich geht es ja weiter, an diesem Mittwoch gegen Spanien (20.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Handball-WM und in der ARD) und dann am Freitag in Hamburg mit dem Halbfinale.

          Es ist jetzt Prokops Aufgabe, Lösungen zu finden, für Strobel ist Tim Suton nachgerückt, 22 Jahre alt vom TBV Lemgo, das ist jetzt die Gegenwart. Vor allem aber ist erst einmal Zeit, durchzuschnaufen. Prokop hat freigegeben für den Dienstagnachmittag, „mal wegkommen von Handball, an andere Dinge denken“. Und er selbst? „Ich muss auch runterkommen“, sagt er. Wenn man Prokop beobachtet in diesen Tagen, muss sich die Welle, von der so oft die Rede ist mit Blick auf die Mannschaft und die Atmosphäre in den Hallen, für ihn noch einmal ganz besonders anfühlen. Wahrscheinlich ist es gerade die Welle seines Lebens, die der 40 Jahre alte Prokop erlebt, sportlich jedenfalls, er hat ja auch zwei kleine Kinder.

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